Gefärhliche Infektion

EHEC - Neue Fälle in Brandenburg

In Brandenburg gibt es zwei Fälle mit Verdacht auf EHEC: Zwei Brandenburger haben sich anscheinend mit dem gefährlichen Bakterium infiziert. Über welche Art von Spossen das wiederum aus einem niedersächsischen Biohof kam, wird allmählich klar.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In Brandenburg gibt es zwei neue Verdachtsfälle der gefährlichen Darminfektion EHEC. Am Pfingstmontag gab es entsprechende Meldungen aus dem Havelland, teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Potsdam mit. Beide Patienten werden stationär in einer Klinik behandelt. Damit gibt es den Angaben zufolge derzeit 14 EHEC-Verdachtsfälle in Brandenburg. Hinzu kommen zehn bestätigte EHEC-Erkrankungen. Diese Zahl hat sich seit Donnerstag nicht mehr erhöht.

Zudem gibt es weiterhin fünf Patienten, bei denen Komplikationen durch das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) bestehen, das bei EHEC-Infektionen auftreten und zu Nierenversagen, Blutarmut und Hirnschäden führen kann. Aufgeführt werden in der Statistik nur Patienten, die ihren Wohnsitz in Brandenburg haben. Todesopfer infolge der EHEC-Erkrankungen sind bislang nicht bekannt. Zwei Männer mit EHEC-Verdacht starben vermutlich aufgrund ihrer schweren Vorerkrankungen.

Insgesamt scheint der Höhepunkt der Anfang Mai ausgebrochenen Epidemie überschritten zu sein: Die Zahl der Neuinfizierten sinkt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach sind 3228 Menschen an EHEC oder HUS erkrankt, die meisten davon sind weiblich und über 20 Jahre alt. Es handele sich um einen der weltweit größten bislang beschriebenen Ausbrüche von EHEC beziehungsweise HUS und den bislang größten Ausbruch in Deutschland, hieß es.

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Auf der Suche nach der Herkunft des EHEC-O104-Keimes haben Experten in Niedersachsen weitere Erkenntnisse gewonnen: Analysiert wurde, welche Arten von Sprossen die Mitarbeiter eines Biohofs im niedersächsischen Bienenbüttel gegessen hatten – der Betrieb war nach bisherigen Ermittlungen der Ausgangspunkt der EHEC-Infektionswelle und hatte mit EHEC verseuchte Sprossen an Kunden geliefert, zumeist Restaurants und Kantinen.

Gefährlich scheinen "Brokkoli", "Knoblauch" und "Bockshorn"

Wie sich herausstellte, hatten fünf Beschäftige des Bienenbütteler Betriebes, die entweder EHEC positiv getestet worden waren oder im Mai Erkrankungssymptome gezeigt hatten, bevorzugt die Sprossenarten „Brokkoli“, „Knoblauch“ und „Bockshorn“ gegessen. Die vier befragten Mitarbeiter, die weder Erkrankungssymptome noch einen positiven Labornachweis aufwiesen, verzehrten hingegen bevorzugt die Arten „Alfalfa“ und „Würzige Mischung“. Das könnte darauf hindeuten, dass der Ursprung der Infektion im Saatgut zu finden sei, sagte Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU).

Bislang sei nicht geklärt, ob Mitarbeiter den Keim eingeschleppt hätten oder dieser durch Saatgut oder andere Quellen in den betroffenen Betrieb gelangt sei und die Mitarbeiter dadurch selbst infiziert worden seien, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU). Diese Aufklärung sei aber wichtig, um Vorsorgesysteme zu entwickeln, damit solche Ereignisse in der Zukunft verhindert werden könnten.

Über Pfingsten hatten sich die Hinweise auf den Bienenbütteler Sprossenerzeuger als einen Auslöser der Erkrankungswelle weiter verdichtet, nachdem bei zwei Mitarbeiterinnen der EHEC-Ausbruchsstamm O104 nachgewiesen worden war. Damit habe man „einen weiteren wichtigen Teil für die Indizienkette vorgelegt“, sagte Özkan.

Selbstgezogene Sprossen nicht essen!

Derweil warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Verbraucher auch vor dem Verzehr selbstgezogener roher Sprossen. Der Verdacht habe sich erhärtet, dass Saatgut für Sprossen und Keimlinge mit dem Bakterium belastet sei. Bei einer Familie aus Niedersachsen bestehe der Verdacht, dass selbstgezogene Sprossen Ursache für eine EHEC-Erkrankung seien.

Der Präsident des niedersächsischen Bauernverbands, Werner Hilse, schätzt indes den finanziellen Schaden durch die EHEC-Krise für die niedersächsischen Landwirte auf 15 Millionen Euro. In der Zeitung „Neue Presse“ (Samstagausgabe) kritisierte er das Vorgehen der Landesregierung, Betriebe wie den Sprossenhof in Bienenbüttel bei Uelzen namentlich genannt zu haben.

In Niedersachsen wurden inzwischen 636 EHEC-Erkrankungen oder -Verdachtsfälle festgestellt, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Damit kamen seit Samstag lediglich acht neue Fälle hinzu. Allein vom vergangenen Freitag bis Samstag waren es noch 22 Neuerkrankungen mehr gewesen. Es gebe mittlerweile mehr Anlass zu Optimismus, sagte Spieker.

Auch in Hamburg zeichnet sich bei den EHEC-Neuerkrankungen eine rückläufige Tendenz ab. Dort belief sich die Zahl der gemeldeten Fälle aktuell auf 1.039. Die Zahl der schwer erkrankten Patienten mit dem Hämolytisch-Urämischen-Syndrom (HUS) liegt bei 181. Seit Samstag wurden den Angaben zufolge lediglich ein EHEC-Fall sowie zwei HUS-Fälle neu registriert. Eine Frau, Jahrgang 1945, starb am Sonntag am HUS.