"Berlin Brandenburg International School"

In Kleinmachnow lernen 680 Schüler aus 58 Ländern

Die Plätze an der "Berlin Brandenburg International School" in Kleinmachnow sind heiß begehrt – nicht zuletzt wegen der kleinen Klassen.

Foto: Marion Hunger

Die halbe Welt trifft sich jeden Tag da, wo das Einfamilienhaus-Leben Kleinmachnows zu Ende ist: auf dem Seeberg. Dort oben liegt, umgeben von Wald und hohen Zäunen, die „Berlin Brandenburg International School“, eine internationale Schule. Jeden Morgen fahren dunkle Limousinen mit mehr oder weniger ausgeschlafenen Diplomatenkindern den sanften Hügel hinauf. Andere Schüler kommen in Bussen aus Kleinmachnow, Potsdam oder Berlin. Sie werden im Auftrag der Schule eigens abgeholt, am Potsdamer Platz, am Savignyplatz, an der Thielallee in Dahlem oder an vielen anderen Stellen der Hauptstadt. Gegen Aufpreis, selbstverständlich. 1240 Euro pro Jahr kostet allein das jährliche Busgeld.

An der exklusiven Privatschule in der brandenburgischen Gemeinde südwestlich von Berlin werden derzeit 680 Mädchen und Jungen aus 58 Ländern unterrichtet und betreut. Das Interesse ist stark gestiegen: Vor sieben Jahren hatte die Internationale Schule nach eigenen Angaben nur halb so viele Schüler. Schon am Eingang wird klar, dass es hier anders zugeht als an anderen Schulen: Der Weg auf das Gelände führt nur durch eine gut abgesicherte Pforte. Im Gebäude angekommen ist alles wie an einer ganz normalen Schule: Kleine Kunstwerke an den Wänden, lange Flure, Klassenzimmer reiht sich an Klassenzimmer. Im Erdgeschoss hat der Direktor sein Büro. Man kann durch eine Glasscheibe in der Tür von außen sehen, ob er telefoniert oder gerade nachdenkt. An der Wand hängt ein großformatiges, buntes Acrylbild mit der roten Aufschrift; „Knowledge is Power“. Wissen ist Macht. Gesprochen wird an der BBIS vor allem Englisch, unterrichtet sowieso. Es ist die Sprache, die alle eint, egal aus welchem Ort der Welt jemand stammt.

Anspruchsvolle Klientel

Thomas Schädler leitet die Internationale Schule in Kleinmachnow seit sieben Jahren. Zuvor war der gebürtige Züricher in Singapur und Indonesien eingesetzt, dann in Stuttgart und auf den Bahamas. Die nächste Station steht schon fest: Rom, ab Herbst. Der Schulleiter-Posten in Kleinmachnow ist ausgeschrieben. Der 52-Jährige macht nicht den Eindruck, als wäre es ein harter Job, in der heutigen Zeit eine Schule zu führen. Der „Managing Director“ wirkt völlig entspannt. Das gehört wahrscheinlich zum Programm. Wer seine Kinder hierher schickt, will kein gestresstes Personal antreffen. Und die Klientel ist durchaus anspruchsvoll: Die Eltern arbeiten an einer der zahlreichen Botschaften in Berlin oder sind bei international tätigen Unternehmen wie Bombardier oder Rolls-Royce beschäftigt. Die deutschen Eltern verdienen ihr Geld häufig als Anwälte oder Unternehmer. Nur etwa 35 Prozent der Schüler sind Deutsche.

„Bei uns gilt das gleiche wie für ein Fünf-Sterne-Hotel: Die Kunden zahlen viel Geld und erwarten dafür volle Leistung“, sagt Thomas Schädler. Bis zu 15.800 Euro beträgt das Schulgeld. Die Schüler finden nach dem Unterricht ab etwa 15 Uhr fast alle nur denkbaren Möglichkeiten vor: Von Fußball über Karate und Chinesische Kalligrafie bis hin zu Theater, Bogenschießen und Komponieren.

Die Eltern schauen aber nicht nur darauf. Sie wollen die bestmögliche Bildung für ihr Kind. Auch das sieht Direktor Thomas Schädler erfüllt. Die Klassen sind mit höchstens 18 Schülern relativ klein; für sechs Schüler ist ein Lehrer eingesetzt. Die Lehrer kommen wie die Schüler aus verschiedensten Nationen.

Stolz ist Schädler vor allem darauf, dass die BBIS Berlin Brandenburg seit diesem Jahr zu den internationalen Schulen gehört, deren Abschlusszeugnis der 10. Klasse dem Mittleren Schulabschluss gleichgestellt ist. „Das ist eine große Erleichterung für die deutschen Kinder und Eltern“, sagt Schädler. Die meisten Schüler verlassen die Schule nach der zwölften Klasse mit dem IB-Abschluss, der dem deutschen Abitur entspricht. In diesem Jahr wollen auch die beiden 18-Jährigen Chelsea und Julius den IB-Abschluss ablegen. Chelsea will vielleicht in Deutschland studieren und später als Ärztin in ihre Heimat Namibia zurückkehren. Julius hat sich in England und Holland um einen Studienplatz beworben. Er möchte Business und Management studieren. Chelsea ist die Tochter eines Botschaftsangehörigen, Julius der Sohn einer Richterin und eines Anwalts. „Als ich mit meinen Eltern vor drei Jahren von Malaysia nach Berlin umziehen musste, war ich ziemlich sauer auf sie“, erzählt Chelsea. Sie wollte nicht weg, aus dem Land mit den tropischen Temperaturen ausgerechnet ins kühle Deutschland. Vor allem wollte sie nicht weg von ihren Freunden. Heute hat sie neue Freunde und findet das Leben in Berlin „ziemlich aufregend“. Sie sagt: „Das Tolle an der Schule sind die vielen Angebote – und dass die Lehrer sich um einen kümmern.“

Wachstum dank des BER

Anders als Chelsea ist Julius schon lange an der Schule. Er war vier Jahre alt, als er in den Kindergarten der Internationalen Schule kam. Damals war sie noch in Neu Fahrland untergebracht, zur Miete in der ehemaligen Residenz der Siemens-Familie. Seine Schwester, die inzwischen studiert, war schon in der Villa in der Seestraße in Potsdam unterrichtet worden. Dort wurde die Schule 1990 gegründet. Julius geht gerne auf die BBIS. „Meine Eltern haben damals die richtige Wahl getroffen“, meint er. Am meisten profitiert habe er davon, dass hier nur Englisch gesprochen wird. Freunde hat Julius vor allem an der Schule. Er spielt aber auch außerhalb Fußball. Früher bei Hertha 03 Zehlendorf, heute beim SV Babelsberg 03.

Direktor Schädler sieht seine Schule weiter im Aufwind. Durch den Hauptstadtflughafen BER, der im Juni eröffnet wird, würden noch mehr internationale hochqualifizierte Arbeitskräfte in die Region kommen. Und viele bringen ihre Kinder mit. Immer beliebter wird auch das seit dem Jahr 2008 angegliederte Internat. Derzeit wohnen hier 25 Schüler, deren Eltern ihnen diese spezielle Schulausbildung ermöglichen wollen – international und fernab der Heimat.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.