Brandanschläge

Von Potsdamer Brandstiftern fehlt jede Spur

Nach den Brandanschlägen auf zwölf Autos in Potsdam sucht die Polizei weiter nach den Tätern - und nach dem Motiv. Die Ermittler wollen zwar einen politischen Hintergrund nicht ausschließen, haben allerdings noch keine Beweise dafür. Zumindest die Vorgehensweise ist identisch mit der linksradikaler Brandstifter in Berlin.

Nach den Brandanschlägen auf ein Dutzend Autos im Potsdamer Stadtteil Neu Fahrland am vergangenen Wochenende fehlt von den Tätern noch jede Spur. Auch konkrete Hinweise auf das Motiv der Tat gebe es noch nicht, sagte ein Polizeisprecher. Zu Berichten über einen politischen Hintergrund sagte der Sprecher weiter, bislang gebe es kein in solchen Fällen übliches Bekennerschreiben. Man ermittle daher in alle Richtungen.

In der Nacht zum Sonntag waren in dem Wohnviertel im Norden der brandenburgischen Hauptstadt zwölf geparkte Pkw in Flammen aufgegangen; vier Fahrzeuge wurden völlig zerstört. Die Täter hatten die Wagen in Brand gesetzt, indem sie Grillanzünder auf die Reifen gelegt und diese dann entzündet hatten. Nach diesem Muster wurden in Berlin in diesem Jahr bereits insgesamt mehr als 230 Pkw, zumeist aus politischen Motiven, in Brand gesetzt.

Ein politischer Hintergrund sei auch bei der Tat in Neu Fahrland nicht ausgeschlossen, hieß es aus Potsdamer Polizeikreisen. Zumindest die Vorgehensweise sei identisch mit der linksradikaler Brandstifter in der Hauptstadt. Andererseits spreche einiges gegen ein politisches Motiv, sagte ein Ermittler. Zum einen fehle ein Bekennerschreiben, zum anderen seien von der Attacke nicht nur teure Autos, sondern auch Fahrzeuge der unteren Mittelklasse betroffen.

"Und letztlich kann man das Wohngebiet, in dem die Taten verübt wurden, nicht gerade als klassisches Zielgebiet politisch motivierter Täter bezeichnen", ergänzte der Ermittler. Derzeit gebe es eine ganze Bandbreite möglicher Hintergründe. "Es kann etwas Politisches gewesen sein, eine Spontanaktion von Betrunkenen oder das Werk von Trittbrettfahrern", sagte der Polizeibeamte. Um Licht in das Dunkel zu bringen, werden derzeit Zeugen und Anwohner befragt. Der zuständige Schutzbereich Potsdam erhofft sich dadurch erste Fortschritte bei den Ermittlungen. Hinweise zu dem Fall nehmen die Polizeiwache Potsdam Mitte (Tel. 0331/55 08 26 24) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Mit einem Brandanschlag der Größenordnung wie am Wochenende in Neu Fahrland ist die Polizei in Brandenburg bereits seit Jahren nicht mehr konfrontiert worden. Zwar gibt es auch in Potsdam eine linksradikale Szene, die war allerdings in den 90er-Jahren besonders aktiv. Die letzte größere Attacke liegt vier Jahre zurück. Damals, im Jahr 2005, wurden drei Fahrzeuge des Potsdamer Sozialministeriums in Brand gesetzt, zu der Tat bekannte sich die "Militante Gruppe". Am Freitag wurden drei Berliner Mitglieder zu Haftstrafen verurteilt, ein Racheakt von Sympathisanten ist daher ein möglicher Hintergrund, dem die Ermittler in Potsdam jetzt nachgehen.