Noch zwölf Monate

Countdown zur Eröffnung des Airports BBI läuft

Ein Jahr dauert es noch, dann ist der BBI endlich startklar. Der Flughafen wird Arbeitsplätze schaffen und Berlin als internationales Drehkreuz positionieren. Doch seit Baubeginn hat das Projekt auch viele Negativschlagzeilen produziert.

In einen Jahr soll der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) eröffnet werden. Und er wird gigantisch: Erst aus der 72 Meter hohen Perspektive des Towers werden die im Vergleich zu den bisherigen Flughäfen Berlins gigantischen Ausmaße des künftigen Hauptstadt-Airports BBI deutlich: 2000 Fußballfelder passen auf das Gelände. Dagegen schrumpft der nahe gelegene Flughafen Schönefeld auf Miniaturformat.

Anfangs sei der BBI auf eine Kapazität von 27 Millionen Passagieren ausgelegt, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Diese könne auf bis zu 45 Millionen oder 360.000 Flugbewegungen im Jahr erweitert werden. Vergangenes Jahr wurden in Tegel und Schönefeld den Angaben zu Folge insgesamt mehr als 22 Millionen Passagiere gezählt. Das ist der bisherige Rekordwert.

Ein Jahr vor der geplanten Eröffnung des BBI am 3. Juni 2012 sind die Start- und Landebahnen fertig, die ersten Hangars werden gebaut, und in der sogenannten Airport-City vor dem Terminal entstehen unter anderem Parkhäuser und Bürogebäude. Einzig im Innern des Terminals sind ohne Erklärung eines Ortskundigen bisher kaum Konturen auszumachen. Doch schon in rund fünf Monaten sollen die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sein und mit dem Einrichten von Geschäften und Gastronomie begonnen werden.

„Im November beginnt im Terminal der Testlauf“, versichert Kunkel. Derzeit gebe es keine Anzeichen für Verzögerungen. Der Flughafen werde planmäßig in Betrieb genommen, fügt der Sprecher hinzu. Im vergangenen Jahr war der ursprüngliche Zeitplan zusammengebrochen. Der harte Winter hatte die Arbeiten verzögert, und ein Planungsbüro war pleitegegangen. Daher musste nach Angaben der Flughafengesellschaft der vorgesehene Eröffnungstermin Ende Oktober 2011 auf Juni 2012 verschoben werden.

Streit über die Flugrouten

Seither hat der BBI viele Negativschlagzeilen produziert. Vor allem die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgeschlagenen Flugrouten haben den Protest Tausender, inzwischen in zahlreichen Bürgerinitiativen organisierter Einwohner Berlins und brandenburgischer Gemeinden provoziert. Plötzlich fühlten sich Bürger von Fluglärm bedroht, die zuvor annehmen mussten, davon verschont zu bleiben. Die Flugsicherung nimmt inzwischen Vorschläge der Fluglärmkommission entgegen und will nach eigenen Angaben Ende Januar die Flugrouten so festlegen, dass möglichst wenig Bürger von Fluglärm betroffen sind. Am 6.Juni tagt die Fluglärmkommission ein weiteres Mal.

Die emotional geführte Debatte über die Flugrouten führte in den vergangenen Wochen auch dazu, dass einige Menschen den Nutzen des BBI an sich infrage stellten – und vor allem das geplante Drehkreuz. Denn mit den Umsteigeverkehren, die von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin bereits in Tegel aufgebaut werden, werde der Fluglärm weiter zunehmen, so die Befürchtungen von Anwohnern. Der Chef der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, sieht das Drehkreuz wegen der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Air Berlin indes nicht gefährdet. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft habe in Berlin in den vergangenen Jahren enorm viel aufgebaut und in Tegel bereits Umsteigeverkehre etabliert, sagte Schwarz. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum bei Air Berlin von rund einer Million Passagieren“, sagt Schwarz. Das Unternehmen habe angekündigt, Strecken mit geringer Rentabilität zu prüfen und diese gegebenenfalls zu streichen, was auch sinnvoll sei. Es gebe keine Indizien, dass Berlin von diesen Streichungen betroffen sei, sagt der Flughafenchef.

Aus Sicht der Wirtschaft ist der BBI schon während der Bauphase ein Konjunkturmotor. 62 Prozent der Aufträge in einem Umfang von zwei Milliarden Euro hat die Flughafengesellschaft an Unternehmen in Berlin und Brandenburg vergeben. 2,5 Milliarden Euro werden in das Projekt investiert. Rund 40.000 Jobs sollen am Flughafen und in seinem Umfeld entstehen. Wenn er denn pünktlich bis zum 3.Juni 2012 fertig wird.