BBI-Flugrouten

Ministerium – "Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit"

Das westliche Umfliegen von Potsdam und Wannsee ist ganz und gar nicht vom Tisch. Im Streit über die Flugrouten des künftigen Großflughafens BBI will das Bundesverkehrsministerium alle Möglichkeiten zugunsten der Bürger prüfen.

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Verkehrs-Staatssekretär Klaus Dieter Scheuerle hat dem Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU) und der Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin" versichert, dass sich sein Ministerium für die Westumfliegung einsetzen werde. Dabei sollen alle Möglichkeiten zugunsten der Bürger geprüft werden.

Damit trat Scheurle Befürchtungen entgegen, das westliche Umfliegen sei ohne sachliche Prüfung vom Tisch. Dieser Eindruck hatte sich aufgedrängt, nachdem die Deutsche Flugsicherung sich nach der Sitzung der Fluglärmkommission am Montag skeptisch gegenüber der Route jenseits des Berliner Rings (A10) geäußert hatte, obwohl die Kommission sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen hatte. Der Berliner Chef der Deutschen Flugsicherung, Hans Niebergall, hatte wirtschaftliche Gründe angeführt. So habe sich die Flugsicherung an die Prinzipien zu halten, wonach der Flugverkehr sicher, flüssig und geordnet abgewickelt werden müsse. Ein Auffächern der Maschinen erst ab 10.000 Fuß (gut 3000 Meter), wie es die Kommission fordert, nannte Niebergall „nicht machbar“. Gleichwohl aber hatte er die Prüfung des Kommissionsbeschlusses in Aussicht gestellt.

Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit

Staatssekretär Scheurle betonte bei dem Gespräch am Freitag, dass nach der Sicherheit nicht die Wirtschaftlichkeit allein ausschlaggebend bei der Flugroutenplanung sei. So gehe der „Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit, solange die Wirtschaftlichkeit“ gegeben ist. „Für mich ist der Vertrauensschutz wichtig. Deshalb suchen wir weiter das Gespräch mit Bürgerinitiativen. Aspekte des Lärmschutzes sollten vor Wirtschaftlichkeit gehen, allerdings dürfen die Luftverkehrsunternehmen dabei nicht überfordert werden“, sagte Scheurle dieser Zeitung.

Initiiert hatte das Gespräch bei Scheurle, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Flugsicherung ist, der Steglitz-Zehlendorfer Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann (CDU). Eingeladen waren die Vorsitzende der Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“, Marela Bone-Winkel und ihr Kollege Eric Kearney, Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) sowie der Berliner Chef der Deutschen Flugsicherung, Hans Niebergall. Bis Ende Mai will das Ministerium nun mit der Deutschen Flugsicherung die neuen Abflugrouten „intern abgewogen“ haben, um sie dann Anfang Juni an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) zur Genehmigung zu geben.

Zahlen der Airlines infrage gestellt

Bezirksbürgermeister Kopp äußerte sich nach dem einstündigen Gespräch am Freitagmorgen zufrieden. Ihm sei zwar klar, dass ein Staatssekretär ohne Prüfung keine Zusagen zu Flugroutenführungen machen könne, dennoch sei er zuversichtlich, dass die „Wünsche der Bürger im Ministerium Gewicht“ hätten. Die Forderung des Bezirks jedenfalls sei klar. „Ich erwarte, dass die Deutsche Flugsicherung und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sich an den Vorschlag der Fluglärmkommission halten.“ Andernfalls prophezeit Kopp „einen heißen Sommer“. „Wenn das westliche Umfliegen nicht kommt, habe ich Verständnis dafür, dass die Menschen auf die Barrikaden gehen. Die lassen sich, nachdem die Flugrouten nicht, wie lange Jahre angenommen, geradlinig verlaufen, jetzt ein zweites Mal verschaukeln.“

„Absurd“ nannte Kopp wie auch der Steglitz-Zehlendorfer Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann (CDU) die Begründung der Airlines für ihre ablehnende Haltung des Umfliegens. Nach ersten Berechnungen gingen Airlines intern davon aus, dass bei einer solchen Routenführung und bei voraussichtlich täglich 50 Flügen der jährliche Mehrverbrauch an Sprit enorm ist. Er entspreche der Kerosinmenge, die bei 700 bis 800 Berlin-Köln-Flüge gebraucht werden würde. Mittlerweile werden 1375 Flüge genannt.

„Die Zahlen glaubt niemand. Das sind apokalyptische Szenarien“, sagte Wellmann im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Dass mit dem westlichen Umfliegen die für den BBI zugelassen 360000 Flugbewegungen nicht flüssig bewältigt werden können, glaubt Wellmann nicht. Mit dieser Begründung hatte Flughafenchef Rainer Schwarz gegen das Umfliegen von Wannsee und Potsdam in der Fluglärmkommission gestimmt. Aus dem Ministerium hieß es gestern, dass Staatssekretär Scheurle die Berechnungen der Airlines auch vorlägen, er sie durchaus ernst nehme, sich aber nicht davon unter Druck setzen lasse. Bei der Fluggesellschaft Air Berlin verwies man am Freitag auf den erhöhten Kohlendioxid-Ausstoß durch den Umweg von gut 50 Kilometern. „Der erhebliche Umweg führt ohne Not zu einem massiven Kohlendioxid-Ausstoß. Geschaffen wird damit ein deutlicher Interessenkonflikt zu den Klimaschutzbekundungen von Politik und Wirtschaft“, sagte der Bevollmächtigte des Air-Berlin-Vorstands, Matthias von Randow.