Prozess

Bewährungsstrafe für pädophilen Musiklehrer

Ein pädophiler 52-Jähriger aus Cottbus wurde beim Treffen mit einem Chat-Partner überrascht. Ein TV-Sender hatte dem Mann bei "Tatort Internet" eine Falle gestellt und dadurch Beweismaterial geliefert. Doch vor Gericht gab er sich alles andere als geständig.

Foto: ddp

Es gibt Prozesse, da ist der Angeklagte am besten beraten, gleich zum Auftakt ein volles Geständnis abzulegen. Das verkürzt das Verfahren, erspart ihm peinliche Fragen und die abfälligen Blicke der Prozessbeobachter. Gerd-Hendrik K. hat einen anderen Weg gewählt. Der 52-Jährige wurde am Freitag von einem Moabiter Strafrichter wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Und er schüttelte auch noch während der Urteilsbegründung immer wieder den Kopf, als fühle er sich tatsächlich unschuldig und zu Unrecht bestraft.

Dabei konnte die Beweislage gegen ihn kaum besser sein. Es gab Videoaufzeichnungen der RTL2-Sendung „Tatort Internet“ unter Beteiligung der Co-Moderatorin Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau des einstigen Bundesverteidigungsministers. Diese Aufnahmen wurden vor Gericht auch angeschaut und ausgewertet. Sie dokumentieren die Geschichte des Gerd-Hendrik K., der als „RainbowGerd“ im Internet auf einschlägigen Seiten unterwegs war und so in Kontakt mit dem angeblich 13-jährigen Berliner Schüler „Carlos“ kam.

Sie trafen sich in Friedrichshain

Sie chatteten mehrere Tage ausgiebig miteinander, telefonierten. „RainbowGerd“ äußerte dabei bizarre sexuelle Wunschvorstellungen. Und im Juni 2010 kam es schließlich zu einem Treffen in einer Wohnung in Friedrichshain. Gerd-Hendrik K. war dafür extra aus dem heimischen Cottbus angereist. Und auch sofort aktiv, als „Carlos“ die Wohnungstür öffnete und ihn hereinbat.

Sie könnten sich doch am besten gleich mal ausziehen, schlug er vor. Er würde „Carlos“ dabei gern auch helfen. Der Junge wollte das jedoch lieber allein im Nebenzimmer tun, verließ also den Raum. Währenddessen zog sich Gerd-Hendrik K. allein aus, wartete splitternackt – und wirkte sehr verblüfft, als statt des ebenfalls nackten 13-jährigen „Carlos“ eine erboste Dame den Raum betrat. „Was machen Sie hier?“, rief sie, „das ist ein Kind!“

Es handelte sich um eine Mitarbeiterin der Firma, die für RTL2 die Sendung „Tatort Internet“ produzierte. Ein zweiter Mitarbeiter kam noch hinzu. Gerd-Hendrik K. bemerkte jetzt, dass sich mehrere Kameraleute in den Räumen versteckten. Und er erfuhr, dass „Carlos“ schon 18 Jahre alt war und für dieses Treffen nur als Schauspieler fungierte.

Geständnis beim Kreuzverhör

Er war erschrocken, eingeschüchtert – und beantwortete den beiden Sender-Mitarbeitern, die ihn wie Staatsanwälte ins Kreuzverhör nahmen, brav alle Fragen: Er sei von Beruf Musiklehrer, habe einen 23-jährigen Sohn, lebe von seiner Ehefrau getrennt, sei homosexuell und bevorzuge eher jüngere Partner.

Das alles wurde aufgezeichnet. Und immer wieder wurde Gerd-Hendrik K. auch darauf angesprochen, wie er, „ein Lehrer!“, sich ausgerechnet an einen 13-Jährigen habe wenden können. Er wies diese Vorwürfe nicht ein einziges Mal zurück, wirkte schuldbewusst. Und er versprach sogar, sich in der Charité zu melden, wo es eine spezielle Therapiegruppe für pädophile Männer gibt.

Richter glaubt Angeklagtem nicht

Vor Gericht behauptete Gerd-Hendrik K., er habe sich von den Mitarbeitern des Senders in die Enge treiben lassen und gesagt, was sie wollten. „Carlos“ habe für ihn im Internet ein Foto hochgeladen. Schon da sei ihm klar gewesen, dass der Junge älter als 13 war. Und beim Telefonieren habe sich dieser Eindruck verstärkt. Der Junge habe tief gesprochen, „wie Bariton“, sagte der Musiklehrer.

Auch für das Ausziehen in dem fremden Wohnzimmer fand er eine Erklärung: „Es war heiß, ich wollte baden“, sagte Gerd-Hendrik K.

Der Richter glaubte ihm nicht. „Sie standen nackt in Hab-Acht-Stellung und haben darauf gewartet, dass der vermeintliche Carlos wieder hereinkommt“, sagte er zum Angeklagten. „Und Sie sind sehr wohl davon ausgegangen, dass es sich um einen 13-Jährigen handelt.“