Eintrittgeld

Potsdam hält Sanssouci-Eintritt für indiskutabel

Der Schlösserdirektor ist für seiune Pläne zu Eintrittsgeldern im Park Sanssouci scharf kritisiert worden. Potsadams Oberbürgermeister Jann Jakobs spricht sich gegen einen Ticketzwang aus und sagt ganz klar: "Hände weg vom Eintrittsgeld."

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lehnt Eintrittsgeld für den Park Sanssouci in Potsdam entschieden ab. „Diese Pläne sind völlig indiskutabel. Hände weg vom Eintrittsgeld, so klar ist die Botschaft“, sagte Jakobs.

Auch Potsdams SPD-Chef Mike Schubert hatte der Schlösserstiftung bereits vorgeworfen, sich mit der erneuten Eintrittsdiskussion keinen Gefallen zu tun. Der Vorstoß sei „unsensibel, scheinbar unausgegoren und wieder einmal schlecht kommuniziert.“ Der Kreisvorsitzende der Linken, Sascha Krämer, sprach „von einer Frechheit“. Kritik kam auch von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Geschäftsführer Dieter Hütte kritisierte, dass die Reiseindustrie bei den Überlegungen außen vorgelassen werde. Auch der Zeitpunkt, das Thema anzugehen, habe überrascht.

Am Donnerstag will der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh, dem Stiftungsrat nun seine Pläne vorstellen. Diese sehen ab 2013 ein Eintrittsgeld von zwei Euro vor. Das Eintrittsgeld der 1,8 Millionen Besucher jährlich soll in die millionenteure Pflege des Parks und der historischen Anlagen fließen. Die Stiftung sei auf weitere Einnahmen dringend angewiesen, begründet der Schlösserchef den umstrittenen Plan und weist darauf hin, dass andernfalls der 1990 verliehene Titel als Weltkulturerbe gefährdet werden könnte.

Eintrittspreis soll ab 2013 gelten

Bislang wird ein freiwilliger Obolus von den Gästen erbeten. Bei den seit 2007 erbetenen freiwilligen Zahlungen kamen jährlich 120?000 Euro zusammen. Eine Alternative zum Eintritt wären hingegen höhere Zuschüsse vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, heißt es vonseiten des Generaldirektors. Gleichzeitig verweist Dorgerloh aber auf die angespannte Haushaltslage.

Neben dem einmaligen Ticket für zwei Euro soll es den Plänen zufolge Jahreskarten für zwölf Euro geben. Das Eintrittsgeld würde ab 2013 in der Saison von Ostern bis Oktober – von 8 bis 18 Uhr – erhoben werden. An elf der derzeit insgesamt 25 Zugänge ist die Einrichtung möglicher Kontrollpunkte geplant. Ob es dort Drehkreuze gibt oder Mitarbeiter Karten entwerten, muss noch überlegt werden.

Die Einrittskarten würden bei der Tourist-Information verkauft. Ob auch das Internet für den Verkauf genutzt werden kann, ist noch unklar. Auch, ob Automaten aufgestellt werden, an denen man vor Ort und zu jeder Tageszeit Karten ziehen kann, ist offen.

Ausgeschlossen ist, dass Potsdamer vom Eintritt befreit werden könnten. Denn laut einer EU-Vorschrift darf niemand aufgrund seines Wohnortes bevorzugt oder benachteiligt werden. Kostenloser Eintritt für Potsdamer wäre danach eine Bevorzugung, beispielsweise gegenüber Berlinern, die im Randbezirk Zehlendorf wohnen. Geplant sind aber Ausnahmeregelungen. Dies könnte für direkte Anwohner, Studenten, Lehrkräfte und Beschäftigte der Potsdamer Universität, die sich auf dem Gelände befindet, gelten. Eine klare Reglung aber gibt es noch nicht.

Vergleich mit Versailles hinkt

Mehr als 80 Jahre lang war der von Preußenkönigen geschaffene Park kostenlos zugänglich. Andere grüne Schätze der Stiftung, wie in Berlin der Schlosspark Charlottenburg, die Pfaueninsel oder die Anlage von Schloss Schönhausen sollen von den Plänen verschont bleiben. Potsdams Oberbürgermeister Jakobs zeigte sich angesichts der Pläne von Schlösserchef Dorgerloh auch irritiert darüber, dass allein der Park Sanssouci mit einem 2-Euro-Ticketzwang belegt werden soll. Berlin und das Bezirksamt Charlottenburg hätten sich bereits vor fünf Jahren klar positioniert, und ein Eintrittsgeld klar abgelehnt, als Generaldirektor Dorgerloh damals einen Obolus für den Schlosspark Charlottenburg in Erwägung gezogen hatte. Jakobs betonte: „Genauso sehen wir das heute in Potsdam. Um den Park Sanssouci ist mittlerweile die Landeshauptstadt Potsdam gewachsen.“ Es sei undenkbar, Geld zu verlangen, um durch den Park von A nach B in der Stadt zu gelangen. Der Park verbinde die Stadtteile. „Deshalb wollen wir auch alle 25 Zugänge erhalten.“

Den Vergleich mit dem Park von Versailles, der nicht kostenlos zugänglich ist, ließ er nicht gelten. „Versailles liegt eben nicht wie Sanssouci in einer Stadt.“ Verständnis äußerte Jakobs, dass eine derartig wertvolle Anlage wie Sanssouci intensive Pflege verlange, die es nicht umsonst gebe. „Allerdings halte ich Eintrittsgeld für nicht angemessen“, sagte Jakobs. „Das ist Wegezoll, den niemand tolerieren kann.“ Für Jakobs ist die Berechnung nicht nachvollziehbar. Er wisse nicht, wie die bis 2028 erforderlichen 4,5 Millionen Euro jährlich für die Gartenpflege über die Eintrittsgelder der rund 1,8 Millionen Besucher zusammenkommen sollen. Zumal bereits 750?000 Euro an Personalkosten für Verkauf und Kontrolle der Tickets anfielen. „Eigentlich gibt es nur einen Weg: Bund und die beiden Länder Berlin und Brandenburg müssen ihre Zuschüsse erhöhen.“