Großflughafen

Brandenburg für parallele BBI-Abflugrouten

Die Brandenburger Landesregierung bemüht sich um eine neue Variante der Flugrouten am BBI. Mit Parallelstarts sollen deutlich weniger Menschen unter Lärm leiden.

Foto: Christian Hahn

Zwei Tage vor der Großdemonstration gegen neue Flugrouten am Sonntag um 14 Uhr in Schönefeld sind die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg um Frieden bemüht. In einer gemeinsamen Presseerklärung meldeten sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) am Freitag zu Wort und lobten die Arbeit der Flugroutenkommission.

Die Arbeit sei „ergebnisorientiert und sachlich, Berliner und Brandenburger Interessen werden nicht gegeneinander ausgespielt“. „Wir sind in der Flugroutendebatte schon ein gehöriges Stück vorangekommen. Heute liegen Vorschläge zu den Flugrouten auf dem Tisch, mit denen Einwände aufgegriffen wurden“, sagte Wowereit. Bei gutem Willen könne am Ende ein Ergebnis stehen, das für den Großteil der Menschen akzeptabel sei. Wie berichtet, werden bestimmte Abflugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BBI in der Fluglärmkommission bevorzugt. Das jedenfalls bestätigten der Flughafen, die Deutsche Flugsicherung und das Brandenburger Infrastrukturministerium.

Blankenfelde gegen geraden Abflug

Dazu gehört der geradlinige Abflug von der Nordbahn Richtung Westen bei gleichzeitigem Abknicken um 15 Grad von der Südbahn. Diese Variante wird allerdings in Blankenfelde als „unzumutbar“ abgelehnt, wie der Vertreter der Gemeinde in der Fluglärmkommission, Bernd Habermann, am Freitag mitteilte. Stattdessen fordert Habermann das Umfliegen der Gemeinde und damit ein Abknicken der Flugroute von der Nordbahn. Andernfalls müsse das sogenannte Casa-Programm angewendet werden, wonach bei Überflügen mit 350 Metern Höhe ein Verkauf des Wohnhauses an den Flughafen möglich ist.

Zu den Varianten Richtung Osten gehören der geradlinige Abflug von der Nordbahn und ein scharfes Abknicken um 90 Grad von der Südbahn sowie der längere Geradeausflug von beiden Bahnen nach Münchner Vorbild. Am Münchner Flughafen wird bei unabhängigen Parallelstarts zunächst von beiden Bahnen geradeaus geflogen und erst später als von der internationalen zivilen Luftfahrtorganisation Icao verlangt voneinander abgedreht. Für den BBI könnte das heißen, dass Richtung Osten knapp zehn Kilometer lang gemeinsam geradeaus geflogen wird und von der Südroute erst hinter Eichwalde Richtung Südosten abgeknickt wird.

Für das Verfahren am Münchner Flughafen hatte sich der Staatssekretär im Brandenburger Infrastrukturministerium, Rainer Bretschneider, am Freitag nur wenige Stunden vor der Erklärung der Regierungschefs ausgesprochen. „Der Vorteil wäre, dass wir die Zahl der von Fluglärm belästigten Menschen nochmals deutlich verringern. Ich werden den Bund bitten, sich beim Bundesamt für Flugsicherung für diese Lösung einzusetzen“, sagte Bretschneider. „Was in München möglich ist, kann eigentlich für den BBI nicht verboten sein.“ Am Donnerstag hatte bereits der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Dieter Scheurle, dieses Abflugverfahren als sinnvoll in Aussicht gestellt und darauf gedrungen, dass es geprüft wird. Die Deutsche Flugsicherung hat sich laut Brandenburger Infrastrukturministerium diesem Flugverfahren bisher verschlossen.