Älteste Fluglehrerin

72-Jährige Strausbergerin geht fast täglich in die Luft

Rosemarie Hempel ist Deutschlands wohl älteste Fluglehrerin. Seit 55 Jahren hebt sie ab – ursprünglich, um Männer kennen zu lernen. Mittlerweile hat sie über 10.000 Stunden gegeben – trotz Höhenangst.

Foto: dpa Picture-Alliance / STL/Icon SMI / picture alliance

Konzentriert sitzt die zierliche Frau mit den schulterlangen rötlichen Haaren im Cockpit des Ultraleichtfliegers. Rosemarie Hempel drückt Knöpfe, dreht Schalter, überprüft Propeller und Öl-Temperatur. Nach einem letzten Blick in den Himmel startet sie die Maschine, steuert sie aufs Rollfeld – wenig später schwebt das Flugzeug über den Flugplatz Eggersdorf bei Müncheberg.

Was für den Laien auf dem Beifahrersitz aufregend und neu ist, gehört für Pilotin Hempel seit 55 Jahren zum Leben. Denn die Strausbergerin geht gerne in die Luft, seit sie das Fliegen „aus Lust und Liebe“ mit 17 Jahren erlernte. „Eine Freundin erzählte mir davon, und ich wollte das auch können“, erinnert sich die 72-Jährige. Seit Jahrzehnten fliegt sie nicht nur selbst, sondern bringt es auch anderen bei. Rosemarie Hempel ist die wohl älteste Fluglehrerin Deutschlands für Segel- und Ultraleichtflieger.

Fluglehrerin Hempel hat nur auf der Leiter Höhenangst

Dabei gebe es nur wenige Frauen, die sich so wie sie für die Fliegerei interessieren, sagt sie. Mit Höhenangst habe das nichts zu tun. „Wenn ich auf einer Leiter stehe und nach unten schaue, bekomme ich einen Schreck. Beim Fliegen in 800 oder 1000 Metern Höhe passiert mir das nie.“ Allerdings: „Schon als ich damals anfing, machten Frauen so etwas nur, um Männer kennenzulernen.“

Auch sie verliebte sich in ihren späteren Mann Werner während der „Fliegerei“. „Ich blieb trotz der Liebe konsequent und habe meinen Sport durchgezogen – an jedem Wochenende.“ Ein eigenes Flugzeug hatte sie nie – brauchte sie als Fluglehrerin auch nicht. Aktuell hat sie fünf Flugschüler, darunter ist nur eine Frau. „Die macht das nur, weil ihr Mann auch fliegt“, sagt Hempel.

Einer, der ebenfalls bei ihr gelernt hat, ist Martin Strube. Obwohl der Berliner Unternehmer das Fliegen seit Jahren beherrscht, hebt er doch am liebsten in Begleitung von „Rosi“ ab. Warum das so ist, kann er nur schwer in Worte fassen. „Das ist so ein Gefühl – wir harmonieren einfach, und Rosi ist stets die Ruhe selbst, auch in schwierigen Situationen“, sagt Strube. Fluglehrerin Hempel sieht die Sache weitaus pragmatischer. „Martin fliegt aus Zeitgründen nicht so häufig, mit mir an der Seite fühlt er sich sicherer.“

Trotz jahrelanger Erfahrung ist Hempel beim Fliegen vorsichtig

Auch an diesem Tag ist kein ideales Flugwetter, der Wind tobt in Böen über den Flugplatz, ist „bockig“, wie die Fluglehrerin es nennt. Ihre Vorsicht habe sich trotz aller Flugerfahrung stets ausgezahlt. „Sonst würde ich ja nicht mehr leben“, lautet ihr knapper Kommentar.

Mehr als 10.000 Flugstunden hat sie in Segelfliegern oder Ultraleichtflugzeugen bereits absolviert, ihr Wissen an über 400 Flugschüler weitergegeben. Mindestens 35 Ausbildungsstunden müssten die angehenden Piloten absolvieren. Je mehr Übung, um so sicherer werde vor allem das so wichtige Starten und Landen auch bei unterschiedlichsten Wettersituationen. Eines aber dürfe das Steuern eines Fliegers nicht werden – Routine. „Denn dann passieren Fehler.“

Inzwischen ist Hempel nicht nur über ganz Deutschland geflogen, sondern auch über Frankreich, Dänemark oder Polen. Brandenburg aus der Vogelperspektive ist ihr allerdings am liebsten. „Es gibt viel Wasser, aber auch viel Abwechslung in der Landschaft – einfach schön.“