Körperwelten

Plastinator Gunter von Hagens löst in Bayern Eklat aus

Schon in Berlin sorgten die Plastinate für Aufregung: Gunter von Hagens zeigt zwei Tote beim Sex. In Bayern wurde ihm untersagt, ein solches Paar auszustellen. Von Hagens zeigte ein anderes - beim Akt. Es kam zum Eklat. Der Plastinator soll 10.000 Euro Strafe zahlen.

Foto: Gunther von Hagens, Institut für Plastination, Heidelberg, www.koerperwelten.de

Mit einer Provokation hat der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens auf das gerichtliche Verbot der Zurschaustellung eines bestimmten kopulierenden Leichenpaares reagiert. Am Donnerstag enthüllte er in seiner „Körperwelten“-Ausstellung in Augsburg zwei andere Plastinate beim Geschlechtsverkehr.

Eine Juristin der Stadt alarmierte daraufhin Oberbürgermeister Kurt Gribl. Der nannte Hagens' Verhalten „ungehörig“ und forderte vor Ort die sofortige Verhüllung des Liebesaktes. Da sich von Hagens weigerte, machte Gribl von seinem Hausrecht der Messe Gebrauch, erließ eine Zutrittsverbot für den Ausstellungsraum und ließ mit seiner aktiven Unterstützung den Akt verhüllen. Danach wurde der Raum von der Augsburger Feuerwehr unzugänglich gemacht.

Der zuständige Referent Rainer Schaal (CSU) brach seinen Urlaub ab und eilte zum Ausstellungsgelände. Er sprach von einer „ungeheuerlichen Provokation“. Die Stadt werde mit allen Mitteln das erlassene Verbot durchsetzen. Das Vorgehen der Stadt sei rechtmäßig. Gegen von Hagens wurde ein sofort vollziehbares Zwangsgeld von 10.000 Euro erlassen.

Schaal warf von Hagens „Effekthascherei“ vor. Das Ausstellungsstück werde nun mit einem Bauzaun umgeben uns so den Blicken entzogen. Das Zwangsgeld werde Hagens auf jeden Fall zahlen müssen, egal ob seine Position bei einem späteren Prozess bestätigt werde oder nicht. „Egal, ob er Gesetze richtig oder falsch findet, Herr Hagens hat sich daran zu halten“, empörte sich Schaal.

Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte am Dienstag in einer Eilentscheidung festgelegt, dass der ursprünglich vorgesehene Akt verhüllt bleiben muss. Es begründete seine Entscheidung mit Zweifeln, ob der Spender des männlichen Körpers bei seiner Einwilligung ein halbes Jahr vor seinem Tod im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte war.

Die moralische Frage, ob die Zurschaustellung Toter beim Sex gegen die Menschenwürde verstoße, ließ das Gericht offen. Die Stadt argumentiert, dass die Zurschaustellung konservierter Körper von zwei toten Menschen beim Sex gegen die Vorschriften des bayerischen Bestattungsgesetzes und den postmortalen Persönlichkeitsschutz verstoße.

Die am Donnerstag enthüllten konservierten Körper zweier toter Menschen beim Sex hatte Hagens zum ersten Mal im Mai in Berlin gezeigt. Das Exponat war dort in einem separaten Raum ausgestellt, zu dem Besucher unter 16 Jahren nur mit Einwilligung von Erziehungsberechtigten Zutritt hatten.

Von Hagens hatte das städtische Verbot in Augsburg und die Entscheidung des Verwaltungsgerichts als „Zensur und Bevormundung“ bezeichnet. Sein Ziel sei eine „Demokratisierung der Anatomie“ und Aufklärung. Bei der Ausstellung plastinierter Leichen bezog er sich auf das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit. Er begründete das Herzeigen eines Sexualaktes mit der Freiheit des Einzelnen zu entscheiden, was mit dem eigenen Leichnam geschehen soll. Dies sei ein uneingeschränkt geltendes Recht. Er wolle mit seinen Präparaten nicht provozieren.

In Augsburg gastiert die „Körperwelten“-Ausstellung noch bis zum 13. September.