Kyritz-Ruppiner Heide

Jetzt soll das Bombodrom Naturerbe werden

Zwar ist der Bombenabwurfplatz vom Tisch, aber das Areal der Kyritz-Ruppiner Heide ist noch immer mit Munition belastet. Die Bereinigung kostet rund 220 Millionen Euro. Was danach mit dem Gelände passiert, ist noch unklar. Umweltschützer fordern, dass ein Naturschutzgebiet mit sanftem Tourismus entsteht.

Nach dem Aus für das Bombodrom in Nordbrandenburg wird es nach Einschätzung des verteidigungspolitischen Sprechers der SPD, Rainer Arnold, noch Jahre dauern, bis das munitionsbelastete Gelände für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann.

Der ehemalige sowjetische Truppenübungsplatz sei wegen alter Blindgänger noch gefährlich, sagte Arnold am Freitag dem RBB-Sender Radioeins. Zugleich begrüßte er die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums, nicht weiter um das Gelände bei Wittstock zu kämpfen.

Nach einem 17-jährigen Rechtsstreit mit Anwohnern in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Donnerstag den Verzicht der Bundeswehr auf den Übungsplatz erklärt.

Ein jahrelanges aussichtsloses Fortsetzen der Prozesse wäre auch für die Luftwaffe nicht sinnvoll gewesen. Auf der Suche nach Alternativen müsse sich die Bundeswehr nun auch im Ausland umsehen, forderte Arnold. Es kämen Truppenübungsplätze in Frankreich und Italien sowie in Osteuropa in Betracht.

Bombodrom soll Naturschutzgebiet werden

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert, die Kyritz-Ruppiner Heide in das Nationale Naturerbe aufzunehmen. Die bedeutende Naturfläche müsse unentgeltlich an die Länder oder Naturschutzstiftungen übertragen werden, um dort eine Kombination von Naturschutz mit sanftem Tourismus und einer schonenden wirtschaftlichen Nutzung zu ermöglichen, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch am Freitag.

Der Verzicht auf eine militärische Nutzung des 142 Quadratkilometer großen Areals dürfe nicht den Ausverkauf an „meistbietend“ durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Folge haben, warnte Resch.

Auch angesichts der Munitionsbelastungen des Gebietes biete eine Aufnahme in das Nationale Naturerbe die einzig tragfähige Zukunftsperspektive. Auf dem früheren sowjetischen Truppenübungsplatz gibt es den Angaben zufolge die selten vorkommenden „Atlantischen Heiden“. Zudem wurden immer wieder Wölfe gesichtet.

Unterdessen werden die Forderungen an die Bundeswehr zur Entsorgung alter Munition auf dem Areal lauter. Die im Bundeshaushalt für die Altlasten-Beräumung in der Kyritz-Ruppiner Heide vorgesehenen Mittel in Höhe von 220 Millionen Euro müssten sofort freigegeben werden, forderte die brandenburgische Bundestagsabgeordnete der Linken, Kirsten Tackmann, in Berlin.

Die Bundeswehr dürfe den Platz nicht 17 Jahre lang blockieren und sich nun als Eigentümerin der Verantwortung entziehen, erklärte Tackmann. Zwar sei der Verzicht auf den Luft-Boden-Schießplatz, den Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Donnerstag bekannt gegeben hat, ein „historischer Sieg“. Wirklich gewonnen habe die Region jedoch erst, wenn sie über das Gelände auch sinnvoll verfügen könne.