Großbeeren

Unbekannter lockt Kinder in sein Auto

In Großbeeren hat der Fahrer eines dunkelblauen Cabrios in der Nähe einer Grundschule versucht, zwei Mädchen zum Einsteigen in sein Auto zu überreden. Eltern, Lehrer und Kinder haben Angst, die Polizei möchte aber keine zusätzlichen Streifen garantieren.

Am Freitagmittag haben sich ungewöhnlich viele Autos vor der Otfried-Preußler-Schule in Großbeeren gestaut. Die Wagen standen dicht an dicht. Drinnen saßen besorgte Väter und Mütter, die auf ihre Kinder warteten. Einige der Eltern kamen schon vor dem offiziellen Ende des Schultags in die Teltower Straße, um auch ganz sicher zu sein,dass ihre Söhne und Töchter wohlbehalten nach Hause kommen. Denn derzeit verunsichert eine Meldung die Eltern, Lehrer und Schüler in Großbeeren. Ein Mann soll Kindern vor der Schule auflauern und versuchen, sie in sein Auto zu locken.

Nach Informationen von Morgenpost Online wurden am vergangenen Dienstag zwei Schülerinnen aus der dritten Klasse vor der Grund- und Oberschule von einem Mann angesprochen. Nach Aussagen von Eltern habe der Mann in einem dunkelblauen Cabrio mit Berliner Kennzeichen vor der Schule gehalten, die Scheibe heruntergelassen und die beiden Mädchen angesprochen. „Soll ich euch zum Hort fahren?“, habe der Mann gefragt und den Kindern Schminke und Süßigkeiten angeboten. Glücklicherweise ließen sich die Schülerinnen darauf nicht ein. Sie informierten ihre Eltern. Der Mann soll Mitte 20 Jahre alt sein und kurze, lockige, dunkelbraune Haare tragen.

Innerhalb der Schule ist nun der unbekannte Mann ein großes Thema. Zurzeit kursiert eine E-Mail, in der alle Eltern zur Vorsicht aufgerufen werden, samt Beschreibung des Mannes. Viele Eltern sind verunsichert. Auch der Vorstand des CDU-Ortsverbandes Großbeeren, Adrian Hepp, macht sich Sorgen. Er selbst hat zwei Söhne, die auf die Otfried-Preußler-Schule gehen. „Wir sind natürlich beunruhigt“, sagt er.

Offizielle Warnung blieb aus

Von dem Vorfall habe er erst durch seinen Sohn erfahren. Die Klassenlehrer hätten die Kinder gleich nach der Nachricht informiert und aufgeklärt, wie sie sich in solchen Situation zu verhalten hätten. „Trotzdem wäre es besser gewesen, die Eltern schriftlich zu benachrichtigen“, sagt Hepp. Es sei nicht die Aufgabe der Kinder, die Eltern über den Vorfall aufzuklären. Viele hätten erst von anderen Familien davon erfahren, sagt er. Hepp hat den Eindruck, dass auch die Polizei nicht viel unternehmen kann. Die Mutter eines der Mädchen habe sich an die Polizei in Ludwigsfelde gewandt. Dort sei ihr gesagt worden, dass nicht viel getan werden könne, da keine Straftat vorliege. Auf die Frage, ob verstärkt Streife gelaufen werde, habe die Polizistin geantwortet, dass sie das aufgrund der angespannten Personalsituation nicht garantieren könne. „Man hatte den Eindruck, dass sie helfen wollte, ihr aber die Hände gebunden waren“, sagt Adrian Hepp.

Die Polizei in Ludwigsfelde bestreitet die Äußerung. Personalmangel gebe es nicht. Ganz im Gegenteil. „Zurzeit sind wir sowohl mit einer zivilen als auch einer uniformierten Einheit am Morgen sowie am Mittag vor Ort“, sagt Wachleiter Sven Wagner. Den Vorfall nehme man durchaus ernst. Bereits am Donnerstag hätten Polizisten die Schule aufgesucht und mit der Schulleitung Maßnahmen besprochen. Daraufhin seien alle Klassen von ihren Lehrern informiert und über das richtige Verhalten aufgeklärt worden. Zudem hätten die Beamten mit der Schulleitung alle Klassenlisten kontrolliert und alle Kinder, die nicht in die Schule gekommen waren, überprüft. Das Ergebnis: Kein Kind wurde vermisst. „Viel mehr können auch wir nicht tun“, sagt Wachleiter Wagner. „Schließlich ist es nicht möglich, flächendeckend Polizeibeamte einzusetzen.“ Grundsätzlich sei es wichtig, die Kinder zu sensibilisieren und ihnen das richtige Verhalten beizubringen. So sollten die Schüler nie alleine, sondern immer in kleinen Gruppen unterwegs sein. Von fremden Personen sollten sie sich nicht ansprechen lassen.

Die besondere Wachsamkeit habe laut Wagner bereits gewirkt. Am Freitagmorgen hatten Kinder beobachtet, wie ein Schüler zu einer Person in ein Auto gestiegen war. Die herbeigerufene Polizei klärte die Situation. Es war ein falscher Alarm. „Wir sehen das aber eher positiv. Lieber einmal zu viel als gar nicht reagieren“, sagt Wagner. Wie lange die zusätzlichen Beamten auf Streife gehen werden, sei noch nicht abzusehen. „Mit Sicherheit werden wir aber in der nächsten Zeit dort weiter im Einsatz sein“, verspricht er.

Der Schulleiter der Otfried-Preußler-Schule, Boris Petersen, ist ebenfalls besorgt. Er ist sich jedoch sicher, angemessen reagiert zu haben. „Solche Meldungen gab es in der Vergangenheit häufiger“, sagt er. Die Schüler seien ausreichend auf die möglichen Gefahren hingewiesen worden und darauf, wie sie sich verhalten sollen. Dennoch räumt er ein: „So lange nicht geklärt ist, was dahintersteckt, ist die Gefahr noch latent vorhanden. Das lässt einen natürlich nicht ruhiger schlafen.“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.