Neuer Wege-Streit

Nun ist auch der Uferweg am Groß Glienicker See zu

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A. Maschewski und S. Rosig

Erst sperrten Anlieger am Griebnitzsee in Potsdam die Uferwege über ihre Grundstücke, nun haben Eigentümer von Grundstücken am Groß Glienicker See nachgezogen. Ein neuer Uferweg-Streit ist entbrannt. Eine Lösung könnte Jahre auf sich warten lassen.

Nebenan der See, geradeaus ein Zaun, daran ein „Betreten Verboten!“-Schild und dahinter dichte Zweige, die komplett die Sicht versperren. Nein, auch wenn es sich schon wieder nach Uferwegsperrung am Griebnitzsee anhört, er ist es nicht. Diesmal eskaliert der Streit um Wegerecht auf der Südseite des Groß Glienicker Sees, genauer an der kleinen Straße Am Seeblick. Die Grundstücke mit den Hausnummern 3 und 4 sind quasi isoliert.

„Das ist etwa seit zwei Tagen so“, erzählt eine Nachbarin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Des lieben Friedens willen. Zunächst habe nur ein umgestürzter Baum den Pfad versperrt, der einfach nicht weggeräumt worden sei. Nun also das Zweigdickicht plus Zaun. Zwiegespalten sei sie selbst, was dieses Verhalten angehe: „Einerseits nutzen wir den Weg selbst gern, denn man kann sich schneller am See entlang fortbewegen. Andererseits würde auch unser eigenes Grundstück gewinnen, wenn wir den Teil unterhalb des Weges erwerben könnten.“ Denn anders als bei denjenigen, die die Sperrung vorgenommen haben, gehöre dieser nicht zum Grundstück.

Mit Interesse verfolgten die Anwohner die Entwicklung um den Streit am Griebnitzsee, da man hoffe, dass eine einheitliche Lösung geschaffen werde. „Man muss hier allerdings auch bedenken, dass man in Kladow nicht weiterkommt, sprich, eine vollständige Umrundung des Sees ist nicht möglich.“ Außerdem kümmere sich die Stadt überhaupt nicht um die Pflege des Weges, der an manchen Stellen tatsächlich eher einem Trampelpfad gleicht, fast zugewuchert von Brennnesseln und anderen Pflanzen. Kein Vergleich sei das zu der ausgebauten Promenade an der Westseite des Sees, die zum Teil genau auf dem ehemaligen Mauerweg entlangläuft, argumentiert die Anrainerin.

Ärger bei Spaziergängern

Spaziergänger sehen das anders. Auf der anderen Seite der Absperrung ist an diesem Nachmittag Antje Miesel aus Kladow mit ihrem Schäferhund Amy am See unterwegs, wie so oft. Sie macht ihrem Ärger Luft: „Anfangs ging es nur um einen umgestürzten Baum, da hab ich ja noch probiert daran vorbeizukommen.“ Das wäre diesmal kaum machbar. Der Pfad, der zu den Grundstücken mit der Adresse Am Seeblick 1 und 2 gehört, ist zwar theoretisch frei, doch die Anwohner haben ebenfalls ein Warnschild aufgestellt, das ihren Privatbereich kenntlich macht. Die Hecken-Barrikade sieht man nur aus der Ferne. „Hier konnte ich immer so schöne Touren machen, nun muss ich ausweichen“, sagt Antje Miesel, bevor sie auf ihr Rad steigt und umkehrt.

Eine weitere Kladowerin kommt an der kleinen Badestelle mit ihrem Hund vorbei. „Es gibt so viele Berliner, die nicht das Glück haben, ein Haus am Wasser zu besitzen, da kann man das doch nicht so einfach für sich behalten“, findet sie. Die Promenade an der Westseite lobt sie ausdrücklich. „Die ist ideal. So etwas müsste die Stadt um alle Seen herum bauen.“

Stadt hat ein zeitaufwändiges Verfahren gestartet

Doch ganz so einfach ist das nicht. Zwar gibt es seit 1999 einen Bebauungsplan für das Areal, der 2001 vom Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Dort ist auch ausdrücklich ein öffentlicher Uferweg vorgesehen. Doch ähnlich wie am Griebnitzsee hat die Stadt noch nicht den notwendigen Zugriff auf sämtliche Uferstreifen. „Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat uns für den Kauf von 20.000 Quadratmeter Bundesland ein annehmbares Angebot gemacht“, sagt Potsdams Bürgermeister Burkhard Exner. Doch damit ist es nicht getan. Offenbar muss die Verwaltung auf die Ziele des Bebauungsplans, nämlich den öffentlichen Uferweg mit Erholungslandschaft, nachdrücklicher als bisher hinarbeiten. Ganz so sicher über die Rechtslage ist sich Exner seit der Niederlage am Griebnitzsee nicht mehr. Dies gilt besonders für das Recht, den Weg zu betreten. „An einigen Stellen könnte es sein, dass das Betretungsrecht der freien Landschaft laut Landesnaturschutzgesetz so nicht greift“, sagt Exner.

Um erst einmal die Sperren entfernen zu lassen, startet die Stadt ein zeitaufwändiges Verfahren für eine sogenannte „Beseitigungsanordnung“. Zunächst werde der betroffene Anlieger angehört. Um darauf angemessene zu reagieren, hat der Eigentümer eine Frist von vierzehn Tagen. Beseitigt er danach die Sperre nicht freiwillig, ordnet die Kommune dies an. Dagegen sind jedoch Widerspruch und später Klagen vor dem Verwaltungsgericht möglich. „Die gesetzlichen Fristen für dem Widerspruch und die Bearbeitungszeit summieren sich eher auf Jahre als auf Monate“, sagte der Bereichsleiter der Potsdamer Bauaufsicht, Markus Becker, Morgenpost Online.

Grundsätzlich gilt der Bau von Zäunen an diesem Ort aus Sicht der Kommune als rechtswidrig. Er verstoße sowohl gegen geltendes Bau– und Landesnaturschutzrecht.