Planänderung

Warum das Potsdamer Schloss schrumpfen muss

Der Neubau des Brandenburger Landtags in der Kubatur des Stadtschlosses muss kleiner werden als ursprünglich vorgesehen. Das hat sich erst jetzt, nach dem ersten Spatenstich, herausgestellt. Morgenpost Online erklärt, wo der Fehler bei der Planung lag.

„Es kommt nicht immer auf die Länge an“, scherzte die FDP-Stadtverordnete Martina Engel-Fürstenberger. Oberbürgermeister Jann Jakobs schmunzelte: „Ob das so richtig ist, möchte ich jetzt nicht kommentieren.“ Im Potsdamer Stadtparlament herrschte zuletzt eine beinahe frivole Stimmung.

Mit bitterem Ernst verfolgen allerdings viele Bürger die Diskussion um die Verkürzung des Landtagsneubaus. Die Potsdamer Stadt- und Landespolitik hatte gerade den ersten Spatenstich gefeiert. Dann wurde öffentlich: Der Neubau in Form des ehemaligen Stadtschlosses könnte an der Südseite 50 Zentimeter kürzer werden, an der Ostseite sogar 90 Zentimeter. Angeblich sei die Baugrube von Anfang an zu klein gewesen. Die bereits verlegte Straße und die Tramtrasse würden dem Prestige-Projekt nun die Seiten stutzen.

Die ganze Wirkung des Schlosses ginge verloren

Viele Potsdamer fragen sich nun, wer die Schuld an der Misere trägt. Oberbürgermeister Jann Jakobs weist alle Verantwortung von sich. „Mit uns war da nichts abgesprochen.“ Die Stadtverordnete Saskia Hüneke fordert, es müsse genau untersucht werden, wann die Planungen in die falsche Richtung gelaufen seien. Zudem gehe es um mehr als ein paar Zentimeter. Die vielen kleinen Anpassungen, die bisher für den Landtagsneubau vorgenommen worden seien, summierten sich an der Westseite bereits auf 1,80 Meter. Säulengänge verlören sich im Raum, die ganze Wirkung des Schlosses und seine Beziehung zur Umgebung stehe auf dem Spiel. Denn auf dem Alten Markt sollen nach dem Willen der Stadt und vieler Bürger noch mehrere Bauten rekonstruiert werden.

Jakobs hatte nach dem Spatenstich schon auf eitel Freude und Sonnenschein gehofft. Nach langem Ringen hatte er 2007 einen Bebauungsplan durch die Stadtverordnetenversammlung gebracht und dabei Mitglieder der Linken-Fraktion gewinnen können. Doch bei allen politischen Winkelzügen auf beiden Seiten ist den Beteiligten das rechte Maß abhanden gekommen.

Zu leicht kann man auch durcheinander kommen. Denn vom Potsdamer Stadtschloss, in seiner endgültigen Gestalt 1753 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff fertiggestellt, existieren zehn verschiedene Grundrisse. Sie stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und unterschiedlichen Messverfahren mit zum Teil alten Maßeinheiten.

Auf die Frage, welche Ausmaße der preußische Königssitz denn hatte, gab es vor kurzem eine erstaunliche Antwort: „Wir wissen es nicht genau“, musste Wolfgang Bösche noch vor einer Woche zugeben. Seit einem Jahr leitet er im Finanzministerium die Planungen. Er und die beratende Firma Pro Denkmal hatten die Stauchung des neuen Landtags selbst bestätigt. Bösche musste danach einen Sturm der Entrüstung ertragen, auf seinem Schreibtisch die zehn Grundrisse des ehemaligen Stadtschlosses.

Jetzt wurde der Grund für die Messunterschiede gefunden

Jetzt habe er den Fehler gefunden, sagt er. Während das Land für den Parlamentsneubau nach dem Grundriss der ausgegrabenen Grundmauern plante, hatte Pro Denkmal das Schloss anhand von Fotos vermessen, um einen Teil der Fassade zu rekonstruieren. Letzteres Verfahren sei aber immer ungenau, so Bösche. Die Pro Denkmal hätte das eigentlich wissen sollen. Anstatt die Abweichung intern zu klären, posaunte sie die Messfehler auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung aus.

Seit Jahren streitet man sich um den Bau und wie historisch er aussehen soll. 2005 beschloss der Landtag, ein neues Parlament auf dem Gelände des ehemaligen Stadtschlosses und „in seinen Um- und Aufrissen“ zu bauen. Seitdem kämpfen engagierte Potsdamer für eine größtmögliche Rekonstruktion. Durch eine Millionen-Spende des Software-Milliardärs Hasso Plattner im Jahr 2008 wurde eine Wiederherstellung der historischen Stadtschloss-Fassade möglich. „Als diese Spende kam, musste alles schnell gehen“, erklärt Hans-Joachim Kuke, Architekt des Stadtschloss-Verein die Verwirrung. Die Planer des Landes stünden unter erheblichem Zeitdruck. Mit größerer Transparenz hätte man diesen Fehler vielleicht vermeiden können.

Chefplaner Bösche versucht die Abweichungen nun klein zu reden. Es seien nur 20-50 Zentimeter. An der entscheidenden Südwestecke, wo die Tramgleise angeblich das Schloss verkürzen würden, könnte der Landtag sogar zehn Zentimeter länger werden. Insgesamt seien diese Größenordnungen aber zu vernachlässigen.

Im Stadthaus hatte Oberbürgermeister Jakobs noch gewarnt, man solle nicht dazu beitragen, dass ganz Deutschland den Kopf schüttle über die kleinlichen Diskussionen in Potsdam. Seine Mahnung kam wohl zu spät.