Preisexplosion

Kunden aus Polen kaufen deutsche Zuckerregale leer

Zucker ist in Polen zuletzt deutlich teurer geworden. Darum kaufen polnische Kunden nun in Brandenburg - und zwar in größeren Mengen.

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Normalerweise fahren Deutsche gern zum Einkaufen oder Tanken über Oder und Neiße nach Polen – es ist dort oft billiger. Doch momentan wird zwischen Usedom und Zittau ein anderer kleiner Grenzverkehr beobachtet: Polen steuern in den Supermärkten zielstrebig die Zuckerregale an. Die „weiße Ware“ ist auf der anderen Seite der Grenze deutlich teurer geworden. In Frankfurt (Oder) sagte Katarzyna Guzenda vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum, dass der Preis von umgerechnet 75 Cent im Dezember auf aktuell bis zu 1,50 Euro gestiegen sei. In Supermärkten in Frankfurt (Oder) werden dagegen nur 65 Cent für ein Paket verlangt.

Zum Beispiel auch in einem großen Supermarkt in Frankfurt (Oder). Dort ist Joanna Czyzewska aus dem polnischen Slubice mit ihrem Einkaufswagen unterwegs, in dem zehn Zuckerpakete liegen. „Ich habe für mich, meine Mutter und meinen Bruder eingekauft“, sagt die 38-Jährige. In Polen sei ihr dieser zurzeit zu teuer. Über dem Regal mit den Zuckerpaketen prangt ein gelbes Schild, das darauf hinweist, dass nur haushaltsübliche Mengen verkauft würden. Auch in der Görlitzer Marktkauf-Filiale decken sich Kunden aus Polen mit großen Vorräten an Zucker ein. „Seit zwei Wochen verkaufen wir verstärkt Zucker“, sagte die für Lebensmittel zuständige Abteilungsleiterin Silvia Becker. Schätzungsweise das Drei- bis Vierfache der ansonsten üblichen Menge davon setzt der Markt derzeit um. Die Abgabe allerdings ist limitiert: Maximal zehn Stück pro Person dürfen Kunden mitnehmen.

Andrea Chelbowski vom deutschen real SB-Warenhaus bestätigt den Trend zum verstärkten Zuckerkauf. Generell hätten die Zuckerpreise in ost- und südosteuropäischen Ländern in den vergangenen Wochen stark angezogen. Trotz des Ansturms sieht das Unternehmen aber keinen Grund, Zucker in rationierter Form abzugeben. „Ware ist bei uns genug vorhanden. Jedoch geben wir den Zucker nur in handelsüblichen Mengen ab“, sagte Stephan Krückl von der Kaufland-Kette. Schilder in den Märkten wiesen die Kunden auf diese Abgabebeschränkung hin. Marktleiter berichten hinter vorgehaltener Hand sogar davon, dass ganze polnische Familien mit eigenen Hubwagen anrückten, um Zucker palettenweise zu kaufen.

Von regelrechten „Hamsterkäufen“ in der Grenzregion weiß auch Andreas Krämer von der Rewe-Group. „Seit vier Wochen geht das schon so.“ Bei Rewe heiße eine Menge „handelsüblich“, wenn zehn bis zwölf Kilopakte abgegeben werden. Bei ein, zwei Paketen mehr würde jedoch auch noch niemand etwas sagen. „Zucker im dreistelligen Kilobereich verkaufen wir nicht. Rewe ist kein Großhändler“, sagte Krämer. Solche Anfragen habe es schon gegeben. Hamsterkäufe seien bereits in Berlin zu beobachten. „Nachschub ist kein Problem. Jedoch verfügen wir nicht über solch große Lagerkapazitäten.“ Es gebe Abgabebeschränkungen, damit der „normale Kunde“ sein Paket Zucker im Laden auch bekomme. Das Deutsch-Polnische Verbraucherinformationszentrum verweist auf Angaben der polnischen Regierung, wonach die Preissteigerung eine Folge der einige Jahre zurückliegenden EU-Zuckermarktreform sei. In Polen sei daraufhin weniger Zucker hergestellt worden, die Nachfrage aber gewachsen und die Preise gestiegen.