Stadtschloss

Nun beginnt Potsdams Herz zu schlagen

Die Arbeiten für den Bau des Potsdamer Stadtschlosses haben begonnen. Doch auch wenn jetzt der Spatenstich für das 120 Millionen Euro teure Projekt gefeiert wurde - der Streit um den Neubau ist damit nicht beendet.

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Die Sprüche widerspiegeln den jahrzehntelangen Zwist: "Guten Tag Herr von Knobelsdorff", heißt es auf einem kleinen Schild. Auf einem Plakat hingegen steht: "Freiräume statt Schlossträume." Dazu skandieren Jugendliche lautstark: "Nie wieder Preußen." Es ist Donnerstagmorgen.

In der Potsdamer Innenstadt haben sich mehrere Hundert Menschen versammelt. Auf dem Alten Markt, direkt vor der prächtigen Nikolaikirche, beginnt mit dem ersten Spatenstich der Bau eines noch prächtigeren Gebäudes: Für 120 Millionen Euro entsteht dort das neue Brandenburger Parlament - in den Umrissen und mit der Fassade des früheren Stadtschlosses.

Das Schloss stand einst an gleicher Stelle - im Krieg stark beschädigt, wurde es 1959/1960 gesprengt. Jahrelang kämpften Initiativen für den Wiederaufbau. Die originalgetreue Wiederherstellung konnten sie nicht durchsetzen. Einige Potsdamer sagen aber: Immerhin gibt es eine deutliche Annäherung an den einstigen Knobelsdorff-Bau.

"Verkorkste Kopie des Originals"

Anderen geht das nicht weit genug. Die Bürgerinitiative "Mitteschön" kritisiert unter anderem, dass der Innenhof wegen des Raumbedarfs für den Plenarsaal kleiner ausfallen wird als beim Original. "Es droht ein Bau mit schrecklich aufgeblähten Haupt- und Seitenflügeln: Eine verkorkste Kopie des Originals, passend vielleicht in einen Themenpark von Disneyland, sicher aber nicht in die Mitte Potsdams", sagt eine Sprecherin.

Wieder andere, vor allem junge Leute, sind grundsätzlich gegen irgendwelche Schlosspläne. Sie kämpfen nach der Schließung mehrerer Jugendklubs für neue "Freiräume" und verlangen entsprechende Investitionen.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) indes betont: "Potsdams Herz beginnt wieder zu schlagen." Der Bau soll die Initialzündung sein für die Wiederherstellung der Mitte. Ein Leitbautenkonzept sieht unter anderem auch den Wiederaufbau das Palais Barberini vor.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) stellt sich vor, dass Besucher des Alten Marktes später vielleicht sagen werden: "Das ist der schönste Platz Europas." Heftige Debatten habe es gegeben um die Potsdamer Mitte. Streit sei ja auch manchmal nötig, um gute Ergebnisse zu erreichen. Dabei müsse jedoch "maßgehalten" werden, mahnt der Regierungschef. Peter Kulka, der Architekt für den Landtag, sei alles andere als ein "Barbar", wie es ihm schon vorgeworfen worden sei.

Platzeck fügt hinzu, Bürger und Parlament würden sich künftig auf Augenhöhe begegnen. Das gelte auch für Demonstranten, die ihre Forderungen bald nicht mehr nach oben rufen müssten. Bislang ist der Landtag in einem maroden Gebäude auf dem Brauhausberg untergebracht. Demonstrationen werden aus Platzgründen nur unterhalb des Berges zugelassen.

Parlamentspräsident Gunter Fritsch (SPD) sagt, in Potsdam werde eine Narbe heilen. Die Stadt bekomme ihre Mitte zurück. Und die Fassade sei dank einer 20-Millionen-Euro-Spende von Software-Milliardär Hasso Plattner "gelungen". Plattner hatte nach ersten modernen Entwürfen für den Landtag und massiven Protesten dagegen mit seiner Spende bewirkt, dass Pläne für die weitgehende Annäherung an die frühere Schlossfassade entworfen wurden. Fritsch geht davon aus, dass das Schloss später genauso gut angenommen wird wie der Reichstag in Berlin.

Finanzminister Helmuth Markov (Linke) bringt gar den Vergleich zum Pariser Eiffelturm: Auch der sei einst umstritten gewesen, heute jedoch sei er das weltweit berühmte Wahrzeichen der Stadt. Der Vorstandsvorsitzende der BAM Deutschland AG, Alexander Naujoks, spricht von einem der spannendsten Bauprojekte in Deutschland. Die BAM wird den Landtag bis Ende 2012 errichten und dann 30 Jahre betreiben. Man darf gespannt sein, wie die Potsdamer und deren Gäste das Landtagsschloss dann betrachten.

Das Potsdamer Stadtschloss war einst das Herzstück der Residenzstadt mit seinen berühmten Schlössern, Gärten und Parks. Zwischen 1744 und 1753 erhielt es nach Plänen von Hans Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753) seine endgültige äußere Gestalt. Die Innenräume gehörten neben dem Schloss Sanssouci in Potsdam und dem Berliner Schloss Charlottenburg zu den Höhepunkten des friderizianischen Rokoko.