Brandenburg

Ludwig will CDU wieder an die Regierung führen

In der Brandenburger CDU vollzieht sich ein Generationenwechsel. Saskia Ludwig ist vom Vorstand als Nachfolgerin von Parteichefin Johanna Wanka designiert worden. Die 41-Jährige hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie will die Christdemokraten zur stärksten Kraft im Land machen. Morgenpost Online sprach mit Ludwig, die in wenigen Tagen ihr erstes Kind erwartet.

Foto: ZB / ZB/DPA

Brandenburgs CDU-Landesvorstand hat die 41-jährige Saskia Ludwig als Nachfolgerin von Parteichefin Johanna Wanka offiziell nominiert, die als Wissenschaftsministerin nach Niedersachsen gewechselt ist. Mit der designierten Landesvorsitzenden sprach Gudrun Mallwitz.

Morgenpost Online: Frau Ludwig, befürchten Sie nicht, an Ihrer künftigen Aufgabe zu scheitern? Immerhin hat die chronisch zerstrittene Union vor Johanna Wanka bereits acht Vorsitzende verschlissen….

Saskia Ludwig: Was hier passiert, ist ein völlig normaler Prozess innerhalb einer Partei, und die letzten anderthalb Jahre war die CDU weiß Gott nicht zerstritten. Johanna Wanka geht nicht im Streit, sondern nach getaner Arbeit. Das ist auch ein Grund, weshalb sie als erste Ministerin aus den neuen Bundesländern in einem nicht unbedeutenden westdeutschen Bundesland berufen wurde. Und Jörg Schönbohm hat die Partei immerhin neun gute Jahre geführt.

Morgenpost Online: Die frühere Justizministerin Barbara Richstein hat sich ihre Kandidatur aber offen gehalten. Deutet sich nicht wieder ein Machtkampf an?

Saskia Ludwig: Unsere Landesvorsitzende Wanka hat zu Recht festgestellt, dass jeder für den Landesvorsitz kandidieren kann. Was bei den Grünen zum guten Ton gezählt wird, ist bei uns angeblich ein Machtkampf. Demokratie lebt vom Wettbewerb, und ich bin ein Fan von Wettbewerb in jeder Hinsicht.

Morgenpost Online: Weshalb sind Sie gegen eine Doppelspitze? Sie führen die Fraktion, Barbara Richstein die Partei…

Saskia Ludwig: Die 60-jährige Erfahrung der Parteiendemokratie zeigt, dass gerade in Oppositionszeiten die Führung in einer Hand bleiben sollte. Was die Arbeit betrifft, so sind da noch Stellvertreter, ein Generalsekretär, der gesamte Landesvorstand und die komplette Partei.

Morgenpost Online: Ihre mögliche Konkurrentin argumentiert auch damit, dass Saskia Ludwig für den wirtschaftsliberalen Flügel steht. Nach Schönbohms Ausscheiden sei der konservative nicht genug vertreten. Wo sehen Sie sich?

Saskia Ludwig: Ich freue mich sehr, dass wir endlich wieder anfangen, über konservative Werte zu diskutieren…

Morgenpost Online: Immerhin haben Sie mit drei anderen Länder-Fraktionschefs eine konservativere Ausrichtung der Bundes-CDU unter Angela Merkel angemahnt.

Saskia Ludwig: Ja, ich bin Mitglied des konservativen Kreises auf Bundesebene. Die dort angemahnte Wertediskussion möchte ich auch in Brandenburg führen. Dazu gehört es, Antworten zu finden, was außer unserem Wohlstand unsere Gesellschaft auf Dauer zusammenhält.

Morgenpost Online: Der SPD-Generalsekretär Klaus Ness nennt Sie neoliberal.

Saskia Ludwig: Ich bin genauso neoliberal wie der Vater der sozialen Marktwirtschaft, Ludwig Erhard.

Morgenpost Online: Sie gelten als wenig diplomatisch, als Hardlinerin, die nicht von ihren Überzeugungen abgehen will. Wie wollen Sie da die ganze Partei nach außen vertreten?

Saskia Ludwig: Leider wird in der Politik Diplomatie mit Moderation verwechselt. Deshalb verschwimmen die parteipolitischen Unterschiede immer mehr. Moderatoren haben wir genug. Um eine große Volkspartei nach außen zu vertreten, müssen wir uns mit einem Kernprofil inhaltlich aufstellen und dies jeweils mit entsprechenden Persönlichkeiten sichtbar machen.

Morgenpost Online: Mit Ihnen an der Spitze vollzieht sich ein Generationswechsel. Ein Neubeginn für die CDU?

Saskia Ludwig: Das ist ein fließender Prozess. Die Stunde Null gibt es nicht. Es wird aber längerfristig Veränderungen geben, die der CDU Brandenburg ein jüngeres, weiblicheres und vor allem leistungsfähiges Erscheinungsbild geben.

Morgenpost Online: Sie gehörten auch zu den Unterzeichnern eines Papiers, das ein klareres Profil forderte – notfalls auf Kosten der Regierungsbeteiligung. Nun ist die CDU in der Opposition. Welche Kraft kann sie daraus schöpfen?

Saskia Ludwig: Wir können die Dinge mit der notwendigen Eigenständigkeit analysieren. Opposition ist ein Wesensmerkmal der Demokratie, das Brandenburg in den vergangenen zehn Jahren nicht hatte. Die Linke hat sich permanent wohlgefällig verhalten, weil sie unbedingt mitregieren wollte. Die Union wird die Opposition intensiv nutzen, um deutlich zu machen, warum es für das Land besser ist, wenn die Brandenburger bei der nächsten Wahl ihr Kreuz bei der CDU machen.

Morgenpost Online: Weshalb kommt die Union nicht aus dem 20-Prozent-Loch heraus?

Saskia Ludwig: Wir haben es versäumt, die dringend notwendige Wertediskussion schon früher zu führen. Wir brauchen wieder ein klares Profil. Ein Punkt ist sicher auch, dass die CDU viel zu lange mit sich selbst beschäftigt war. Vor allem müssen wir uns fragen, warum immer mehr Brandenburger zu Nichtwählern geworden sind.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Ziel?

Saskia Ludwig: Wir wollen langfristig stärkste Kraft in unserem Land werden. Und 2014 ist dabei eine erste Zwischenetappe.

Morgenpost Online: Können Sie sich eine erneute Koalition mit der SPD vorstellen?

Saskia Ludwig: Mit dieser SPD momentan nicht. Sie mutiert in den letzen Monaten zur besseren Linken und verabschiedet sich von sozialdemokratischen Grundsätzen. Wir werden genau beobachten, in welche Richtung sich die SPD von Matthias Platzeck entwickelt.

Morgenpost Online: Für eine „Jamaika“-Regierung mit Grünen und FDP dürfte es nicht reichen. Kämen die Grünen überhaupt in Frage?

Saskia Ludwig: Fraktionschef Axel Vogel und seine Grünen leisten gute Arbeit. Ihre Kritik an der Neuverschuldung zeigt, dass wir hier gleicher Auffassung sind. Entgegen aller Ankündigungen wurde die gemeinsame konstruktive Oppositionsarbeit bisher von Rot-Rot abgeschmettert.

Morgenpost Online: Womit wollen Sie den Wähler künftig überzeugen?

Saskia Ludwig: Mit klaren Vorstellungen und Werten. Eine selbstbestimmte Zukunft in Freiheit ist nur möglich mit einem Staat, der sich nicht immer weiter wie eine Krake in das Privatleben des Einzelnen einmischt. Der Staat muss sich auf seine Kernaufgaben besinnen.

Morgenpost Online: In der SPD wächst der Druck auf Matthias Platzeck, den erneuten Anlauf zu einer Fusion mit Berlin zumindest vorzubereiten. Muss dafür ein Fahrplan vorgelegt werden?

Saskia Ludwig: Für den gemeinsamen Wirtschaftsraum wäre ein Fusions-Fahrplan dringend notwendig. Der Finanzminister von Herrn Platzeck baut derzeit den Landtag in Potsdam für ein gemeinsames Parlament für Berlin und Brandenburg. Deshalb ist es schizophren, dass Platzeck eine Fusion für nicht vertretbar hält. Er muss sich entscheiden und dem Bürger erklären, warum er zusätzlich Millionen von Euro ausgibt für Räume, die seiner Ansicht nach nicht gebraucht werden.

Morgenpost Online: Sie bekommen in den nächsten Tagen Ihr erstes Kind. Wollen Sie nur bis zum Parteitag am 26. Juni in die Babypause gehen?

Saskia Ludwig: Mit einem Laptop im Krankenhaus werden Sie mich nicht vorfinden. Ich werde solange bei unserem Jungen zu Hause bleiben, wie es nötig sein wird. Die Familie wird uns unterstützen. Beide Großelternpaare freuen sich schon sehr auf die Zeit mit ihrem Enkel. Mein Mann und ich müssen aufpassen, dass wir bei der Betreuung des Kleinen nicht zu kurz kommen.