Frank Mangelsdorf

MOZ-Chefredakteur lebte in Stasi-Kontaktwohnung

Frank Mangelsdorf, Chefredakteur der "Märkischen Oderzeitung", hat in einer Wohnung in Berlin gelebt, die von der DDR-Staatssicherheit als Treffpunkt genutzt wurde. Der Journalist wusste von der Vereinbarung.

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Der Chefredakteur der Märkischen Oderzeitung (MOZ), Frank Mangelsdorf, hat in den 80er-Jahren in Berlin eine Wohnung bewohnt, die das Ministerium für Staatssicherheit für konspirative Treffen nutzte. Das berichtet die „Bild“-Zeitung. Der Journalist wusste von der Vereinbarung, die seine heutige Frau 1984 mit der Stasi geschlossen hatte. Als er zu ihr in die Wohnung einzog, unterzeichnete Mangelsdorf 1985 eine Erklärung, darüber Stillschweigen zu bewahren. Er erklärte sich bereit, „entsprechend meinen Möglichkeiten die Arbeit des MfS in dieser Hinsicht zu unterstützen“, heißt es in der Stasi-Akte über den Vorgang, die Morgenpost Online vorliegt. Mangelsdorf versichert, er oder seine Frau hätten „zu keinem Zeitpunkt weder mündlich noch schriftlich Berichte abgegeben“.

Der 51-Jährige ist seit zehn Jahren Chefredakteur der MOZ, die zu den drei großen Zeitungen in Brandenburg gehört. Zuvor war Mangelsdorf unter anderem von 1997 bis 2001 Lokalchef der Berliner Morgenpost. MOZ-Verlagsgeschäftsführer Bodo Almert sagte, man kenne die Sachlage seit fünf Jahren, habe sie analysiert und bewertet. Der Verlag sehe keinen Anlass, etwas zu unternehmen. Mangelsdorf sagte, seine Frau, die heute Sprecherin der Universität Potsdam ist, habe 1984 als Rundfunkredakteurin in einer kleinen, feuchten Ein-Zimmer-Altbauwohnung in Oberschöneweide gelebt. Ihre einjährige Tochter habe an chronischer Bronchitis gelitten. Weil sie deshalb oft bei der Arbeit fehlte, habe ein Bekannter sie angesprochen, schildert er die Kontaktaufnahme der Stasi-Agenten. Man habe ihr eine bessere Altbauwohnung in Friedrichshain angeboten, sie habe angenommen. „Das System hat funktioniert, indem es Notlagen ausgenutzt hat“, sagte Mangelsdorf: „Meine Frau war in einer Notlage.“

Stasi übernahm Teil der Miete

In der Folgezeit hat die Stasi einen Teil der Miete übernommen und der mit dem Decknamen „Brigitte“ geführten Wohnungsinhaberin Blumen oder Geschenke gemacht. Stromkosten wurden übernommen und eine Kaffeemaschine angeschafft. Zur Hochzeit des Paares zeigten sich die Agenten erkenntlich.

Dis Stasi hat seit den 50er-Jahren ein Netzwerk von konspirativen Wohnungen aufgebaut, um sich dort mit ihren informellen Mitarbeitern oder sonstigen Informanten zu treffen. Neben einigen eigens angemieteten Wohnungen fanden die Stasi-Leute in den meisten Fällen Unterschlupf in Privatwohnungen. Das sei „Teil des Systems der Staatssicherheit“ gewesen, sagte Dagmar Hovestädt, Sprecherin der Stasi-Unterlagenbehörde.

Mangelsdorf sagte, er habe die Mitnutzer der Wohnung nie gesehen oder mit ihnen gesprochen. Das andere Zimmer der Familie sei während der konspirativen Treffen der Stasi-Leute immer verschlossen gewesen. Die aus der Stasi-Akte hervorgehende Darstellung, die die beiden Wohnungsinhaber als politisch zuversichtliche Menschen mit festem Klassenstandpunkt schildert, will der MOZ-Chefredakteur nicht kommentieren. In der Akte schreibt der Stasi-Hauptmann, es bestehe ein „gutes auf Vertrauen begründetes Verhältnis“. Der Journalist sagte, er habe ein „typisches Schicksal gehabt wie es in der DDR viele gab“. Er sei selber als außenpolitischer Redakteur der Zeitung „Der Morgen“ zeitweise von der Stasi überwacht worden. Das Blatt war Organ der Blockpartei LDPD, in dieser Partei war Mangelsdorf auch Mitglied.

Mangelsdorf sagte, sie hätten versucht, die MfS-Leute so schnell wie möglich aus der Wohnung loszuwerden. Deshalb hätten sie vor der Geburt des zweiten Kindes an der Legende gestrickt, sie benötigten das zweite Zimmer unbedingt, weil sie keinen Krippenplatz bekommen könnten. Dabei hätte es sehr wohl Plätze gegeben. Außerdem müsse die Großmutter bei ihnen einziehen, um sich um das Kind zu kümmern, obwohl diese ein Haus besessen habe. Im März 1987 beendete die Stasi nach einem Treffen mit „Brigitte“ die Zusammenarbeit, dankte für die bisherige Unterstützung und sicherte „im Bedarfsfall“ weitere Hilfe zu.

Unter Chefredakteur Mangelsdorf hatte die MOZ 2006 über das Thema der konspirativen Stasi-Wohnungen berichtet. Anlass war eine Ausstellung in Frankfurt (Oder), bei der die Stasi-Unterlagenbehörde 460 solcher Wohnungen allein in dieser Stadt aufgelistet hatte. Wäre es nicht geboten gewesen, damals auch über eigenen Erfahrungen zu berichten? Nein, findet Mangelsdorf. Er halte viel davon, wenn Journalisten sich zurückhielten. Er habe auch nicht seine persönlichen Erlebnisse veröffentlicht, als es um die Überwachung durch die Stasi gegangen sei.