Hauptstadtflughafen

Jobmaschine BBI kommt nur langsam in Gang

Die Zahl der Firmenansiedlungen im Umfeld des Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg International liegt bisher noch hinter den ursprünglichen Erwartungen. Jetzt soll der erfahrene Manager Axel Arendt das wettmachen und sich auf Investoren-Suche begeben.

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Der künftige Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld gilt als Jobmaschine für die Region. Doch die wirtschaftliche Entwicklung im Flughafen-Umfeld verläuft langsamer als zunächst angenommen. Während die Wirtschaftsminister beider Länder in der Vergangenheit den Investorenboom bereits für zwei bis drei Jahre vor der BBI-Eröffnung prognostizierten, ist man mittlerweile vorsichtiger. Dass der BBI zum Konjunkturmotor wird, daran zweifelt zwar niemand. Doch die Initialzündung setzt offenbar später ein. So gehen Wirtschaftsförderer nun davon aus, dass „der richtige Schub“ erst mit der Eröffnung des BBI im Juni 2012 kommt.

Beigetragen zur zögerlichen Entwicklung haben nicht nur die Wirtschaftskrise und ein Überangebot an Flächen (rund 900 Hektar), sondern auch eine verfehlte Ansiedlungspolitik beider Länder. So machten sich Berlin und Brandenburg oft Konkurrenz bei der Investoren-Akquise, statt an einem Strang zu ziehen. Mittlerweile ist dieses Problem erkannt, aber noch nicht vollständig behoben. Nur ein Beispiel: So werden immer noch nicht gemeinsame Zahlen für das gemeinsam zu vermarktende Gebiet veröffentlicht.

Nun soll der weltweit erfahrene Wirtschaftsmanager Axel Arendt (62) wettmachen, was dem Airport Region Team bislang nicht wie erwartet gelang. Dieses Ansiedlungsteam mit eigenem Büro in Schönefeld war 2008 von den Wirtschaftsfördergesellschaften der Länder, der Zukunftsagentur Brandenburg und von Berlin Partner gegründet worden, um das BBI-Umfeld offensiv zu vermarkten.

Manager bei Rolls-Royce und EADS

Arendt, der zuvor Deutschlandchef beim englischen Triebwerkbauer Rolls-Royce sowie Manager bei Daimler und Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS war, wird ab sofort als „das Gesicht der Flughafenregion auftreten“ und Ansprechpartner und Werber für potenzielle Investoren sein.

„Wir begrüßen es sehr, dass es uns gelungen ist, mit Herrn Arendt einen erfahrenen Kenner der Branche als Repräsentanten für die wirtschaftliche Entwicklung der Airportregion zu gewinnen“, teilten Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide Linke) am Donnerstag mit. Bei der internationalen Positionierung des BBI werde Arendt aufgrund seiner großen Erfahrung und seiner vielfältigen Kontakte zu Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen.

Späte Reaktion

Mit der Personalie reagieren die Landesregierungen – wenn auch spät – auf eine Forderung namhafter Entscheider aus Berlin. Im November 2009 hatte die Stiftung Zukunft Berlin unter Vorsitz des ehemaligen Senators Volker Hassemer (CDU) in einem Appell an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (beide SPD) gefordert, dass das Entwicklungsgebiet rund um den künftigen Hauptstadtflughafen BBI aus einer Hand vermarktet werden müsse.

Die Unterzeichner forderten auch eine „Persönlichkeit“ als Ansprechpartner für interessierte Investoren. Anlass für den Appell, den der Unternehmensberater Roland Berger, der ehemalige Charité-Chef Detlev Ganten, der Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, der Wissenschaftler Wolfgang Lepenies, der Unternehmer Arend Oetker und der Anwalt Peter Raue unterschrieben haben, war die unbefriedigende Entwicklung des Flughafenumfelds aufgrund der konkurrierenden Länderinteressen. Arendt, der heute Vorsitzender des Forum Luft- und Raumfahrt ist, wollte sich am Donnerstag noch nicht zu seiner neuen Aufgabe äußern.

Dass die Entwicklung rund um den Flughafen kein Selbstläufer ist, haben die letzten Jahre gezeigt. Projektentwickler sicherten sich zwar Flächen im unmittelbaren Umfeld, die aber liegen entgegen ersten Ankündigungen größtenteils noch brach. So wollten die Projektentwickler um das irische Konsortium Bulberry Properties Limited und die Investa Projektentwicklungs- und Verwaltungs GmbH aus München bereits 2009 mit der Erschließung ihres geplanten Gewerbeparks (59 Hektar) in Schönefeld beginnen. Noch aber ist nichts passiert. Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) sieht dort jetzt zwar „Bewegung“. Die aber sei noch nicht „spruchreif“.

Projektentwickler zögern noch

Auch im direkt am Flughafenzaun gelegenen zehn Hektar großen „Gatelands“ in Kienberg-Süd, den die Gatelands GmbH, ein gemeinsames Unternehmen der Projekta Grundinvest GmbH und eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen, entwickelt, wird jetzt erst die Erschließung beendet. Eigentlich sollten dort bereits zwei von drei geplanten Hotels und ein Bürogebäude fertiggestellt sein.

Im 109 Hektar großen BBI Business Park, dem wichtigsten Gewerbegebiet im Flughafenumfeld auf Berliner Seite, ließ der britische Projektentwickler Segro jetzt die Kaufoption für weitere 24 Hektar verstreichen. Segro hatte 2007 von der Flughafengesellschaft 38 Hektar Fläche gekauft und war als „erster großer Investor für das Flughafenumfeld“ gefeiert worden. 2009 sollte mit dem Bau eines Gewerbe- und Logistikparks begonnen werden. Doch das Gelände liegt bislang brach. Ende dieses Jahres soll nun der Grundstein für die ersten Hallen gelegt werden.

Zu sehen sind im BBI Business Park bisher nur Bauarbeiten für ein Meininger-Dreisternehotel (156 Zimmer) und einen Aldi-Markt. Projektentwickler ist hier die ANH Hausbesitz GmbH & Co. aus Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. Auch sie hatte 2007 knapp zwei Hektar Flächen von der Flughafengesellschaft im BBI Business Park erworben. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2012 und damit noch vor der BBI-Eröffnung im Juni nächsten Jahres geplant.