Neonazis

SS-Veteran spricht vor 80 Rechtextremen

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Axel Lier

In Wietstock bei Ludwigsfelde haben sich am Wochenende Rechtsextremisten aus Berlin und Brandenburg getroffen. Die Polizei war über das Treffen informiert. Sie sah keinen Grund zum Eingreifen, da es sich ihrer Ansicht nach um eine Privatveranstaltung handelte.

Rechtsextremisten aus Berlin und Brandenburg haben sich am Sonnabendnachmittag in der Nähe von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) getroffen, um sich den Vortrag eines ehemaligen Angehörigen der SS anzuhören. Das berichtet eine Antifa-Initiative aus der Region. Außerdem sollte während der Veranstaltung ein Buch über angebliche Hintergründe der Anschläge auf Ausländer in den 90er-Jahren präsentiert werden. Etwa 80 Personen hatten sich dazu in einer Gaststätte in dem Ort Wietstock versammelt. Die Polizei wurde über das Treffen informiert, griff aber nicht ein.

„Die Veranstaltung ist nicht öffentlich beworben worden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam. „Dies war eine private Veranstaltung und nicht eine Veranstaltung im Sinne des Versammlungsgesetzes.“ Die Kollegen seien am frühen Abend durch einen anonymen Anrufer auf das Treffen aufmerksam geworden. Man habe die Gaststätte aufgesucht, aber weder die Veranstaltung beendet noch die Personalien der Teilnehmer kontrolliert. Zudem sei es den Polizisten vor Ort nicht aufgefallen, dass es sich eindeutig um ein Treffen von Rechtsextremisten handelt.

Die Antifa aus Teltow-Fläming berichtet hingegen, dass der mutmaßliche Veranstalter, Dirk R., die Teilnehmer zunächst an einen „internen Schleusungspunkt“ nach Blankenfelde geführt habe und von dort nach Wietstock leitete. Dieses Verfahren ist in der Szene üblich, um Polizei oder Gegendemonstranten abzuwimmeln. Bei Dirk R. soll es sich um einen sogenannten „Reichsbürger“ und Holocaustleugner handeln, der einschlägig durch Prozesse in Bernau (Barnim) aufgefallen ist. Dort hatte er 2004 vor einer Schule Flugblätter verteilt und darin den Holocaust geleugnet.

Neben den Ausführungen des SS-Veteranen sollte für den Abend auch die Vorstellung eines Buches mit dem Titel „Alles nur getürkt“ geplant gewesen sein, „in dem die ‚Lügen' von Mölln, Solingen und Rostock-Lichtenhagen ‚enttarnt' werden“. In diesen Städten hatten Anfang der 90er-Jahre Übergriffe und Brandanschläge auf Wohnungen von Ausländern und Asylbewerbern stattgefunden, mehrere Menschen starben.

An der Veranstaltung in Wietstock sollen neben sogenannten „Freien Kräften“ auch führende Rechtsextremisten aus der Region, unter ihnen der Landeschef der Berliner NPD, Jörg Hähnel, teilgenommen haben. Der wohnt mit seiner Frau in dem Landkreis.