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Am Potsdamer Brauhausberg entstehen 178 Wohnungen

Zudem will die Stadt ein neues Freizeitbad bauen. Der durch die Stadtwerke gekürte Siegerentwurf sieht bis zu viergeschossige Stadtvillen vor. Ob das ehemalige Restaurant „Minsk“ bleibt, ist ungewiss.

Foto: Löffler/Engel

Zumindest die Grundsatzentscheidung ist nach jahrelanger Diskussion gefallen: Am Brauhausberg in Potsdam schräg gegenüber des Hauptbahnhofs sollen mehrere Stadtvillen mit 178 Wohnungen entstehen. Direkt daneben, unterhalb der derzeitigen Schwimmhalle, will Potsdam das neue Sport- und Freizeitbad bauen. 2014 soll damit begonnen werden, Ende 2016 soll es eröffnen.

Aus 14 eingereichten Entwürfen hat eine Fachjury aus Vertretern der Stadtwerke als Bauherrn, der Verwaltung, der Politik und Experten einstimmig den Siegerentwurf für beide Vorhaben gekürt. Die Planungsgemeinschaft Löffler/Engel hat allerdings offen gelassen, ob das ehemalige Terrassenrestaurant "Minsk" auf dem Gelände zwischen Leipziger Dreieck und Max-Planck-Straße stehen bleiben soll. Die belorussische Nationalitätengaststätte war 1977 zum 60. Jahrestag der Oktober-Revolution eröffnet worden. Seit Anfang der 1990er-Jahre steht der Beton-Bau leer. Über seinen Verbleib wird in Potsdam seit Jahren gestritten.

Oberbürgermeister zufrieden

"Das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagt Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zum Siegerentwurf. "Der Kaiser-Wilhelm-Blick vom Brauhausberg auf die Stadt bleibt frei und der Blick vom Leipziger Dreieck hoch zum heutigen Landtag ist ebenfalls als Sichtachse erhalten." Noch nicht entschieden sei über die Architektur der künftigen Häuser und auch nicht über die Fassadengestaltung des neuen Sport- und Freizeitbades. Am 22. März wollen die Stadtwerke als Eigentümer der Flächen den Architektur-Wettbewerb für das Schwimmbad ausschreiben. "Wir stehen unter Zeitdruck", so Jakobs. "Denn wir wollen uns an den Zeitplan halten, Ende 2016 das neue Bad zu eröffnen."

Die Wohnhäuser sollen erst gebaut werden, wenn die Schwimmhalle eröffnet ist. Seit Jahren war über die künftige Bebauung an der Stelle diskutiert worden. Jakobs favorisierte am 88 Meter hohen Brauhausberg 400 repräsentative, mehrgeschossige Wohnhäuser, so wie es der Masterplan des Architekturbüros Kohl&Krier vorsah. Die neue Schwimmhalle wollte Jakobs hingegen am ehemaligen Buga-Park im Bornstedter Feld haben.

Aus zwei Gründen: Die Biosphäre am Buga-Park hätte von den Besucherströmen profitiert und durch den Komplett-Verkauf des Grundstückes am Brauhausberg wäre mehr Geld in die Stadtkasse geflossen. Der geplante Erlös aus den Grundstücksverkäufen in Höhe von sechs Millionen Euro sollte zur Querfinanzierung eines Badneubaus an der Biosphäre genutzt werden. Doch eine Bürgerbefragung ergab ein klares Votum für das neue Bad am Brauhausberg im Zentrum der Stadt. Zwei Drittel der 70.000 Teilnehmer stimmten dafür, nur ein Drittel votierte für ein Bad neben der Biosphäre am Bornstedter Feld. Mit fast 53 Prozent beteiligten sich mehr Potsdamer an der Abstimmung als zuletzt bei der Kommunalwahl.

Bad verfügt über zehn 50-Meter-Bahnen

Das neue Bad soll über zehn 50-Meter-Bahnen verfügen sowie ein 125 Quadratmeter großes Lehrbecken. Im Freizeitbereich sind weitere 330 Quadratmeter geplant. Dieser Bereich soll auch zwei Großrutschen im Außenbereich und ein Kinderplanschbecken bekommen. Dazu kommt ein Sauna- und Wellnessbereich mit Außenschwimmbecken, Whirlpool und Solebecken, Fitness und Gastronomie. Es sind sieben Saunen und Dampfbäder geplant, Die alte Schwimmhalle aus DDR-Zeiten soll solange in Betrieb bleiben, bis das neue Bad fertig ist. 23 Millionen Euro darf das Bad nach einem Beschluss der Stadtverordneten kosten.

Rein theoretisch könnten die bisherige Schwimmhalle wie auch das ehemalige Restaurant Minsk abgerissen werden. Sie stehen nicht unter Denkmalschutz. Pläne allerdings, die eine langfristige Subventionierung durch die Stadt vorsehen – etwa bei Bereitstellung der Fläche für Künstler – stünden nicht zur Debatte, sagt Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp (Bündnisgrüne). Die Bürgerinitiative "Pro Bauhausberg" macht sich für den Erhalt beider Gebäude stark. Sie kämpft auch gegen eine zu dichte Wohnbebauung.

Tausende Wohnungen benötigt

Mitte des Jahres sollen die Stadtverordneten den Bebauungsplan am Brauhausberg diskutieren. Dabei wird auch über den Verbleib des Minsk gesprochen. Bis Herbst soll feststehen, wie das künftige Bad aussehen sollen. Dann soll das Ergebnis des auszulobenden Wettbewerbs fest stehen.

In den Jahren 2017/18 könnte laut Jan Brunzlow, dem Sprecher der Stadtverwaltung, der obere Hang mit Villen bebaut werden. Nach dem Siegerentwurf des Teams um den Potsdamer Architekten Markus Löffler soll auf alle Fälle der untere Bereich von massiver Bebauung verschont bleiben. Vorgesehen sind bis zu viergeschossige Häuser. Ob die im Entwurf vorgesehene Pergola als Abgrenzung des Bad-Außenbereichs zur Kreuzung kommt, ist offen.

In Potsdams Innenstadt entstehen in den nächsten Jahren Tausende neuer Wohnungen. Denn die brandenburgische Hauptstadt wächst rasant: Seit Anfang 2011 stieg die Einwohnerzahl um rund 3000 auf über 158.000. Derzeit gibt es rund 84.780 Wohnungen, der Leerstand liegt bei nur 0,86 Prozent. Gefragt sind vor allem größere Wohnungen.

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