BER

Staufrei zum neuen Großflughafen in Schönefeld

Der neue Großflughafen BER in Schönefeld bekommt ein 1,9 Millionen Euro teures Verkehrsinformationssystem. Elektronische Wegweiser melden Störungen, die direkt auf Anzeigetafeln und Handys geschickt werden.

"Achtung! Sperrung der Autobahn A113 in Richtung Innenstadt!“ In großen gelben Buchstaben leuchtet die Schrift auf der Anzeigetafel. Und weiter: „Reisende nach Berlin nutzen bitte den Flughafenexpress, die Regionalbahnlinie RB14 oder die S-Bahnlinie S9.“ Noch gibt es diese Anzeigen nur als Simulation bei der Berliner Verkehrsinformationszentrale (VIZ). Doch wenn in knapp zehn Monaten die ersten Flugzeuge am neuen Hauptstadtflughafen „Willy Brandt“ in Schönefeld landen, wird die Idee zur Realität.

Unter der Federführung der VIZ entsteht derzeit ein bundesweit bislang einzigartiges Informationssystem, das Passagieren eine stau- und stressfreie An- oder Abfahrt ermöglichen soll. Das besondere daran: Das „Airvis“ genannte System bezieht alle Routen und Verkehrsmittel zum Airport mit ein und empfiehlt bei Störungen auf den Zufahrtsstraßen und Autobahnen oder im Bahnbetrieb alternative Routen und Verkehrsmittel. „Die Konzepte sind fertig“, sagt VIZ-Chef Reinhard Giehler. Im Frühjahr 2012 soll das System intensiv getestet werden. „Pünktlich zur Flughafen-Eröffnung am 3. Juni wird es in Betrieb gehen“, verspricht Giehler.

Länderübergreifendes Projekt

„Airvis“ steht für Airport-bezogenes Verkehrs-Informations-System. An- und Abreiseprobleme, wie es sie jetzt regelmäßig am Flughafen Tegel gibt, sollen damit der Vergangenheit angehören, so der VIZ-Chef. Bisher werden Fahrten zum Flughafen – vor allem bei Baustellen oder Unfällen auf der Autobahn – zum unkalkulierbaren Risiko. Damit das in Schönefeld nicht passiert, wird technisch aufgerüstet. Sechs neue Verkehrsmessstellen auf den wichtigen Zufahrten zum Airport und vier Informationstafeln an Berliner Stadtstraßen wurden bereits installiert. Weitere sechs dieser „dynamischen Wegweiser“ auf den Autobahnen A113, A100 und A10 sind in Planung.

Zahllose Informationen – von der Parkhaus-Auslastung, über Ankunfts- und Abflugzeiten bis zu Bus- und Bahnfahrplänen – müssen vernetzt werden, damit das ehrgeizige Ziel erreicht werden kann. Wichtiger noch als die technische Infrastruktur ist deshalb, dass sich alle relevanten Unternehmen und Institutionen an „Airvis“ beteiligen. Neben der Flughafengesellschaft sind mehr als ein halbes Dutzend Akteure dabei. Staumeldungen aus Berlin kommen direkt über das Messnetz der VIZ, Informationen über Baustellen in Brandenburg kommen vom dortigen Landesbetrieb Straßenwesen, Meldungen über Unfälle liefert die Polizei in Berlin und Brandenburg. Für den öffentlichen Nahverkehr sitzen der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die S-Bahn Berlin und die Bahntochter DB Regio mit im Boot. Selbst die traditionell konkurrierenden Taxizentralen in Berlin und dem brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald machen mit.

Damit das System bei Störfällen schnell reagieren kann, haben die Experten für insgesamt 16 Pannenszenarien – von der Autobahnsperrung bis zum Oberleitungsschaden bei der Bahn – schon Handlungsroutinen entwickelt. Tritt einer der Fälle auf, müssen die VIZ-Mitarbeiter nur noch prüfen, ob die automatisch generierten Ausweichrouten auch tatsächlich frei sind. Binnen Minuten werden Airport-Nutzer dann über Alternativangebote zur die An- und Abreise in Richtung Schönefeld oder Berliner Innenstadt informiert.

Empfehlungen direkt aufs Handy

Die Verkehrsmeldungen und Empfehlungen sollen die Nutzer gleich über eine ganze Reihe von Kanälen erreichen. Neben den beschriebenen Info-Tafeln am Flughafen und an den Zufahrtsstraßen sollen sie über die Anzeigetafeln an BVG-Haltestellen und Bahnhöfen ebenso verbreitet werden wie durch Durchsagen und LCD-Anzeiger in Zügen und Stationen der Deutschen Bahn und der S-Bahn. Smartphone-Nutzer bekommen die „Airvis“-Informationen auch mobil.

Entwicklung und Realisierung des Infosystems sollen dem Vernehmen nach knapp 1,9 Millionen Euro kosten. Die Finanzierung teilen sich der Bund, die Länder Berlin und Brandenburg, die Flughafengesellschaft, die Verkehrsinformationszentrale und der VBB.

Das größte Chaos auf den Zufahrten zum künftigen Airport mit dem internationalen Kürzel BER werden die Flughafenbetreiber indes selbst verursachen. In der Nacht vor der Eröffnung am 3. Juni 2012 wartet auf sie eine immense logistische Herausforderung. Wie berichtet, müssen binnen weniger Stunden 600 Transporte von den bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld zum BER rollen, um pünktlich zum Betriebsstart um 6 Uhr einsatzbereit zu sein. Die Umzugsmanager verhandeln bereits über eine Vollsperrung der Stadtautobahn.