Türkiyemspor-Spieler in Lindow

Streit um Schlägerei mit Berliner Fußballern eskaliert

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Es begann mit einem Streit im Supermarkt – und endete mit einer Schlägerei mit Waffen und rassistischen Beschimpfungen. Fußballer des Berliner Vereins Türkiyemspor lieferten sich diese Auseinandersetzung mit Jugendlichen im brandenburgischen Lindow. Die Vereinsführung schimpft nun auf den Bürgermeister. Der nimmt die Lindower Jugendlichen in Schutz.

Nach einer Schlägerei zwischen deutschen Jugendlichen und türkischen Fußballern des Berliner Vereins Türkiyemspor in Lindow (Ostprignitz-Ruppin) sind beide Seiten in ihrer Einschätzung der Vorfälle Anfang der Woche meilenweit voneinander entfernt. Für Türkiyemspor war es ganz klar ein fremdenfeindlicher Übergriff, für den Lindower Bürgermeister eher eine Art Bolzplatzprügelei. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt inzwischen wegen Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Türkiyemspor-Präsident Celal Bingöl reicht das nicht. Er erhob gegen die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe und bezeichnete ihre Ermittlungen als einseitig. „Ich werfe der Staatsanwaltschaft vor, rassistische Meinungen zu unterstützen“, sagte er dem Radiosender „Fritz“.

Türkiyemspor-Sprecherin Susam Dündar-Isik schiebt Lindows Bürgermeister die Schuld zu. „Der Bürgermeister hat völlig verantwortungslos gehandelt. Rathauschef Wolfgang Schwericke (SPD) hätte sofort die Polizei rufen sollen und mit dem Trainer der Jugendlichen reden, als am Montag die Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen begannen, kritisiert Dündar-Isik. „Er hat aber von Anfang an versucht, es unter den Tisch zu kehren.“ Isik ist besonders empört darüber, dass keiner der anwesenden Erwachsenen die Polizei gerufen habe. Dabei seien Sprüche gefallen wie „wir werden euch in die Gaskammer schicken“.

Treffen mit Knüppel, Aluminiumstange und Axt

Was in der 3400-Seelen-Gemeinde nahe Neuruppin genau geschah, wissen auch die Ermittler noch nicht. Wegen einer Nichtigkeit soll es am Montagabend in einem Supermarkt zum Streit zwischen Deutschen und Türken gekommen sein, sagt die Neuruppiner Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper. Es gab ein Wortgefecht und Prügeleien, ein 21-Jähriger schrie „Sieg Heil“. Die Berliner Fußballer konterten mit „Nazis“ und den Worten „Wir machen euch platt“. Am nächsten Abend ging es am selben Schauplatz weiter: 20 Lindower standen mit Holzknüppeln bewaffnet 13 Berliner Fußballern gegenüber, auch die hatten Knüppel, Aluminiumstangen und eine Axt dabei. Die Bilanz der Schlägerei: drei Verletzte und „umfangreiche Ermittlungen“ der Staatsanwaltschaft – auch wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Bürgermeister Schwericke (SPD), der auch Vorsitzender des Lindower Sportvereins ist und daher einen „guten Draht“ zu den Jugendlichen hat, wie er sagt, verteidigt seine Stadt: „Es gibt hier keine rechtsextreme Szene. Das war eine einzige Person. Und gegen die wird ermittelt.“ Man könne nicht alle Jugendlichen in die gleiche Schublade stecken. „Auch bei den türkischen Jugendlichen waren sehr aggressive dabei, es gab Opfer und Täter auf beiden Seiten“, sagt Schwericke. Er sei „fest davon überzeugt“, dass das alles auch passiert wäre, „wenn keine Ausländer dabei gewesen wären“. Er kenne die verwickelten Jugendlichen aus dem Ort und wisse, dass sie keinen Kontakt zur Neonaziszene hätten, fügte Schwericke dem RBB-Sender Fritz gegenüber hinzu.

Schwericke will beide Seiten nun durch ein gemeinsames Projekt zusammenbringen. Am Sonnabend will er sich nun mit den Lindower Jugendlichen treffen und über den Vorfall reden, und darüber „was wir tun können, um zu beweisen, dass Lindow nicht so ist, wie es jetzt dargestellt wird“. Auch mit den Jugendlichen von Türkiyemspor soll es möglichst schnell eine Aussprache geben. „Spätestens Mitte November muss das vom Tisch sein.“

( dpa/ddp/sh )