Urlaub für einen Tag

Werder lockt mit Kunst, Kultur - und mit Wein

Nicht jedem ist das bekannt: In Werder an der Havel, gibt es nicht nur Gemüse zu kaufen, sondern auch Wein. Das Ziel der meisten Tagesausflügler ist der Wachtelberg im Herzen der Stadt. Dort wachsen auf sechs malerischen Hektar Reben. Hier findet sich die nördlichste für den Qualitätsweinanbau zugelassene Reblage der Welt. Und probiert darf auch werden.

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Nicht jedem ist das bekannt: In Werder an der Havel, gibt es nicht nur Gemüse zu kaufen, sondern auch Wein. Das Ziel der meisten Tagesausflügler ist der Wachtelberg im Herzen der Stadt. Dort wachsen auf sechs malerischen Hektar Reben. Hier findet sich die nördlichste für den Qualitätsweinanbau zugelassene Reblage der Welt.

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Wenn die Berliner nach Werder (Havel) fahren, sieht die Stadt meist ganz anders aus als sonst. Denn die Berliner kommen meist, wenn gerade das beinahe weltberühmte "Blütenfest" gefeiert wird. Dann schmücken überall Obstweinstände die Stadt - und schon deswegen sehen für manchen früher oder später alle Straßen gleich aus. Dabei lohnt sich das genaue Hinschauen, denn gerade für Eintages-Urlauber bietet Werder reichlich Abwechslung.

Ein Erlebnis für die ganze Familie hat auch mit Wein zu tun - auch wenn der süffige Schluck nur den Erwachsenen vorbehalten ist. Das Ziel ist der Wachtelberg im Herzen der Stadt. Dort wachsen auf sechs malerischen Hektar Weinreben. Weinbergsbetreiber Manfred Lindicke rühmt sich, die "nördlichste für den Qualitätsweinanbau zugelassene Reblage der Welt" zu bewirtschaften.

Der leicht ansteigende Weg auf den Wachtelberg hört rechtzeitig auf, bevor die Kinder zu quengeln beginnen. Vor den Augen tut sich eine Parade unterschiedlichster Rebstöcke auf. Zwar werden für die Weinerzeugung - es gibt richtige Flaschenware - nur einige Sorten angebaut, aber zu Lehr- und Schauzwecken hat Lindicke ebenfalls gepflanzt, Dutzende von zum Teil seltenen Sorten.

Weinproben für die Eltern, Snacks für Kinder

In diesem Jahr will der Winzer etwa 50 Tonnen Trauben ernten, je zur Hälfte für Rot- und Weißwein. Eine Straußenwirtschaft, die "Weintiene", bietet Miniweinproben an. Kinder können natürlich etwas Nichtalkoholisches trinken, für alle gibt es Kleinigkeiten aus der kalten Küche.

So gestärkt geht der Abstieg umso leichter, und gemeinsam kann sich die Familie auf die Inselstadt freuen. Die lebt zwar von den Touristen, doch sie hat sich ihren Charakter bewahrt. Fast jedes Ladengeschäft legt sich für die Kunst ins Zeug. Bilder und Skulpturen stehen nicht nur in Galerien, sogar Versicherungsmakler und andere Gewerbetreibende präsentieren mit Stolz die Werke von Künstlern.

Das ganze heißt "Kunst- und Kulturtage" und dauert noch bis zum 30. August. Das Schöne für die Kinder: Die Wege sind kurz und jederzeit scheint eine Eisdiele hinter der nächsten Hausecke aufzutauchen. Für die Kleinen eine gute Gelegenheit also, den elterlichen Schaufenster- und Galeriebummel lecker "aufzusüßen".

Blasmusik und Dixiland-Musik

Wer seinen Ausflug auf den 11. August legt, kann sogar das traditionelle Mühlenfest der Stadt erleben. Ab 13 Uhr gibt es "Havelländer Blasmusik", Rettungshunde können bewundert werden, und später schallt noch Dixieland-Jazz durch die malerischen Gassen.

Doch während das Mühlenfest nur einmal im Jahr lockt, wartet im Gewerbegebiet "Havelauen" eine Attraktion für Eltern und Kinder, die sogar außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten erlebbar ist - vorausgesetzt, die Gäste haben sich zuvor telefonisch angemeldet: Das "Zweirad- und Technikmuseum Werder" ist, völlig zu Unrecht, vielleicht das verkannteste Stück Erlebnishistorie, das die Havelstadt zu bieten hat.

Seit 1990 hat der Verein MC-Blütenstadt Werder/Havel mehr als 150 historische Motorräder, Mopeds, Fahrräder, Flugzeugmotoren und andere Exponate aus der Werderaner Industriegeschichte zusammengetragen. Für Kinder ist die Schau ein Paradies: Unter Obhut von Museumsleiterin Rosemarie Jordan dürfen sie unter anderem mit einem historischen "Miele"-Dreirad durch die Gänge fahren. Nach der märkisch-liebevollen Mahnung, nichts umzufahren, kann es losgehen.

Meisterin des Hochrades

Sehr zur Freude von Leiterin Jordan, der "guten Seele" des Hauses. Die Frau, die schon viele Titel und Preise im Hochrad-Fahren nach Werder gebracht hat, sagt: "Das ist mein Lebenswerk." Schon jetzt freut sie sich auch auf viele Berliner Eltern und Kinder, die sie zum großen Museumsfest am 23. August von 10 bis 16 Uhr begrüßen möchte. "Wir werden die alten Maschinen auf Touren bringen, Motorräder, Fabrikationsgeräte, Mopeds. Da gibt es reichlich zu sehen, zu hören und zu riechen", sagt Jordan.

Nach dem vielen historischen Blech ist Licht, Luft und Weite angesagt. Der beste Ort für das Kontrastprogramm ist gleichsam nur einen Katzensprung entfernt und genau wie Werder ein Paradies für Radtouristen: Caputh-Geltow und Caputh-Schwielowsee sind durch eine Seilzugfähre miteinander verbunden. Direkt an der Fährstation, entlang am "Caputher Gemünde", liegt die weitläufige Promenade.

Schwäne und Enten sind lohnenswerte Fotomotive. Entlang des Weges sind Spielgeräte montiert, an denen sich die Kleinen nach einem erlebnisreichen Tag endgültig "bettschwer" wippen können. Eltern sollten ihren Nachwuchs dabei wegen der Ufernähe stets im Auge behalten.

Wer ein Stück Geistesgeschichte in seine Tagestour einbauen möchte, kann das weithin bekannte Sommerhaus Albert Einsteins in Caputh besichtigen. Auch ein kleines Schloss und die von Stüler entworfene Kirche sind Anlaufpunkte. Ein Geheimtipp hingegen ist ein beherzter Aufstieg auf den Krähenberg in Caputh-Schwielowsee - am besten mit Proviant: oben rasten, Schnitten und Limonade auspacken und über den Caputher See blicken.