BBI in Schönefeld

Nach Routen-Kompromiss gilt Prinzip Hoffnung

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K. Schoelkopf und J. Anker

Obwohl die Fluglärmkommission das Umfliegen des Berliner Südwestens und Potsdams beschlossen hat, ist unklar, ob der Plan auch umgesetzt werden kann. Die Deutsche Flugsicherung und die Fluggesellschaften wehren sich gegen den Vorschlag.

Berliner Politiker haben den Beschluss der Fluglärmkommission zum westlichen Umfliegen von Potsdam und Wannsee begrüßt. „Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für die Initiative ‚Keine Flugrouten über Berlin', die von der CDU stets unterstützt wurde“, sagte CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Henkel am Montag. „Sie ist aber vor allem ein riesiger Erfolg für alle Anwohner im Südwesten Berlins, in den südlichen Umlandgemeinden und in Potsdam.“ Auch die Grünen freuen sich über den Beschluss. „Das ist von den vorgelegten Routen die beste Lösung für die Betroffenen“, sagte Fraktionschef Volker Ratzmann. Berliner und Potsdamer blieben weitgehend vom Fluglärm verschont. „Jetzt hoffen wir, dass die Deutsche Flugsicherung das auch so umsetzt“, sagte Ratzmann. Wohl wissend, dass die DFS sich noch am Montag gegen den Kompromiss ausgesprochen hatte.

Auch im Südwesten Berlins hoffen die Politiker nun, dass die Flugsicherung einlenkt. „Der im Vergleich zu den anderen Flugrouten längere Flugweg ist hinzunehmen und dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Schutz der Bevölkerung vor Lärm Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit hat“, heißt es in einer Erklärung des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf. Der Bezirk gehe davon aus, dass die Flugsicherung den Beschluss der Kommission „in vollem Umfang umsetzt“.

Doch das ist fraglich. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) ist dagegen, auch die Fluggesellschaften stimmten am Montag gegen die West-Route. Intern kursiert bereits eine Rechnung, wonach bei der Westumfliegung bei voraussichtlich täglich 50 Flügen der jährliche Mehrverbrauch an Sprit enorm ist. Der Mehrverbrauch entspreche der Kerosinmenge, die bei 700 bis 800 Berlin-Köln-Flüge gebraucht werde, hieß es. Flughafenchef Rainer Schwarz bestätigte diese Berechnung für gängige Mittelstreckenflugzeuge am Montag.

Potsdam kämpft für Lärmschutz

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wie auch der Bezirk Steglitz-Zehlendorf wollen solche Einwände nicht gelten lassen. Für sie hat der Lärmschutz Priorität. Jakobs spricht von einem Umweg von „gerade mal 28 nautischen Meilen“ (52 Kilometern) im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen der DFS. Überdies wäre der Kerosinverbrauch aufgrund des geringeren Steigflugs nicht so gravierend, sagte Jakobs.

Neben den Beschlüssen zur Westumfliegung von Wannsee und Potsdam wurde in der Fluglärmkommission auch „intensiv“ über die Abflugrouten Richtung Osten diskutiert, um möglicherweise die Region Müggelsee zu entlasten, teilte die Kommissionsvorsitzende Kathrin Schneider mit. Noch aber habe es hierzu keine Empfehlung gegeben. Denn auch im Südosten Berlins herrscht Unmut über mögliche Fluglärmbelastungen durch den BBI. So wehrt sich die Bürgerinitiative Berlin-Friedrichshagen gegen mögliche Überflüge des Müggelsees. Am Montag übergab die Bürgerinitiative 5537 Unterschriften an die Vorsitzende der Fluglärmkommission.

Die Mitglieder der Fluglärmkommission hatten sich bereits in ihrer Sitzung Ende März grundsätzlich auf Abflugrouten geeinigt, die der Deutschen Flugsicherung empfohlen werden sollen. Danach soll von der BBI-Nordbahn geradeaus sowohl in Richtung Westen als auch Osten geflogen werden. Damit war klar, dass Lichtenrade nicht mehr überflogen wird, wie es die Pläne der Deutschen Flugsicherung vom 6. September 2010 vorgesehen hatten. Richtung Westen hatte sich die Kommission Ende März allerdings nur auf die Strecke bis zu einem Punkt in Höhe von Großbeeren geeinigt. Wie es von dort weitergehen sollte, entschied sie am Montag mit ihrem Votum für die Westumfliegung von Wannsee, Potsdam und Werder.

Noch jede Menge Beratungen

Von der Südbahn – das sahen die Empfehlungen von Ende März auch vor – soll die Route in Richtung Westen um 15 Grad oder 15-plus-X-Grad nach Süden abknicken. In Richtung Osten schlägt die Kommission zwei gleichberechtigte Routen vor. Das sind die sogenannte scharfe Kurve und der Geradeausflug, für den aus Sicherheitsgründen eine Ausnahmegenehmigung nötig ist. Ein von der Flughafengesellschaft in Aussicht gestelltes Gutachten, das diese Routen überprüfen soll, sei noch nicht in Auftrag gegeben worden, teilte Kathrin Schneider mit.

Bis Ende Mai erwartet die Deutsche Flugsicherung von der Fluglärmkommission abschließende Beratungsergebnisse, um dann nach ihren Vorgaben – beispielsweise zur Sicherheit und Wirtschaftlichkeit – die Routenvorschläge abzuwägen. Anschließend sollen die DSF-Vorschläge zur Genehmigung an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung gehen. Die Fluglärmkommission tagt wieder am 23. Mai und am 6. Juni. Im März nächsten Jahres und damit drei Monate vor der geplanten Eröffnung des Flughafens am 3. Juni 2012 sollen die Routen dann endgültig feststehen.