Sprengsätze

Anschlag auf Bahngleise bei Oranienburg vereitelt

Die Bahnstrecke Oranienburg-Neustrelitz war bis Sonnabendvormittag voll gesperrt - wie erst jetzt bekannt wurde wegen zwei funktionsfähriger Sprengsätze, die in Kabelaschächten platziert waren. Die Aktion könnte in Zusammenhang mit dem geplanten Castor-Transport stehen.

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Die Polizei hat einen möglichen Anschlag auf die Bahnstrecke Oranienburg-Neustrelitz verhindert. Zwei Spreng- und Brandsätze waren in Kabelschächten beiderseits der Gleise nahe Oranienburg angebracht. Sie seien am Freitag entschärft worden, teilte das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg am Sonnabend in Eberswalde mit. Die Ermittler schließen nicht aus, dass es einen Zusammenhang mit den anstehenden Castortransporten mit radioaktivem Material ins Zwischenlager Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) gibt. Die Bahnstrecke Oranienburg – Neustrelitz gilt als eine der möglichen Routen für den geplanten Castortransport in der kommenden Woche.

Die Polizei war am Freitagnachmittag von einer namentlich bekannten Anruferin über einen möglichen Sprengsatz an der Bahnstrecke in der Nähe der Havelbrücke am Fichtengrund bei Oranienburg (Oberhavel) informiert worden. Ein Bekennerschreiben liege nicht vor.

Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte die Polizei keine Angaben machen, ob die Sprengvorrichtungen professionell hergestellt wurden oder ob sie die Arbeit von Amateuren sind. Das LKA sprach von „unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen“. Eine Zündung hätte demnach zu erheblichem Sachschaden im Kabelschacht und zu einem längeren Ausfall des Zugverkehrs auf der Strecke führen können.

Zeugen hätten verdächtige Personen an der Bahnstrecke beobachtet und die Polizei informiert, hieß es. Der Bereich wurde daraufhin abgesperrt und abgesucht. Dann entdeckten die Beamten den Sprengsatz. Nach der Befragung der Zeugen sei später ein baugleicher Sprengsatz an der gegenüberliegenden Bahnstrecke ebenfalls in einem Kabelschacht gefunden worden.

Die Staatsschutzabteilung des LKA ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Wegen des Polizeieinsatzes musste die Bahnstrecke mehrfach komplett gesperrt werden.

In der kommenden Woche sollen fünf Castorbehälter mit hoch radioaktiver Plutonium-Uran-Flüssigkeit aus einem ehemaligen Forschungszentrum in Karlsruhe in das Zwischenlager Nord in Lubmin gebracht werden. Nach Kenntnissen der Anti-Castor-Initiative Contratom führt die bevorzugte Route der Behörden über Magdeburg in Sachsen-Anhalt, die Prignitz in Brandenburg und Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern. Jedoch sei auch eine Route dicht an Berlin vorbei und durch Oranienburg genehmigt worden.

In Berlin hatte es Anfang November 2010 nach einem Brandanschlag auf Kabelstränge der S-Bahn zum Teil erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen gegeben. Damals war ein Bekennerschreiben einer Splittergruppe militanter Atomkraftgegner eingegangen. Seit Jahren verübten autonome Linksextremisten regelmäßig in zeitlicher Nähe zu Castor-Transporten derartige Anschläge, hieß es damals.

Demonstrationen an mehreren Orten in Brandenburg

Atomkraft-Gegner wollen am Sonnabend an verschiedenen Orten in Brandenburg auf die Straße gehen. In Zossen (seit 12 Uhr), Diedersdorf (seit 15 Uhr), Blankenfelde und Jüterbog (beide 14.15 Uhr) hat das Anti-Atom-Bündnis Teltow-Fläming zu Kundgebungen und Spaziergängen entlang von Bahnstrecken aufgerufen.

Auch in Bernau (seit 11 Uhr), Biesenthal (seit 12.30 Uhr) und Eberswalde (seit 14 Uhr) gibt es Versammlungen. In Wittenberge soll den ganzen Vormittag lang eine Info-Veranstaltung stattfinden.

Mit den Protesten reihen sich die Brandenburger in bundesweite Proteste ein, die nach Angaben des Anti-Atom-Bündnisses Nordost in mindestens 23 Städten stattfinden.