Bilanz

Flughafen Tegel sorgt zum Abschied für Rekordzahlen

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Viktoria Unterreiner

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Den ersten Starts vom Hauptstadtflughafen am 3. Juni steht fast nichts mehr im Wege. Die Passagierzahl steigt auf über 24 Millionen.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg hat im vergangenen Geschäftsjahr ihre selbst gesteckten Ziele erfüllt und fühlt sich daher für den Endspurt gut gewappnet. So wurde 2011 erstmals die Marke von 24 Millionen Passagiere pro Jahr in Tegel und Schönefeld überschritten. Das ist ein Plus von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem Umsatz von 263 Millionen Euro und einem Gewinn von 86,4 Millionen Euro lag das Unternehmen im Plan. Eine positive Überraschung konnte Geschäftsführer Rainer Schwarz beim Eigenfinanzierungsbeitrag vermelden. Diese Zahl gibt an, wie viele Mittel die Flughafengesellschaft selbst zum weitgehend über Kredite finanzierten Bau beiträgt. Im Dezember lag dieser Anteil mit 531 Millionen Euro bereits deutlich über den angestrebten 440 Millionen Euro.

Am 3. Juni wird das erste Flugzeug vom neuen Hauptstadt-Airport im Südosten Berlins abheben. In den vergangenen Wochen waren vermehrt Zweifel aufgekommen, ob der Termin eingehalten werden kann. Diese Gerüchte bezeichnete die Flughafengesellschaft als haltlos. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte Manfred Körtgen, der als Geschäftsführer den Betrieb der Flughafengesellschaft verantwortet. Die Behörden seien dabei, die vorgeschriebene Abnahme der Gebäude durchzuführen. So sind unter anderem das Sicherheitsgebäude und die Feuerwache Ost fertig und bezogen. Kommende Woche ist die Wache im Westteil des Flughafengeländes an der Reihe. Die nachträgliche Erweiterung der Check-In-Schalter sei eine reine Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass ein anderer Schalter ausfällt. „Immer mehr Fluggäste checken zudem elektronisch selbst ein“, sagte Körtgen. „Wir können daher erst nach der Inbetriebnahme genau sagen, wie hoch der tatsächliche Bedarf hier sein wird.“

Verbesserungsbedarf gibt es noch bei der Gewinnmarge, die als Anteil des Gewinns am Umsatz angibt, wie wirtschaftlich ein Unternehmen arbeitet. Sie liegt derzeit bei rund 33 Prozent, muss aber auf mindestens 40 Prozent steigen um die Schulden auf Dauer zurückzahlen zu können. 2009 und 2010 wurde dieser Wert bereits fast erreicht. Flughafenchef Rainer Schwarz ist zuversichtlich, dass er mittelfristig auf 50 Prozent erhöht werden kann. Das ist der Spitzenwert anderer Flughäfen in Europa.

In den kommenden Jahren rechnet Schwarz mit weiter steigenden Passagierzahlen. Denn die Fluggesellschaften weiten ihr Streckenangebot am BER teils deutlich aus. Allerdings warnt Schwarz an der Stelle auch vor gewissen „Kannibalisierungseffekten.“ So bieten die Airlines am BER ab dem 3. Juni täglich 13 Flüge nach Stockholm an. „Ob das dem tatsächlich Bedarf der Berliner entspricht, muss man erst einmal abwarten“, so Schwarz. In den vergangenen zehn Jahren haben sich allerdings bereits die beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld beachtlich entwickelt. So haben sich die Passagierzahlen seit 2002 auf 24 Millionen verdoppelt. Am stärksten hat dabei die Air Berlin zugelegt. Sie fertigte im vergangenen Jahr in Berlin knapp acht Millionen Fluggäste ab. Beim Konkurrenten Lufthansa waren es fünf Millionen Passagiere. Die drittgrößte Airline in Berlin ist Easyjet mit 3,5 Millionen Passagieren.