Hauptstadtflughafen

Rolls-Royce-Manager soll Investoren für BBI finden

In gut einem Jahr wird der neue Großflughafen BBI in Schönefeld eröffnet. Mit dem ehemaligen Rolls-Royce-Manager Axel Arendt wollen Berlin und Brandenburg die Entwicklung des Flughafenumfelds vorantreiben. Ein Gespräch über Erwartung und Aufgaben.

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Arendt war Deutschlandchef des britischen Konzerns und seit 2006 Chef von dessen Rüstungssparte. Zuvor war er lange bei Daimler-Benz und EADS. Mit Axel Arendt sprach Katrin Schoelkopf über seine Aufgaben. Thema war auch der Vorstoß des Bürgervereins Brandenburg Berlin (BVBB), das Flughafenprojekt in Schönefeld aufzugeben. Stattdessen soll in Sperenberg ein „Zentralflughafen" entstehen. Hier wären statt 60000 wie in Schönefeld nur 2800 Menschen vom Fluglärm ab 55 Dezibel betroffen. Schönefeld soll Regierungsflughafen, Messestandort und internationales Gesundheitszentrum werden.

Morgenpost Online: Herr Arendt, auf Sie hat die Region seit anderthalb Jahren gewartet. Können Sie sich vorstellen, warum?

Axel Arendt: In dem Bereich der Ansiedlung von Industrie und Dienstleistung ist es durchaus üblich, dass man den Wirtschaftsförderern der Zukunftsagentur Brandenburg oder von Berlin Partner jemanden zur Seite stellt, der aufgrund seiner Erfahrung Zugang zu bestimmten Branchen gewährleistet. Die Luft- und Raumfahrttechnik ist natürlich wichtig, wenn man einen dritten Großflughafen in Deutschland etablieren will.

Morgenpost Online: Die Umfeldentwicklung läuft langsamer als bisher von der Politik prognostiziert. Sollen Sie jetzt ein gutes Jahr vor Eröffnung des BBI als Retter in der Not agieren?

Axel Arendt: Ich sehe es eher positiv. Jetzt, wo man sagen kann, der BBI steht, ist der richtige Zeitpunkt, die Ansiedlungspolitik zu intensivieren. Vor drei Jahren wären solche Aktivitäten verpufft. Es gab ja schließlich immer wieder Verzögerungen, sodass potenzielle Investoren erst einmal abgewartet haben. Jetzt ist alles klar, und es hat sich viel getan im vergangenen Jahr. Berlin wird mittlerweile als Drehkreuz gesehen. Das ist ein wichtiges Argument.

Morgenpost Online: Was ist Ihre Aufgabe, die Wirtschaftsförderer nicht erfüllen?

Axel Arendt: Ich werde die Position des Türöffners übernehmen. Ich kenne die internationale Luft- und Raumfahrtbranche, denn ich war vor meiner Pensionierung vor einem Jahr beim Triebwerkshersteller Rolls-Royce in England und habe von 2002 bis 2006 das Werk in Dahlewitz geleitet und die Region schätzen gelernt. Rolls-Royce ist sehr zufrieden mit seinem Standort in Brandenburg. Ich stehe daher mit vollem Herzen hinter meiner neuen Rolle und werde der Branche – quasi als freischaffender Künstler – vermitteln, dass es sich lohnt, hier zu investieren. Es kommt im Übrigen immer besser rüber, wenn derjenige, der bei entsprechenden Unternehmen für die Region wirbt, aus der Branche kommt und die Region kennt.

Morgenpost Online: Haben Sie schon angefangen?

Axel Arendt: Ich habe mich schon einmal intensiv informiert. Auf der diesjährigen Pariser Luftfahrtmesse in Le Bourget im Juni werde ich erste Gespräche mit potenziellen Interessenten führen.

Morgenpost Online: Wird es, wie von der Politik behauptet, 40.000 neue Arbeitsplätze geben, und steigt die Region in die Top 10 der europäischen Flughafenregionen auf?

Axel Arendt: Da tue ich mich schwer und will nicht etwas Unfundiertes sagen. Es gibt aber natürlich große Hoffnungen für die Region. Ob es für die Top 10 reicht, kann ich nicht beantworten. Grundsätzlich aber würde ich sagen, wenn man so eine konzentrierte Infrastruktur wie den BBI errichtet, dass dann Arbeitsplätze automatisch entstehen. Wie groß deren Anzahl aber ist, dazu fehlt mir die Kenntnis. Aber in den nächsten zwölf Monaten werden wir ein besseres Bild davon haben, was möglich ist.

Morgenpost Online: Warum?

Axel Arendt: Ich denke, dass Investoren, sobald man mit ihnen redet, eine schnelle Entscheidung treffen. Es wird dann aber noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Region in voller Blüte steht. Das hängt auch von der Art der Betriebe ab, die sich ansiedeln.

Morgenpost Online: Der BVBB hat jetzt die Aufgabe des Flughafenprojekts in Schönefeld gefordert. Was halten Sie davon?

Axel Arendt: Die Antwort ist klar. Jetzt noch für weitere Verzögerungen zu sorgen, wäre ausgesprochen schädlich. Daher kann ich nur hoffen, dass die Entscheidung für den BBI in Schönefeld mit aller Gründlichkeit durch alle Instanzen gelaufen ist, sodass jetzt nicht angefangen wird, das Heft 100 Seiten vorher aufzuschlagen.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist das Fliegen in den Nachtrandzeiten für die wirtschaftliche Entwicklung der Region?

Axel Arendt: Das ist schwer zu sagen, inwieweit Flugbeschränkungen die Ansiedlung beeinträchtigen. Für Logistikunternehmen ist natürlich eine größere Freiheit gut.