Prozessauftakt

Brand sollte Mord im Drogenmilieu vertuschen

Der Fund von zwei verkohlten Leichen hatte im vergangenen Sommer in Brandenburg/Havel Entsetzen ausgelöst – und viele Fragen hinterlassen. Diese will das Landgericht Potsdam nun klären.

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Acht Monate nach dem Mord an zwei jungen Männern in Brandenburg/Havel hat am Dienstag in Potsdam der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen.

Angeklagt sind zwei 26 und 27 Jahre alte Männer, denen die Potsdamer Staatsanwaltschaft Mord, schweren Raub mit Todesfolge und Geiselnahme vorwirft. Die verkohlten Leichen der Opfer waren im Juli 2010 nach einem Brand an einer Turnhalle gefunden worden. Einer der Männer starb nach Angaben von Staatsanwalt Peter Petersen erst durch die starke Hitze des Feuers und den Rauch.

Um ihren Überfall auf zwei Jugendliche zu vertuschen, soll das Duo seine Opfer umgebracht und verbrannt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem brutalen Überfall im Drogenmilieu aus. Knapp 40 Zeugen und vier Sachverständige sollen gehört werden. Der Fund der zwei verkohlten Leichen hatte im vergangenen Sommer Entsetzen ausgelöst – und viele Fragen hinterlassen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat das Duo die Jugendlichen überfallen, um an Namen von Dealern und Rauschgift zu kommen. In Brandenburg/Havel jedoch hielten es damals viele Menschen für undenkbar, dass die Opfer Verbindungen in dies Milieu gehabt haben könnten. Die Anteilnahme an ihrem Tod war groß.

Laut Anklage lockten die Tatverdächtigen jedoch am 19. Juli 2010 die späteren Opfer in eine Wohnung. Dort schlugen sie zu, fesselten die Jugendlichen und zückten eine Schreckschusspistole. Schließlich strangulierte das Duo laut Anklage die jungen Männer. Eingewickelt in Bettlagen wurden die Opfer zunächst in einem Kellerverschlag versteckt. In der Nacht zum 22. Juli schafften die Männer sie dann auf eine nahe gelegenes Schulgelände – und legten den Brand, um die Tat zu vertuschen.

Die Angeklagten waren wenige Tage nach der Tat festgenommen worden und sind seitdem in Untersuchungshaft. Der Jüngere war in Sachsen ermittelt worden, sein Komplize stellte sich selbst bei der Polizei Brandenburg/Havel. Laut Staatsanwaltschaft sind beide Männer einschlägig vorbestraft und haben bereits Haftstrafen verbüßt.

Das Landgericht Potsdam hat zunächst 15 Verhandlungstage mit knapp 40 Zeugen und vier Sachverständigen vorgesehen. Das Urteil ist bislang für den 30. Juni geplant.