Potsdamer Oberbürgermeisterwahl

Richstein wirbt Jann Jakobs Stimmen ab

Im September wählt Potsdam einen neuen Oberbürgeremister. Barbara Richstein (CDU) fordert Jann Jakobs heraus und kämpft, als gehe es um den Sieg. Obwohl sie kaum eine Chance hat, ist sie ein Problem für Jakobs.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Zumindest eins vereint sie: Beide sind Hundeliebhaber. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs hat zuhause einen Jack Russell Terrier. Barbara Richstein besitzt sogar gleich zwei von dieser Rasse. Vor einigen Wochen bekam ihr „Felix“ Gesellschaft durch die Hundedame „Gipsy“. Felix ist so wahlkampf-erprobt wie sein Frauchen. Das ist von Jakobs Hund nicht bekannt. Der Amtsinhaber der SPD erhält im Kampf um das Oberbürgermeisteramt dieses Mal also doppelte Konkurrenz von der CDU. Am Wochenende hat der Kreisparteitag die Ex-Justizministerin und Landtagsabgeordnete mit großer Mehrheit als Kandidatin für die Wahl im September nominiert.

Eine frühere Spitzenpolitikerin, die von Falkensee aus für die dauer-schwächelnde CDU in der Landeshauptstadt ins Rennen geht – ob das funktioniert? Die 44-Jährige darf zumindest auf einen größeren Erfolg als Ihre Vorgänger hoffen. Vor acht Jahren holte die Union mit Wieland Niekisch aus Potsdam schlappe 15,5 Prozent. Der Verwaltungsangestellte Jann Jakobs, der nach dem Wechsel von Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) ins Ministerpräsidentenamt erstmals antrat, kam auf 45,2 Prozent, sein PDS-Herausforderer Hans-Jürgen Scharfenberg 31,18 Prozent. Die Stichwahl entschied Jakobs nur knapp für sich.

Barbara Richstein wirkt so motiviert, als sähe sie für sich alle Chancen dieser Welt, Jakobs Stuhl zu erobern. „Potsdam verdient einen Oberbürgermeister aus der politischen Mitte“, sagt sie. Im Streit um die Nutzung des Uferwegs am Griebnitzsee und am Groß Glienicker See müssten tragfähige Lösungen gefunden. Um die Verkehrsprobleme in Potsdam in den Griff zu bekommen, sei ein dritter Havelübergang zu prüfen. Und die Verwaltung, ja, die müsse zuerst auf Vordermann gebracht werden. Als willkürlich hat der Wahl-Potsdamer Günther Jauch die Denkmalverwaltung vor einigen Jahren gerügt. Auch wenn sich seitdem einiges verbessert hat, sieht Richstein dringenden Handlungsbedarf. Sie sagt: „Oberbürgermeister Jann Jakobs hat seine Verwaltung nicht im Griff“.

Als Justizministerin leitete sie von August 2002 bis Oktober 2004 eine große Behörde. Der damalige CDU-Chef Jörg Schönbohm hatte die junge Rechtsanwältin 1999 in den Landtag geholt. Er kannte ihren Vater. Geboren wurde Barbara Richstein in Sindelfingen in Baden-Württemberg. Ihr Abitur machte sie in Tel Aviv, in Bonn studierte sie Jura. Von 1995 bis 1997 war sie als Vorstandsreferentin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin tätig. Ehe sie in die Politik wechselte, war sie Anwältin in Berlin. Richstein verdankt Schönbohm eine politische Blitzkarriere. Kaum im Landtag, bot er ihr den Posten der Justiz- und Europaministerin an. Er sorgte aber auch für ihren ersten Karriereknick: Nach nur etwas mehr als zwei Jahren gab er den Posten Fraktionschefin Beate Blechinger. Auch, weil er von Richstein nicht mehr überzeugt war. Diese stellte sich daraufhin noch mehr hinter Sven Petke, der es mit Schönbohms Wunschnachfolger Ulrich Junghanns aufnehmen wollte. Die derzeitige Vize-Landeschefin erwog bis vorige Woche, auf dem bevorstehenden Parteitag gegen die designierte Landeschefin Saskia Ludwig zu kandidieren. Das lässt sie nun, da ihr ein Verzicht aus der Partei nahegelegt worden sein soll.

Petkes Frau, die Potsdamer CDU-Chefin Katherina Reiche, sagt über Richstein: „Sie ist charismatisch und dynamisch.“ Mit ihrer Natürlichkeit und meist guten Laune kommt sie an. So hat sie ihren Wahlkreis in Falkensee schon zweimal direkt gewonnen. Sogar das SPD-Schwergewicht Innenminister Rainer Speer hatte gegen sie keine Chance. „Wahlkampf macht Spaß“, sagt Barbara Richstein. Ihr schon. Amtsinhaber Jakobs nicht so sehr. Attackiert ihn der Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, fehlt Jakobs die Schlagfertigkeit. Für ihn ist Richsteins Kandidatur ein Problem. Nicht, weil die CDU in Potsdam die Wahl gewinnen könnte, sondern weil die prominente Unionsfrau zusätzliche Stimmen abziehen wird. Jakobs kann nur hoffen, dass Scharfenberg durch seine erst jetzt so richtig bekannt gewordenen Stasi-Spitzel-Vergangenheit an Zustimmung verliert. Scharfenberg wird im Juni aller Voraussicht nach von der Linken nominiert. Auch die CDU-Herausforderin verspricht, „eine Oberbürgermeisterin für alle sein zu wollen“ – für die Potsdamer in den Plattenbaugebieten wie in der Berliner Vorstadt. Auf alle Fälle wird sie Farbe in den Wahlkampf bringen. Die Cabriofahrerin und Marathonläuferin liebt die Stadt, in der sie seit elf Jahren arbeitet. Und auch ihr Hund Felix wird sich freuen, wenn er sein Körbchen im Landtag in diesem Sommer häufiger verlassen darf. Politisch ist er schon länger tätig: Auf Richsteins Internetseite hat Felix einen eigenen Blog .