Zollhund-Wettbewerb

Wie Zollhündin Lolita den richtigen Riecher beweist

Verdächtige stellen, Fährten suchen, Verstecke finden: Zollhunde zeigen beim Wettbewerb in Oderberg ihr Können. Riesenschnauzerdame Lolita steht noch am Anfang ihrer Karriere, beweist aber Talent.

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Lolita ist bildschön, eine schwarze Riesenschnauzerdame mit glänzendem Fell und grazilen Bewegungen. Doch auf Schönheit kommt es für die dreijährige Hündin im Leben nicht an. Auf das Kommando ihres Herrchens Peter Dose „Hol!“ rast sie im Wald bei Oderberg (Landkreis Barnim) über eine freie Strecke auf einen Mann mit einem langen Stock in der Hand zu. Lolita stellt den Verdächtigen und hält ihn mit Gebell in Schach, bis Zollamtsinspektor Dose mit einem Kollegen herbeieilt und den Mann festnimmt. Lolita ist gewissermaßen im Dienst – als Zollhund sind für sie Spurensuche, Personenkontrollen und das Stellen flüchtiger Personen Arbeitsalltag an der deutsch-polnischen Grenze. Gemeinsam mit Herrchen Peter Dose ist sie bei der mobilen Zoll-Kontrolleinheit in Guben stationiert, gehört zum Hauptzollamt Frankfurt (Oder).

Jetzt aber tritt das junge Tier erstmals beim Zollhundewettkamf der Bundesfinanzdirektion Mitte an, wetteifert zwei Tage lang mit 18 anderen Vierbeinern und Hundeführern aus vier Hauptzollämtern um Punkte in sechs Einzeldisziplinen. Unter den strengen Augen von Wettkampfrichtern gilt es eben „Verdächtige“ zu stellen, Fährten zu suchen, versteckte Gegenstände und Personen zu finden und bei der sogenannten Unterordnung zu demonstrieren, wie gut Tier und Hundeführer als Team funktionieren.

Lolita ist nicht nur ein Schutzhund, sie kann auch Rauschgift erschnüffeln. Sie steht erst am Anfang ihrer „Zollkarriere“, während der belgische Schäferhund Joe bereits mehrfach Drogen aufgespürt hat, wie sein Herrchen Reinhard Reppenhagen bestätigt. „Der ganz große Fund war allerdings noch nicht dabei“, bedauert der Zollhauptsekretär aus dem uckermärkischen Gartz. Der hellbraune Joe ist dazu ausgebildet, Funde aktiv anzuzeigen. Dass heißt – er stellt einen Geruch fest, auf den er trainiert ist und zeigt ihn durch Bellen und Kratzen an. Lolita hingegen macht das „passiv“: Wird sie fündig, bleibt sie stehen – wie zur Salzsäule erstarrt. „Wir nennen diese modernere Ausbildungsmethode Einfrieren“, erläutert der 44-jährige Hundeführer Dose.

Hundeführer kennen keinen Dienstschluss

Inzwischen werden seinen Angaben nach alle neuen Diensthunde auf diese Weise ausgebildet. Beim Kratzen können Schäden an Autolack oder anderen Gegenständen entstehen, für die der Zoll dann aufkommen musste. „Bei Drogen besteht zudem die Gefahr, dass der Hund ein Rauschgift-Päckchen mit den Zähnen aufreißt, dabei etwas von dem Zeug schluckt und davon krank wird“, sagt Reppenhagen. Auf aktives Anzeigen trainierte Hunde könne man allerdings nicht mehr umerziehen, bedauert er. In den Wettkampfdisziplinen schlägt sich Joe hervorragend, Erfahrung und Routine sind Hund und Herrchen anzumerken, sie landeten auf dem dritten Platz. Als „schnell, zielstrebig und ausdauernd“ schätzen die Wertungsrichter auch Lolita ein – allerdings lässt sich die junge Hündin gern ablenken, da hapert es noch etwas mit der Disziplin.

Sie belegt bei ihrem Debüt am Ende Platz 11. Im Bereich des Frankfurter Hauptzollamtes sind insgesamt zehn speziell ausgebildete Hunde im Dienst. Sie gehören nicht zu regulären Streifen, sondern werden in besonderen Situationen angefordert, sind auf Drogen, Sprengstoff und Waffen, Tabak oder Bargeld spezialisiert. Laut Hundeführer Dose können die Tiere bis zu 15 verschiedene Geruchsstoffe unterscheiden. Einmal im Jahr, so Zollsprecher Andreas Behnisch, wird die Leistungsfähigkeit der Vierbeiner in Wettkämpfen überprüft. Meist sind sie – je nach gesundheitlicher Verfassung – acht bis zwölf Jahre lang im Zolldienst. „Die Tiere sind uns mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn überlegen und daher gerade bei der Bekämpfung von Schmuggel ein wertvolles Hilfsmittel“, sagt Behnisch.

Tiere, die Respekt einflößen

Im Alter von einem Jahr werden die künftigen Zollhunde bei Züchtern ausgewählt, vom Hundeführer gekauft und dann ein Jahr lang als Schutzhund ausgebildet. Erst danach beginnt die Spezialisierung. Deutsche und belgische Schäferhunde sowie Riesenschnauzer sind nach Angaben des Zollsprechers am besten geeignet. „Schon von ihrer Größe her sind sie Respekt einflößend.“ Das kann Reinhard Reppenhagen nur bestätigen. Mit Joe hat er schon mehrfach Ruhe in eine Kontrollsituation gebracht, wenn sich ertappte Gauner störrisch verhielten. Im Ernstfall müssen die Diensthunde auch Angriffe von Tatverdächtigen auf die Zöllner abwehren. Daher sollten die Tiere nicht ängstlich sein und über einen guten Beutetrieb sowie Spielfreude verfügen, das sei hilfreich für ihre späteren Aufgaben. „Und die Chemie muss stimmen, der Funke überspringen – wie bei einer Frau“, sagt Peter Dose. Der vom Züchter bestimmte Name „Lolita“ ist ihm sichtlich peinlich, er nennt seine Hündin liebevoll „Püppi“.

Hundeführer können laut Behnisch Zöllner im mittleren Dienst werden, also jene, die auch als mobile Kontrolleure im Einsatz sind. „Sie sind Überzeugungstäter, denn ihre Arbeit endet nicht mit Dienstschluss.“ Der Zoll übernimmt lediglich Arztkosten und Futtergeld für die „Grenzschnüffler“. Die Tiere gehörten zur Familie, seien keinesfalls bloße Arbeitsmittel, sagt Dose, seit 22 Jahren Hundeführer. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, schon sein Vater sei Hundeführer beim Zoll gewesen. Lolitas Vorgänger waren auf Sprengstoff und Waffen spezialisiert und bei Wohnungsdurchsuchungen sehr erfolgreich.