Hauptstadtflughafen BER

Lufthansa fordert bessere Anfahrt für Schönefeld

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Thomas Fülling

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Deutschlands größter Fluglinie will in Schönefeld wachsen. Allerdings sieht man bei der Lufthansa noch Verbesserungsbedarf bei den Straßen- und Fernzugverbindungen zum künftigen Hauptstadtflughafen.

Die Lufthansa hat eine bessere Verkehrsanbindung für den künftigen Hauptstadtflughafen „Willy Brandt“ (BER) in Schönefeld gefordert. Insbesondere die Zufahrt über die Straße sei störanfällig, kritisierte der Leiter der Konzernpolitik von Deutschlands größter Fluggesellschaft, Thomas Kropp, bei einem Mittelstandstreffen am Dienstag in Berlin. Die Bahnverbindungen nach Schönefeld seien dagegen nicht schlecht. Nachteil sei allerdings, dass die Deutsche Bahn nur wenige Fernzüge direkt zum BER fahren lassen will.

Als „nicht optimal“ sieht der Lufthansa-Manager indes die Erreichbarkeit des neuen Großflughafens über die Stadtautobahn an. „Wenn dort in der Rush Hour – so wie heute Morgen – ein kleines Lieferfahrzeug umkippt, dann kommt gleich der ganze Autoverkehr zwischen Flughafen und Innenstadt zum Erliegen. Das können wir uns künftig auch nicht mehr leisten“, sagte Kropp. Insbesondere der Schwerlast-Durchgangsverkehr könne die Zufahrt nach Schönefeld über die A100 und die A113 stark beeinträchtigen. Um Maut und damit Kosten zu sparen, würden die Lkw-Fahrer oft lieber mitten durch Berlin als über den Autobahnring außen herum fahren. Das Bundesverkehrsministerium und der Berliner Senat seien in der Verantwortung, da gegenzusteuern.

Möglich wäre dies etwa durch eine Erhöhung der Maut für Lkw-Fahrten, die nicht Berlin als Ziel hätten. Für eine solch differenzierte Maut als Instrument zur Steuerung der Verkehrsströme hatte sich in der Vergangenheit auch schon die noch amtierende Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eingesetzt. „Das können wir aber nicht allein entscheiden. Verantwortlich für die Maut-Gesetzgebung ist der Bund“, sagte ihr Sprecher Mathias Gille. Eine entsprechende Formulierung habe es zwar bereits im Entwurf des neuen Güterverkehrsplans gegeben, doch sei diese inzwischen wieder gestrichen worden. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg wollen nun vor allem mit dem Aufbau eines gemeinsamen Verkehrsleitsystems zum Flughafen versuchen, unerwünschten Durchgangsverkehr aus Berlins Innenstadt herauszuhalten.

Für Lufthansa-Manager Kropp ist ein weiteres Manko in der Verkehrsanbindung des neuen Hauptstadtflughafens, dass er kaum von Fernzügen angefahren wird. Die Deutsche Bahn hatte ursprünglich überhaupt keinen ICE-Halt in Schönefeld geplant, im neuen Flughafenbahnhof sollen ab Juni 2012 immerhin zwei ICE-Züge von und nach Hannover sowie mehrere Intercity-Züge halten, darunter eine Linie nach Polen. Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz sieht gerade in dieser Richtung ebenfalls noch Nachholbedarf. Die Verbindungen ins benachbarte Polen seien „eine Katastrophe“, sagte Schwarz. Dabei könnten gerade dort zusätzlich Passagiere für den BER gewonnen werden. So benötige man etwa von Stettin (Szczecin) aus sieben Stunden, um bis nach Warschau zu gelangen. In Berlin seien potenzielle Fluggäste dagegen in weniger als zwei Stunden. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum man von Seiten der Bahn da eine Kundenvermeidungsstrategie fährt“, sagte Schwarz. Die Deutsche Bahn reagierte „mit Verwunderung“ auf diese Vorwürfe und verwies auf Fernzüge nach Hamburg, Münster, Hannover und Amsterdam sowie nach Krakau, die ab Juni 2012 täglich in Schönefeld halten werden.

Weiteres Terminal bald notwendig

Die Lufthansa rechnet – wie auch ihr wichtigster innerdeutscher Konkurrent Air Berlin – nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens mit einem weiteren starken Anstieg der Passagierzahlen von und nach Berlin. Kropp forderte daher, dass die Flughafen-Betreiber schon jetzt den Bau eines weiteren Terminals angehen, weil der BER schnell an seine Kapazitätsgrenzen stoßen könnte.

Laut Kropp werde sich auch die Lufthansa gemeinsam mit ihren Tochter-Fluggesellschaften (darunter Swiss, Austrian und Germanwings) ab dem nächsten Jahr deutlich stärker als bisher in Berlin engagieren. Einzelheiten will das Unternehmen am Mittwoch vorstellen.

Wie Morgenpost Online bereits berichtete, hatte Konzernchef Christopher Franz angekündigt, dass Lufthansa ab Sommer 2012 insgesamt 38 Ziele in Deutschland, Europa und im Nahen Osten direkt von Berlin aus anfliegen wird. Um die eigenen Drehkreuze in Frankfurt/Main und München nicht zu schwächen, will die Kranich-Linie Direktflüge von Berlin in die USA und nach Asien offenbar weiterhin der Konkurrenz überlassen.

Derzeit steuern Lufthansa-Gesellschaften 23 Ziele von Tegel oder Schönefeld aus an und befördern damit knapp sechs Millionen Passagiere. Damit ist Lufthansa in Berlin nur die Nummer 2 hinter Air Berlin (acht Millionen Passagiere).