Design Outlet

Was das Brandenburger Modedorf zu bieten hat

Das neue Designer Outlet an der B5 ist eröffnet - und die Menschen strömen in das künstliche Dorf. Wühltische sucht man dort vergeblich. Dafür gibt es hochwertig ausgestattete Boutiquen, die sich nur im Preis von den "regulären" unterscheiden.

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Fr, 19.06.2009, 19.36 Uhr

Tolle Schnäppchen im Designer Outlet

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Die Besucher konnten es am Donnerstag kaum erwarten das neue Markendorf hinter der westlichen Berliner Stadtgrenze zu entdecken. Lange Schlangen bildeten sich vor den Absperrungen. Doch bevor die Schnäppchenjagd beginnen konnte, stand zunächst die feierliche Eröffnungszeremonie auf dem Programm. Unter den geladenen Gästen waren auch Ministerpräsident Matthias Platzeck und Topmodel Franziska Knuppe. Platzeck zeigte sich optimistisch, dass das Shopping-Dorf mit derzeit 40 Läden zu einem langfristigen Erfolg wird. "Billige Ware in billigem Ambiente wollen die Leute heute nicht mehr. Qualität spielt beim Einkaufen eine große Rolle", hob der Ministerpräsident hervor. In seiner Ansprache erinnerte Platzeck an den Architekten des Centrums, den Potsdamer Moritz Kock. Dieser saß in der Unglücksmaschine der Air France, die am Pfingstmontag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über den Atlantik abgestürzt war.

Keine Spur von Neonlicht und Wühltisch

Mit einem mächtigen Tusch wurde schließlich das rote Eröffnungsband durchtrennt und die Suche nach Markenware zum "Discounterpreis" konnte beginnen. Die 1500 Besucher strömten durch das mächtige Dorf-Tor zu den pittoresken Gebäuden, in denen die 40 Shops untergebracht sind. Denn das Gelände ist einer brandenburgischen Gemeinde um 1835 nachempfunden. Und das Fachwerk und die Giebelchen in zarten Pastelltönen gehalten, kamen bei den Besuchern gut an.

"Schön ist es geworden", sagte eine Frau begeistert zu ihrem Begleiter. "Erinnert mich an die Shopping-Malls in Florida." Neonlichtdurchflutete Räume und Wühltische sucht man vergebens auf dem Gelände. Modefirmen wie Strenesse, René Lezard, Calvin Klein, die alle im "Village" mit ihren Restposten und Überproduktionen vertreten sind, gestalteten ihre Outlet-Stores konzeptionell nach Firmenimage. Mal mit dunklem Holz und überdimensionierten stylischen Schwarz-Weiß Modefotografien an den Wänden wie bei Strenesse oder mit Retro-Interieur wie bei Tommy Hilfiger. Es ist kaum ein Unterschied zu den "regulären" Geschäften zu erkennen.

Ein Schnäppchen für 269,90 Euro

Aber doch bei den Preisen. Bis zu 70 Prozent, mindestens doch 30 Prozent ist die Ware reduziert. Beispielsweise ein Damenblazer von René Lezard kostet dann zwar immer noch 269, 90 Euro - original wären es aber 419 Euro gewesen. "Die Leute, die ohnehin zu Markenware greifen, werden hier einkaufen gehen und Schnäppchen machen können", sagte eine Besucherin. "Die Preise sind doch ganz schön gesalzen." Dabei sieht es das Konzept der Investoren vor, gerade die Menschen anzusprechen, die sonst weniger zu Markenware greifen.

Besonders gut besucht am Eröffnungstag waren die Geschäfte nicht ganz so hochpreisiger Marken wie "Hallhuber", "Mexx"oder "Mango". Aus den angebotenen Restbeständen könnte man sich problemlos eine neue Sommergarderobe zulegen: Seidentops, Capri-Hosen, T-Shirts - alles lag zur Eröffnung bereit zum reduzierten Preis. "Selbst wenn mir die Farbe von einem Oberteil nicht hundertprotzentig zusagt, dann kaufe ich es doch", sagt eine junge Frau. "Der Preis ist zu verlockend." 20 Euro lassen sich hier pro T-Shirt durchaus sparen, 39 statt 59 Euro stehen auf dem Preisschild.

Auch die Verkäuferinnen des Porzellanherstellers "Villeroy & Boch" kamen mit dem Einpacken der Ware kaum hinterher: Beispielsweise ein Frühstücksteller "1. Wahl" aus der gängigen Kollektion "Wildberries" war zum Outlet-Preis von 20 Euro zu haben. Der reguläre Preis liegt bei 29 Euro.

100 Millionen Euro ließen sich die Investoren von den beiden britischen Unternehmen Henderson Global Investors und McArthurGlen das Einkaufszentrum bisher kosten. Bald beginnt der zweite Bauabschnitt mit weiteren 40 Läden. Ob das Konzept in Brandenburg tatsächlich aufgeht, lässt sich noch nicht sagen. Am Donnerstag jedenfalls verließen viele Menschen mit gut gefüllten Einkaufstüten das Gelände. "Wer schlecht kauft, kauft zweimal", so eine Besucherin. Diesen Satz hat man an diesem Tag an so mancher Ecke gehört.

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