Auf der A2

Mann mit 551 Cannabis-Setzlingen erwischt

Weil er im großen Stil eine Cannabis-Aufzuchtanlage betreibt, muss sich ein 51-jähriger Mann aus Werneuchen vor Gericht verantworten. Ins Visier der Ermittler geriet der alleinerziehende Vater auf einer Autobahn-Raststätte.

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Hartmut R. war ein fürsorglicher Gärtner. Wochenlang hat er die zarten Pflänzchen gegossen, sie mit Dünger versorgt, ihnen jede Menge Licht und Wärme zukommen lassen. „So eine Aufzucht geht nicht husch, husch, wie viele denken. Das braucht alles seine Zeit“, sagt der Hobby-Gärtner, der seit Montag auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts sitzt. Denn seine Pflänzchen hatten weder mit Gemüse noch mit Blumen etwas zu tun, sondern mit Rauschgift. R. betrieb in Werneuchen bei Bernau eine Cannabis-Aufzuchtanlage. Die erste Ernte – laut Anklage etwa 19 Kilogramm – lag im Februar dieses Jahres bereits zum Trocknen aus, um später als Marihuana gewinnbringend verkauft zu werden.

Ins Visier der Ermittler geriet R. allerdings nicht in Werneuchen, sondern auf der A2 bei Hamm in Nordrhein-Westfalen. Bundespolizisten kontrolliertem den 51-Jährigen auf einer Raststätte und entdeckten im Kofferraum seines Kleinwagens 551 Cannabis-Setzlinge inklusive Aufzuchtzubehör – Nachschub für die Rauschgiftproduktion in Ostbrandenburg.

Zubehör aus Holland

Wegen des Handelns mit und der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge muss sich B. vor dem Landgericht verantworten. „Wir kamen damals gerade aus Holland zurück. Da geht man in spezielle Shops und bekommt alles, was man braucht: Hochdrucklampen für Licht und Wärme, Lüfter, Dünger, Beregnungsset“, sagt er auf der Anklagebank. Mit „wir“ meint der dreifache Familienvater seinen Auftraggeber Heiko S., der die illegale Anschaffung vorfinanzierte und R. in seinem eigenen Wagen begleitete. „Wir waren per Funkgerät verbunden. Als es brenzlig wurde, ist der einfach abgehauen.“

Inzwischen ist nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft auch S. gefasst. Ihm wird in einem gesonderten Verfahren der Prozess gemacht – eine Grundlage dafür dürften die Aussagen von R. sein. Und der nimmt auf der Anklagebank kein Blatt vor den Mund. Hatte das Gericht ihm doch Strafmilderung im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis in Aussicht gestellt. Der gelernte Zerspaner aus Wriezen plaudert nicht nur über Komplizen und Hintermänner, er drückt auch mächtig auf die Tränendrüse.

7000 Euro Schulden

Ein schwerer Verkehrsunfall hatte dem alleinerziehenden Vater vor elf Jahren fast das Genick gebrochen. Seitdem muss er starke Schmerzmittel schlucken, ist zu 50 Prozent schwerbeschädigt und quasi mittellos. „Jemanden wie mich stellt doch keiner ein, der Abstieg zu Hartz IV ging schnell. Mir stand das Wasser bis zum Hals.“ Rund 7000 Euro Schulden hätte er „mit einem Schlag“ loswerden können, wären die Drogenaufzucht und der gewinnbringende Verkauf geglückt, erzählt R. ohne Umschweife, als ginge es um eine einmalige Sache, einen Ausrutscher quasi.

Doch die Fakten sprechen für sich. Schließlich betrieb er die Cannabis-Aufzuchtanlage mit finanzieller Hilfe seines Komplizen laut Ermittlungsbehörde bereits seit Herbst vergangenen Jahres. Die erste Marihuana-Ernte war bereits abgeschlossen und verkaufsbereit, den Nachschub für kommende Geschäfte holte R. gerade aus Holland, als er erwischt wurde. Dass der Angeklagte davon offenbar etwas versteht, beweist nicht zuletzt der hohe Drogen-Wirkstoffgehalt, der bei der Analyse der abgeernteten Pflanzen für ein gerichtliches Gutachten ermittelt wurde.

Zudem war die Aufzucht der Pflanzen nicht die erste Erfahrung des 51-Jährigen mit dem Rauschgift-Milieu. Aufgrund seiner umfassenden Einlassung verzichtet das Gericht auf eine umfangreiche Beweisaufnahme inklusive Zeugen. Am Freitag soll das Urteil gesprochen werden.