Neue Bauwerke

Brandenburg hat Architektur-Schätze zu bieten

Brandenburg hat längst nicht nur alte graue Häuser zu bieten. Architektonische Schätze stehen hier, sanierte alte Häuser und besondere Neubauten. Eine Ausstellung zeigt nun die Schätze.

Auf einer Fahrt durchs Brandenburger Land rauschen kahle Flächen und unzählige mausgraue Siedlungseinheiten vorbei. Gesichtslos, profillos. Zweckbauten an Zweckbauten, und jenseits des Speckgürtels zahlreiche leer gefegte Städte. Liebevolle Sanierung und individuelle Neubauten haben Seltenheitswert. Soweit das Vorurteil.

Philipp Jamme ist Architekt des Bundes Deutscher Architekten (BDA) für den Landesverband Brandenburg. Mit den Negativbildern möchte er endlich Schluss machen. Dafür leistet der BDA schon seit langer Zeit verstärkt Überzeugungsarbeit in den einzelnen Kommunen: „Wir arbeiten daran, dass da was kommt“, sagt Jamme. In vielen kleinen Orten gebe es bislang nur vereinzelte Architekturbüros, das wolle man ändern. Durch Berater für Stadtentwicklung will der BDA das architektonische Niveau in Brandenburg heben und der Umgebung ein neues Aussehen verpassen: „Wir wollen den Kommunen unabhängige Gestaltungsbeiräte zur Seite stellen, sie wegholen von den stadteigenen Ingenieuren und die Vergabekultur durch Wettbewerbe fördern.“

Doch was zeichnet ein gutes Bauwerk für das Land Brandenburg aus? Das fragte sich der BDA und wählte zum dritten Mal – nach 2004 und 2008 – mit einer unabhängigen Jury aus fast 60 eingereichten Bauten acht Gewinner aus. Zu sehen sind alle Entwürfe ab sofort in der Landesvertretung Brandenburg in den Ministergärten.

Brandenburg verbessern

Diese „guten Bauten im Land Brandenburg“ zeigen verschiedene Lösungen für öffentliche und private Häuser. Historische Bauten wurden erweitert, private Wochenendloggien im Wald oder am See neu entworfen und Gewerbehäuser funktional platziert. Immer unter der Prämisse: Brandenburg verändern – und schöner machen. Ob durch Neubauten oder entsprechendes Umbauen von bestehenden Gebäuden. „An bestehenden Werken weiterzubauen bedeutet, im Kontext zu bauen, verschiedene Projektpartner dabei zu berücksichtigen und mit der vorhandenen Bausubstanz verantwortungsvoll umzugehen“, sagt Architekturkritiker und Jury-Mitglied Jürgen Tietz.

Das vom BDA ausgezeichnete Backsteingebäude der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam ist ein Beispiel für ein solches Weiterbauen. „Dem historischen Bestand gegenüber wurde Zurückhaltung gezeigt, das Bauwerk ist in seiner Substanz belassen worden“, so Tietz. Das neu aufgesetzte Dachgeschoss nehme das zentrale Element der Klinker-Architektur des Hauses auf, kontrastiere sie aber mit modernen Glasfronten. Und funktional sei das Ganze trotzdem noch.

Im Mittelpunkt steht Nachhaltigkeit

Ein Einfamilienhaus in Pinnow, ein weiterer Gewinner-Bau, erinnert im ersten Moment an eine einfache Scheune. Mit dem Holzverschlag gliedert sie sich nahtlos in das typische Bild vom Land ein. Auf den zweiten Blick fallen dann Eigenwilligkeiten auf: Durch die Glasfronten auf den Längsseiten kann man auch von Innen die Umgebung beobachten.

In Klein Köris wiederum steht ein Waldhaus, das sich traditionell wie andere Sommerholzhäuser in den märkischen Kiefernwald eingliedert. Und doch fällt es auf mit seiner schwarz lackierten Fassade und der enormen Glasfront, die den direkten Blick ins weiß gestrichene Innere freigibt.

Bei allen diesen Gebäuden war für die Jury vor allem eines wichtig: Nachhaltigkeit. Jury-Mitglied Jürgen Tietz versteht darunter einen Bau, „der von seinem Ort mit dem jeweiligen Umfeld verankert ist, eine Beziehung zu ihm aufbaut“. Dafür müssen man einen Entwurf auf mehreren Kanälen denken. Der Architekturkritiker hält es für sinnvoll, Entscheidungsprozesse von Bauplanungen in Brandenburg möglichst transparent zu gestalten. „Wettbewerbe sind eine gute Gelegenheit, um den Raum von anonymen Architekten bebauen zu lassen“, sagt Jamme. Das bringe neue Impulse. Und im Zweifel eben einfach gute Bauten.

Alle Entwürfe für die „Auszeichnung guter Bauten im Land Brandenburg“ sind bis 9. April in der Landesvertretung Brandenburg, Ministergärten 3, in Berlin ausgestellt. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.