Flugverkehr

Geschäftsflieger werden vom BBI verdrängt

| Lesedauer: 3 Minuten
Katrin Schoelkopf

Foto: dpa-Zentralbild / dpa-Zentralbild/DPA

Die Zukunft der Geschäftsflieger am neuen Berliner Großflughafen ist ungewiss. Die Industrie- und Handelskammer und der Verband der allgemeinen Luftfahrt AOPA befürchten, dass der Flughafen dieses Geschäftssegment, in dem Maschinen bis 14 Tonnen starten und landen, verdrängen will.

Wo sollen zukünftig die Geschäftsflieger am Großflughafen Berlin-Brandenburg International ihre Passagiere aufnehmen? Das bestehende Gebäude ist zunächst nur bis zum Jahr 2020 gesichert. Bis dahin will die Flughafengesellschaft das bestehende Terminal für die Allgemeine Luftfahrt (GAT) erhalten. Aber dieser Standort ist offenbar nicht dauerhaft. "Was nach 2020 kommt, wird derzeit geprüft", sagt Flughafensprecher Leif Erichsen. "Noch gibt es kein Konzept. Die Business Aviation soll aber im Norden des BBI bleiben."

Verlagerung des Terminals nötig

Nach Informationen von Morgenpost Online wird die Verlagerung nötig, weil das heutige GAT einem zweiten Rollweg entlang der nördlichen Start- und Landebahn des BBI im Wege steht. Dieser soll offenbar erst fertig gebaut werden, wenn steigende Flugbewegungszahlen es nötig machen.

Erst kürzlich hatten die Industrie- und Handelskammern (IHK) Berlin und Potsdam in einem Brief an Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ein Konzept für die Business Aviation und Planungssicherheit für die Geschäftsreiseflieger gefordert. "Andernfalls sehen wir die Gefahr, dass die betroffenen Airlines in andere Regionen abwandern, und sich damit ein Luftfahrtangebot verschlechtert, das insbesondere von Investoren und Wirtschaftsentscheidern genutzt wird", heißt es in dem Brief.

BBI weist Vorwürfe zurück

Auch der Präsident des regionalen Verbandes der Luftfahrtbranche Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA), Andreas Kaden, hatte die Flughafengesellschaft bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, ein "zukunftsträchtiges Konzept" für die Geschäftsfliegerei vorzulegen.

Befürchtungen, das Segment des Geschäftsreiseflugverkehrs werde am neuen BBI keinen Platz mehr finden, weist die Flughafengesellschaft als "groben Unfug" zurück. "Wir wollen eine starke Business Aviation. Was wir nicht wollen, sind die Hobbyflieger", sagte Flughafensprecher Erichsen. Wie berichtet will die Flughafengesellschaft Maschinen bis zwei Tonnen Abfluggewicht in Schönefeld und am BBI nicht mehr dulden und über höhere Gebühren verdrängen. Gleichzeitig wird der Betrieb des GAT ab dem 1. Dezember an die weltweit agierende Execujet Aviation Group abgegeben.

Entgeltordnung noch nicht gültig

Die entsprechende Entgeltordnung, die nach dem Willen der Flughafengesellschaft eigentlich ab 1. Dezember in Kraft treten sollte, ist aber noch nicht vom zuständigen Brandenburger Infrastrukturministerium genehmigt. "Die Entgeltordnung kommt nicht am 1. Dezember. Es bleibt erst einmal beim Alten ", sagte Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. Noch müssten mit der Flughafengesellschaft "Detailfragen" geklärt werden.

Die Industrie- und Handelskammer und der Verband der allgemeinen Luftfahrt AOPA hatten in der Ankündigung der neuen Entgeltordnung bereits den Anfang vom Ende des Verkehrssegments bis 14 Tonnen gesehen. Sie fürchten eine flächendeckende Verdrängung nicht nur der Hobby-, sondern eben auch des für die Wirtschaft so wichtigen Segments des Geschäftsreiseflugverkehrs vom künftigen BBI - ohne dass eine adäquate Alternative geboten würde.

Kleine Maschinen sind unerwünscht

Es sei auch zu befürchten, dass wegen der starken Flugfrequenz am BBI Landegenehmigungen für kleine Maschinen immer seltener erteilt würden, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Christian Wiesenhütter. Vor der Schließung des Flughafens Tempelhofs am 30. Oktober 2008 sei Berlin nach München der zweitstärkste Standort für Geschäftsflugverkehr gewesen.

"Wenn dieser Standortvorteil der schnellen Erreichbarkeit nicht durch entsprechende Maßnahmen wieder gewonnen wird, kommen mittelfristig weniger Lobbyisten und Meinungsbildner in die Stadt. Dies könnte sich auch negativ auf Investitionsvorhaben auswirken", sagt Wiesenhütter. "Wir vermissen ein schlüssiges Konzept für den Geschäfts- und Privatflugverkehr in der deutschen Hauptstadt."