Brandenburg

Zahl der Internetstraftaten hat sich verdoppelt

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Seitdem Internetkriminalität in einer gesonderten Statistik erfasst wird, hat sich die Zahl der hier geführten Straftaten in Brandenburg verdoppelt. Insgesamt sind in der neuesten Kriminalitätsstatistik etwas mehr Straftaten verzeichnet als noch 2009 - es wurden aber mehr aufgeklärt.

Erstmals seit 2007 hat die Zahl der Straftaten in Brandenburg wieder zugenommen. Sie erhöhte sich im vergangenen Jahr um knapp zwei Prozent auf gut 204.000 Fälle, wie aus der Kriminalitätsstatistik des Innenministeriums hervorgeht. Eine Trendwende sieht Minister Dietmar Woidke (SPD) in dem Anstieg allerdings nicht:„Es gibt immer mal wieder Schwankungen“, sagte er am Donnerstag in Potsdam. „Grundsätzlich ist nicht mit einer Änderung der langjährig rückläufigen Entwicklung zu rechnen.“ Ausschlaggebend für die Entwicklung im vergangenen Jahr sei eine deutliche Zunahme von Vermögens- und Fälschungsdelikten. Mehr als die Hälfte der Straftaten wurde landesweit aufgeklärt. Mit einer Quote von 54 Prozent der Fälle steigerte sich die Polizei gegenüber 2009 um 1,1 Prozentpunkte, sagte Woidke. Nach seinen Angaben wurden 2010 fast 73.000 Tatverdächtige ermittelt.

Eine Leistung, die nach Ansicht der brandenburgischen Kriminalbeamten ohne Überstunden und einen Einsatz bis über die Leistungsgrenze der Beamten nicht möglich wäre. Deutlich widersprach der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) auch Woidkes Interpretation der Zunahme von Straftaten: Sie sei bedenklich und zeuge wohl eher von einer „wunschgemäßen Sichtweise“, sagte BDK-Sprecher Gerd-Christian Treutler.

Eine klare Sprache spricht die Statistik in Sachen Internetkriminalität: Seit 2004 werden die Fälle in diesem Bereich gesondert erfasst – und haben sich in diesem Zeitraum nahezu verdoppelt auf rund 8850 Fälle im vergangenen Jahr (2009: 6827). „Viele Nutzer machen es den Betrügern leider recht leicht“, sagte Woidke. Polizeipräsident Rainer Kann rechnet mit einem weiteren Anstieg. „Bei Computerstraftaten brauchen sie keinen Opferkontakt“, erklärte er. „Die Täterstruktur verändert sich hin zu denkenden Menschen und bedachten Tatvorgängen, um an den Besitz anderer zu kommen.“ Immerhin: Mit knapp 72 Prozent ist die Aufklärungsquote relativ hoch.

Vergleichbar hoch ist der Anstieg von Autodiebstählen mit einem Plus von 22,6 Prozent auf knapp 4070 Fälle. Betroffen seien alle Hersteller, deutsche Marken erfreuten sich aber besondere Beliebtheit. Zudem würden verstärkt Fahrzeugteile wie Navigator oder Radio gestohlen. Noch deutlicher fällt die Zunahme von Wohnungseinbrüchen aus mit einem Plus von mehr als 50 Prozent auf 1300 Fälle. „Diese Straftaten berühren das Sicherheitsempfinden der Menschen besonders“, sagte Woidke. In beiden Fällen sind laut Minister keinesfalls nur grenznahe Regionen betroffen. Die Taten würden landesweit begangen, gerne auch im Berliner Umland. Täter seien gut organisierte Gruppen, die grenzüberschreitend operierten. Ähnliche Probleme wie Brandenberg hätten vor allem Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Um die Entwicklung zu bekämpfen, will Brandenburg seine Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei weiter ausbauen. Woidke kündigte an, in der kommenden Woche weitere Schritte vorzustellen.

Erfreulich ist aus Sicht des Ministers der Rückgang der Kinder- und Jugendkriminalität. Der Anteil der unter 21 Jahre alten Tatverdächtigen lag demnach 2010 bei 22,3 Prozent (2009: 24,5 Prozent) – zehn Jahre zuvor lag er noch bei 33,7 Prozent. Ein Grund dafür ist laut Statistiker die demografische Entwicklung. Wesentlichen Anteil habe aber auch die Prävention und enge Zusammenarbeit mit Schulen, ist Woidke überzeugt. Dies gilt seiner Ansicht nach auch für den andauernden Abwärtstrend bei politisch motivierter Kriminalität. Die Mehrheit der Straftaten war dabei wie im Vorjahr rechts motiviert und lag bei rund 1140 Fällen (2009: 1422). Dem linken Spektrum wurden rund 180 Fälle zugeordnet (2009:260) – meist in der „Konfrontation gegen Rechts“, hieß es. Die Gewaltstraftaten blieben bei den Rechten mit 96 auf dem Vorjahresniveau(97), bei den Linken stiegen sie um auf 30 Fälle (2009: 26). Woidke sagte, dass die Bekämpfung politisch motivierter Kriminalität in Brandenburg ein vorrangiges Ziel bleibe.

( dpa/sh )