Großflughafen

Lufthansa will am BBI langsam wachsen

Richtfest am neuen Hauptstadtflughafen BBI. Bau und Finanzen sind im Plan, versichert Berlins Regierender Bürgermeister bei der Gelegenheit noch einmal. Für die Lufthansa gab es wieder einmal Kritik. Chef Wolfgang Mayrhuber schloss aber eine Ausweitung der Lufthansa-Verbindungen ab BBI nicht mehr aus.

Der Großflughafenbau hat eine weitere große Hürde genommen. Am Freitag konnte pünktlich Richtfest für das Terminal des künftigen Willy-Brandt-Flughafens in Schönefeld gefeiert werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) fehlte allerdings. Die Debatten und Beschlüsse zu den Milliardenhilfen für Griechenland hatten ihn in Berlin festgehalten.

In Schönefeld musste ohne ihn Richtfest für das länderübergreifende Zukunftsprojekt Berlin Brandenburg International – kurz BBI – gefeiert werden. Das tat dem Fest, zu dem 2000 Gäste angereist waren, keinen Abbruch. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) waren ohnehin bester Laune. Und auch Flughafenchef Rainer Schwarz schien besonders entspannt.

„Ich bin voller Stolz, es ist viel passiert“, sagte Wowereit. „Wir sind einen weiten Weg gegangen. Der war erfolgreich und wird bis zur Eröffnung des dann neuen Willy-Brandt-Flughafens am 30. Oktober nächsten Jahres auch erfolgreich bleiben.“ Als kein Applaus kommt: „Ja, da kann man ruhig klatschen. Es gab wohl zu wenig Sekt, was?" Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck begrüßte Wowereit als Regierenden Bürgermeister der größten märkischen Stadt und hatte die Lacher auf seiner Seite. Die Stimmung war gelöst. Vor dem Hintergrund des äußerst engen und durch den strengen Winter ausgereizten Zeitplans konnten Wowereit, Platzeck, Schwarz und besonders der für den BBI-Bau zuständige Geschäftsführer Manfred Körtgen in der Tat zufrieden sein. Wowereit betonte im Zeit- und Kostenplan zu sein.

"Nationalgalerie" von Schönefeld

1996 war die Standortentscheidung mit dem Konsensbeschluss der drei Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und dem Bund gefallen. Bis der BBI-Bau nach langwierigen und letztlich gescheiterten Privatisierungsversuchen endlich beginnen sollte, vergingen noch zehn Jahre. Der erste Spatenstich für den BBI erfolgte im September 2006, für das Terminal. im Juli 2008.

Nun ist das riesige Gebäude im Rohbau fertig und gibt dem künftigen Single-Airport der Hauptstadtregion längst ein Gesicht: Modern, harmonisch und einer Metropole angemessen. Nur noch ein vereinzelter blühender Obstbaum erinnert an das Dorf Diepensee, das Ende 2004 für den Flughafenbau abgerissen werden musste. Vor der Kulisse des kompakten und dennoch eleganten Terminals aus Glas und Stahl wirken die letzten noch bestehenden Plattenbauten am Infotower wie aus einer längst vergangenen, muffigen Zeit. Wowereit verglich das Terminal beim Richtfest nicht zu Unrecht mit der Neuen Nationalgalerie. Flughafenarchitekt Meinhard von Gerkan, der mit seinem Büro gmp und den J.S.K. International Architekten für den Terminalbau verantwortlich ist, gefiel der Vergleich. „Daran habe ich auch schon gedacht“, sagte Gerkan Morgenpost Online. Enttäuscht allerdings war der weltbekannte Architekt, dass er von der Flughafengesellschaft nicht auf die Tribüne gebeten worden war, um selbst etwas zu „seinem“ Terminal zu sagen.

Leichte Kritik, wenn auch scherzend verpackt, musste auch Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber von Wowereit und Platzeck einstecken. Mayrhuber, der extra zum Richtfest angereist war, wurde von Wowereit aufgefordert, doch „jetzt die Chance zu ergreifen“ und so wie Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Vortag neue Strecken für Berlin anzukündigen. Auch Platzeck forderte die Lufthansa auf, ihre Liebe für ihre Drehkreuze Frankfurt und München doch endlich auch auf Berlin auszudehnen.

Lufthansa baut Hangar am BBI

Der Lufthansa-Chef hatte in der Vergangenheit, zuletzt im Januar, die Einrichtung von Langstreckenverbindungen in Berlin vorerst ausgeschlossen, weil es nicht genug Passagieraufkommen in der Region gebe. Gegenüber Morgenpost Online sagte Mayrhuber, man werde sich „Schritt für Schritt“ in Berlin engagieren. „Wir sind ja erst seit 20 Jahren wieder hier und haben in Berlin keine Poleposition.“ Die Einrichtung einer Langstrecke sei kein Thema für eine oder zwei Saisons. „Wir wollen profitabel wachsen.“ Der BBI sei dafür eine Grundvoraussetzung. Sukzessive werde man Ziele in Europa, Nordamerika und Asien ins Visier nehmen.

Lufthansa wird am künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld voraussichtlich auch einen Wartungshangar bauen. Als Standort sind Flächen im Westen des BBI vorgesehen, dort, wo bereits Air Berlin den Bau eines millionenschweren Hangars angekündigt hat. Vonseiten der Lufthansa hieß es am Freitag hierzu, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, man sei aber auf einem guten Weg.

Berlins Regierender Bürgermeister sagte, Berlin werde mit dem neuen Flughafen „eine bessere Anbindung an die Metropolen der Welt“ bekommen. Flughafenchef Rainer Schwarz rechnet damit, dass der BBI die neue Ost-West-Drehscheibe im Herzen Europas mit Umsteigemöglichkeiten in die ganze Welt wird. „Der neue Airport ist von Moskau und Asien aus eine Stunde schneller zu erreichen als die beiden deutschen Drehkreuze in München und Frankfurt“, sagte Ministerpräsident Platzeck.

Im Anschluss an das Richtfest beginnen nun die Innenausbauten. Über zwei Etagen wird bereits seit Februar die Gepäckförderanlage installiert. Ab Mai nächsten Jahres beginnt der Probelauf mit 10.000 Komparsen, damit zur geplanten BBI-Eröffnung Ende Oktober nächsten Jahres die Passagierabfertigung reibungslos funktioniert.