Groß Glienicker See

Mehrheit der Anrainer lehnt offenen Uferweg ab

Ein Großteil der Anrainer am Groß Glienicker See will keine Öffnung des Uferwegs. Von 34 Grundstückseigentümern haben nur sieben ein entsprechendes von der Stadtverwaltung Potsdam unterbreitetes Moratorium für einen Durchgang unterschrieben.

Foto: Amin Akhtar

Der Streit geht in die nächste Runde: Ein Großteil der Anrainer hat das Moratorium zum Groß Glienicker Seeufer abgelehnt, teilte die Potsdamer Stadtverwaltung am Freitag mit. Seit Monaten halten Grundstückseigentümer den Weg am Ufer des Groß Glienicker Sees in Teilen gesperrt. Ob die Anrainer nun mit Enteignungen rechnen müssen, ist noch ungewiss. Über die Schlussfolgerungen, die sich aus dem Scheitern des Moratoriums ergeben und wie die Stadt nun erreichen will, dass der Uferweg durchgängig öffentlich zugänglich ist, will sie dem Hauptausschuss voraussichtlich am 19. Januar berichten.

Von den beteiligten Eigentümern der insgesamt 34 privaten Ufergrundstücke hätten nur sieben das Moratorium unterschrieben zurückgesandt. „Einer bot sein Grundstück zum Verkauf an, sechs Eigentümer hatten noch Änderungswünsche zum Moratorium formuliert, drei haben sich ablehnend geäußert“, sagte Stadtsprecherin Regina Thielemann. Insgesamt 17, also die Hälfte der Eigentümer, reagierte gar nicht auf das Angebot. Auch der Bund habe sich außerstande gesehen, sich positiv zum Moratorium zu positionieren. „Ich bin außerordentlich enttäuscht über diese so deutliche negative Reaktion der Eigentümerschaft“, sagte Matthias Klipp, der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bauen. Laut Bebauungsplan ist der Uferweg, der auf einem ehemaligen Postenweg der DDR-Grenzer verläuft, als öffentlich begehbarer Weg ausgewiesen. Als solcher gewidmet wurde er aber nicht – ein Versäumnis aus den 90er-Jahren. Ziel der Stadt ist es, den Bebauungsplan zu ändern. Der Uferweg soll geöffnet bleiben. Aber den Anrainern soll gestattet werden, ihre Grundstücke besser abzugrenzen. Rechtssicher ist eine Planänderung aber nur machbar, wenn die Grundeigentümer der öffentlichen Widmung des Weges über ihre Fläche zustimmen.

Auf vielfältige Weise seien den Eigentümern am Groß Glienicker See Lösungsangebote unterbreitet worden, wie ein durchgängig öffentlicher Uferweg „unter Berücksichtigung der in den Verhandlungen geäußerten privaten Interessen gesichert werden könne“, heißt es in der Stadtverwaltung. Im November vergangenen Jahres hatte die Stadt den Seeanrainern schließlich ein Moratorium – eine Friedenspflicht für vier Jahre – angeboten. Der Uferweg sollte für die Dauer eines möglichen Verfahrens zur Änderung des Bebauungsplanes geöffnet bleiben.

Die Potsdamer Stadtverwaltung hatte große Hoffnungen in das Moratorium gesetzt. Doch jetzt habe man feststellen müssen, dass der überwiegende Teil der Eigentümer nicht bereit sei, auf die befristete Friedenspflicht einzugehen. Noch nicht einmal für zusammenhängende Teilabschnitte des Seeufers läge dazu die Bereitschaft vor, sagte Matthias Klipp. Hätten einige nebeneinander wohnende Anrainer dem Moratorium zugestimmt, wäre der Konflikt aus Sicht der Stadtverwaltung damit zumindest teilweise gelöst worden