Neue Saison

Brandenburger Bauern warten auf ersten Spargel

Am 14. April beginnt in Brandenburg die Spargelernte. In diesen Tagen treffen die Helfer aus Polen und Rumänien ein. Die Bauern hoffen auf gute Qualität und gute Erträge.

In wenigen Tagen ist Saisonstart, langsam macht sich Hektik breit. Einige Arbeiter sind auf den Feldern im traditionsreichen Brandenburger Spargelanbaugebiet Beelitz (Potsdam-Mittelmark) zu sehen. Prüfend wird geschaut, wie es um das Edelgemüse steht – und der Befund der erleichterten Bauern lautet: „Es wächst.“

Brandenburg hat sich mittlerweile nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zum drittgrößten Anbaugebiet bundesweit gemausert. In diesem Jahr feiern die Beelitzer 150 Jahre Spargelanbau. Am 14.April wird die Saison 2011 eröffnet. Bis dahin sind in den Betrieben logistische Meisterleistungen zu vollbringen. Wenn das Wetter mitspielt – nicht zu kalt und zu viel Regen –, können knapp zehn Wochen lang die beliebten Stangen gestochen werden. Am Johannistag (24. Juni) ist dann definitiv Schluss.

„Wir erwarten einen Ertrag von 6000 Tonnen“, sagte ein Sprecher des Beelitzer Spargelvereins. 15 Landwirte bewirtschaften insgesamt 1100 Hektar. Für Ernst-August Winkelmann, Geschäftsführer des Agrarbetriebes Buschmann & Winkelmann, eines der großen der Branche, kommt dann alles auf die Erntehelfer an. „Sie entscheiden über Ertrag und Erfolg.“ Zu den etwa 70 festen deutschen Mitarbeitern stoßen in der Saison allein bei ihm etwa 600 Helfer aus Polen und Rumänien. „Einige sind seit 20 Jahren dabei und bringen nun die erwachsenen Kinder mit.“ Winkelmann will, dass sich die Mitarbeiter auf Zeit in der Firma wohlfühlen. Die Arbeit und der winkende Lohn von bis zu 6000 Euro nach dem Ernteeinsatz seien das eine. Wichtig sei aber auch die Atmosphäre. „Was ich da tun kann, mache ich“, sagt er.

Bis zu 6000 Euro pro Saison

Der resolute Nordrhein-Westfale kam nach der Wende nach Brandenburg und baute hier mit seinem Partner den Agrarbetrieb in Klaistow auf. Stanislaw Kwak aus Zakopane läuft die Dämme ab. Darunter wächst der Spargel warm verpackt und im Schutze der Dunkelheit Stück für Stück. Dem Blick des 46-Jährigen entgeht keine Stelle, wo die Folie nicht richtig liegt. „Die Arbeit ist gut, der Lohn stimmt“, erzählt der 46-Jährige. Er ist bereits zum 19.Mal auf dem Hof. Mittlerweile ist er Vorarbeiter und leitet seine Kollegen an. Heimwehgefühle drückt er schnell weg. Ohne sein Geld würde die Familie nicht zurechtkommen. Dafür reiche der Ertrag des eigenen Hofes nicht.

In der Hochzeit, wenn der Spargel am Tag schon fünf bis sieben Zentimeter wächst, sind die Erntehelfer ab 6 Uhr auf den Beinen. Dann wird acht bis zehn Stunden gearbeitet. Ein guter Spargelstecher holt am Tag zwischen 80 und 150 Kilogramm vom Feld. Der Verdienst liegt zwischen 3000 und 6000 Euro pro Saison.

Untergebracht werden die Männer und Frauen – sie arbeiten meist in der Verpackung und im Sortierbereich – in einer hergerichteten ehemaligen NVA-Kaserne. Die Zimmer sind spartanisch ausgestattet: Doppelstockbetten, Schränke, Tische und Stühle. Dafür holt der Satellit polnisches oder rumänisches Fernsehen nach Brandenburg. Auch können Waschmaschinen genutzt werden, bringen firmeneigene Busse die Helfer nach Feierabend zum Friseur, zum Einkaufen, zum Ausgehen oder auch sonntags in die Messe. Ein kleiner Kiosk bietet heimatliche Genüsse: Täglich wird frisches Brot aus Slubice geliefert, gibt es Wurst und Käse aus Polen. Mittags essen alle gemeinsam.

Katarzyna Iwan, Dolmetscherin und Ansprechpartnerin bei allen großen und kleinen Wehwehchen, erzählt vom Essensplan. „Die Arbeit verlangt deftige Kost: Kartoffeln, Fleisch und Soße stehen an erster Stelle“, erzählt sie. Gemüse wie Spargel sei nicht der Renner. „Wenn Bigos (ein Sauerkrautgericht) auf den Tisch kommt, ist das ein Festmahl.“

Spargelstechen ist körperlich schwere Arbeit, gibt Winkelmann zu, der von Zeit zu Zeit selber noch mit zupackt. „Doch es ist auch eine Frage des Trainings und der richtigen Haltung.“ Neuankömmlingen wird das gleich beigebracht. Die beiden Krankenschwestern im Betrieb müssten kaum Muskelverspannungen oder schlimmen Muskelkater behandeln. Winkelmann: „Wer sich richtig bewegt, bekommt das nicht.“