Attraktion

Der polnische Jurassic Park liegt gleich hinter der Grenze

Kurz hinter Küstrin lädt ein Erlebnispark zu einer Reise ins Zeitalter der Dinosaurier ein. Täuschend echt sind die Tiere aus Styropor nachgebaut und in Airbrush-Technik per Spritzpistole bemalt.

Foto: Johann Mueller

Der „Jurassic Park“ beginnt etwa 30 Kilometer östlich des deutsch-polnischen Grenzübergangs Küstrin-Kietz. Hinter einem hohen Palisadenzaun sind die Dinosaurier nicht auf den ersten Blick zu entdecken. Aber es ertönt markerschütterndes Gebrüll aus dem von hohen Bäumen und dichtem Gebüsch geprägten Areal. Erst auf dem Pfad, der sich durch das Gelände schlängelt, begegnet der Besucher den Urviechern – etwa einem Flugsaurier mit furchterregend ausgebreiteten Flügeln und weit geöffnetem, zahnbewehrtem Schnabel. Mit eindrucksvollen Krallen bewacht er die Eier in seinem Nest. Dann trifft man auf Saurier-Exemplare von Tyrannosaurus Rex oder Brachiosaurus, die auf den Hinterbeinen stehen und sich bis zu 15 Meter in die Höhe recken.

Glücklicherweise sind die Urtiere nicht lebendig, sondern täuschend echt aus Styropor nachgebaut und in Airbrush-Technik per Spritzpistole bemalt. „Die Urzeit ist für Menschen einfach faszinierend, weil keiner genau weiß, wie es damals wirklich war“, sagt Krzystof Kuchnio, Schöpfer des Dino-Erlebnisparks im polnischen Örtchen Nowiny Wielkie. Auf drei Hektar hat er gut 100 Modelle der Urzeitechsen arrangiert, die Besucher auch berühren dürfen. Am Wegesrand stehen zudem Felsblöcke mit eingemeißelten Tier-Reliefs und Daten zu den einzelnen Zeitaltern.

Zehn Jahre arbeitete der gelernte Bautechniker Kuchnio im Dino-Erlebnispark Münchehagen bei Hannover. Vor sieben Jahren wurde ihm die Fahrerei zwischen seinem polnischen Zuhause und der deutschen Arbeitsstelle zu viel, er kehrte in seinen Heimatort Nowiny Wielkie zurück und gründete zunächst eine Saurier-Werkstatt mit fünf Angestellten. Hier entstehen die Styropor-Riesen, hauptsächlich für Kunden in Westeuropa – Freizeitparks und Museen.

Stachel und Schnabel in Handarbeit

Umwickelt mit Glasfaser und Polyesterharz bekommen die Kunststoff-Modelle die richtige Struktur. Schuppen, Stacheln und Hornplatten werden mit Spachtelmasse per Hand geformt. Mannsgroße Modelle wie der Troodoon werden in Kuchnios Werkstatt in zwei Wochen geschaffen. „Würde dieser unscheinbar wirkende Kerl noch leben, wäre ich nicht scharf auf eine Begegnung“, sagt der Begründer des ersten polnischen Dinoparks lachend, „er galt in der Kreidezeit als flinker und gefährlicher Raubsaurier, der nachtaktiv war“.

Für Dinos hatte sich Kuchnio früher nie interessiert, bekennt er. Erst durch die Arbeit in Deutschland begann er Fachliteratur zu wälzen, Filme zu studieren und Vorträge zu besuchen. Um die Uhrzeitechsen möglichst detailgetreu nachbauen zu können, arbeitet er mit zwei Wissenschaftlern der Universität Warschau zusammen. Der Gedanke, einen eigenen Dinopark aufzubauen, reifte in ihm erst allmählich. „In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl von Themenparks, die auf großes Interesse stoßen. In Polen ist das alles noch ziemliches Neuland“, sagt der 48-Jährige, der vor sieben Jahren sämtliche Ersparnisse in seine neue Geschäftsidee investierte und ein gutes Dutzend neuer Arbeitsplätze schuf.

Zum Park, der seine Besucher zurückversetzt in prähistorische Zeiten, gehören Restaurant, Goldfischteich, ein Museum mit Mineralien, Fossilien und Informationen über die Zeit der Dinosaurier, ein Kinderspielplatz, auf dem sich die kleinen Besucher als Archäologen betätigen können. Mit Pinsel, Schippe und Spachtel graben sie aus dem riesigen Sandkasten Dinosaurierskelette in Miniformat aus. Aufgrund der guten Besucherresonanz plant Kuchnio bereits Erweiterungen seines „Jurassic Parks“.

Der Dinosaurierpark in Nowiny Wielkie ist von März bis Ende Oktober täglich geöffnet. Eintritt: Kinder zehn, Erwachsene 13 Zloty (2, 38 bzw. 3,10 Euro). Mehr Infos unter park-dinozaurow.pl/de/