Neue Gebühr

Schlösser-Chef fordert Eintritt für Sanssouci

Besucher des Schlossparks Sanssouci werden möglicherweise ab 2013 zur Kasse gebeten. Sonst könne die Anlage nicht mehr gepflegt werden, so Stiftungs-Chef Hartmut Dorgerloh. Potsdams Oberbürgermeister Jakobs kritisiert den Vorschlag.

Besucher des Schlossparks in Potsdam-Sanssouci müssen ab 2013 womöglich zwei Euro Eintritt zahlen. Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh, will dies am 5. Mai dem Stiftungsrat vorschlagen. Die Stiftung sei auf weitere Einnahmen dringend angewiesen, begründete der Schlösserchef den umstrittenen Plan, den es vor fünf Jahren bereits für den Garten des Schlosses Charlottenburg gegeben hatte. Wie damals in Berlin, brach jetzt auch in Potsdam ein Proteststurm los. Am Mittwoch war der geplante Eintritt während der Saison das Stadtgespräch.

Einnahmen dringend nötig

Laut Schlösserchef ist mit einem weiteren Werteverlust zu rechnen, sollte nicht mehr Geld für die Pflege des Parks zur Verfügung stehen. Zur ausreichenden Pflege des Parks Sanssouci seien zu den derzeit 140 Stellen weitere 31 notwendig. Bis 2028 würden weitere 43 Stellen benötigt. „Das kostet 4,5 Millionen Euro jährlich“, sagte Dorgerloh. Dieser Betrag könnte durch Eintrittskarten der etwa 1,8 Millionen Besucher pro Jahr finanziert werden. Davon abgerechnet werden müssten etwa 750.000 Euro für Personalkosten, für Verkauf und Kontrolle der Tickets.

„Bleibt alles beim Alten, ist möglicherweise der Status als Weltkulturerbes gefährdet“, warnte Dorgerloh. Bislang wird ein freiwilliger Obolus von den Gästen erbeten. Bei den seit 2007 erbetenen freiwilligen Zahlungen kamen jährlich 120.000 Euro zusammen. Eine Alternative zum Eintritt wären hingegen höhere Zuschüsse vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, sagte Dorgerloh. Gleichzeitig verwies er aber auf die angespannte Haushaltslage.

Sollte der Stiftungsrat seinem Vorschlag entsprechen, könnte der Eintritt erstmals ab Karfreitag 2013 fällig sein. Er würde während der Saison von Ostern bis Oktober erhoben werden, sagte der Generaldirektor. Geplant seien zwei Euro pro Person und Ermäßigungen für Schüler oder Kinder. Außerdem werde über Modelle nachgedacht, wie die Anwohner begünstigt werden könnten – etwa über Jahreskarten für zwölf Euro. Um den Zugang zum Park zu kontrollieren, sollen nur noch elf der 25 Eingänge offen bleiben.

Wenn das preußische Versailles wie das Original in Frankreich regulär Besucher und Touristen für den Parkbesuch zur Kasse bittet, würde eine mehr als 80-jährige Tradition des kostenlosen Besuchs der knapp 290 Hektar großen Anlage zu Ende gehen. In Sachsen kostet unter anderem das Betreten des Klosterpark Altzella und des Barockgarten Großsedlitz Geld. Auch in Berlin sind die Gärten der Welt in Marzahn nur mit Eintrittskarten zugänglich.

„Wegezoll für die Potsdamer“

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lehnt ein Eintrittsgeld für Sanssouci ab. „Der Park liegt mitten in der Stadt“, so Jakobs. „Da können wir von den Potsdamern keinen Wegezoll erheben.“ Potsdams SPD-Chef Mike Schubert warf der Schlösserstiftung vor, mit der erneuten Eintrittsdiskussion tue sie sich keinen Gefallen. „Unsensibel, scheinbar unausgegoren und wieder einmal schlecht kommuniziert“, so sein Kommentar. Der Kreisvorsitzende der Linke, Sascha Krämer, sprach „von einer Frechheit“. Kritik kam auch von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Geschäftsführer Dieter Hütte sagte, die Reiseindustrie werde bei den Überlegungen außen vorgelassen. „Auch der Zeitpunkt, das Thema anzugehen, überrascht.“

Derzeit liefen die Vorbereitungen für den 300. Geburtstag Friedrich des Großen im Jahr 2012. Die brandenburgischen Stiftungsratsmitglieder haben sich bisher gegen den Parkeintritt ausgesprochen – Albrecht Gerber (SPD), Chef der Staatskanzlei von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), und Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Linke). Die Berliner Vertreter im Stiftungsrat sollen dagegen für den Parkeintritt plädiert haben. Platzecks Regierungssprecher verwies darauf, dass in den Gremien weiter diskutiert werden müsse. Dazu gehörten auch die Fragen eines zeitlich befristeten Modells. Laut dem Konzept der Stiftung soll das Eintrittsgeld zunächst bis Ende 2017 verlangt werden.