Groß Glienicker See

Uferstreit - Zwei Verletzte bei Demonstration

Die Auseinandersetzung um den öffentlichen Zugang zum Uferweg des Groß Glienicker Sees verschärft sich weiter. Am Montagabend kam es zu Tätlichkeiten zwischen Demonstranten und Sicherheitsleuten.

Handfestes Gerangel, verbale Attacken, fliegende Erdklumpen, sogar Schläge mit Holzlatten gegen Sicherheitsleute soll es gegeben haben. Der Streit um die Öffnung des Uferweges Groß Glienicke hat seit Ostermontag eine neue Qualität. Als „Ostermarsch“ hatte die neu gegründete Bürgerinitiative „Freies Ufer am Groß Glienicker See“ ihre Auftakt-Demonstration angekündigt. Es wurde ein Aufmarsch von rund 300 Menschen gegen die Grundstücke der Anlieger, die vor einer Woche den Uferweg zugemacht hatten. Nun sind mehrere Anzeigen anhängig – gegen einen Sicherheitsmann sowie mehrere Demonstranten, vielleicht gegen hohe Bedienstete der Stadt. Zwei Menschen sollen bei der Rangelei verletzt worden sein.

„Dass es solche Ausmaße annimmt, konnte man nicht ahnen“, sagt Andreas Menzel am Tag danach. Er hatte als Potsdamer Stadtverordneter und Ortsbeiratsmitglied in Groß Glienicke zu der Demonstration aufgerufen. Bei den angekündigten regelmäßigen Montagsdemos sollen nun mehr Ordnungskräfte dabei sein, die die Leute beruhigen. „Die Groß Glienicker sind stinksauer“, sagt Menzel.

Der Anwalt der Anlieger, Christoph Partsch, sieht im Vorgehen der Organisatoren mögliche Straftatbestände und klagt auch Stadtbedienstete an. „Menzel und Burkhard Exner (Bürgermeister in Potsdam, Anm. d. Red.) haben den Mob aktiviert.“ Die Menschenmasse sei dann auf die Grundstücke seiner Mandaten losgelassen worden. Er habe mehrere Strafanzeigen gestellt. Die Polizei sei zu lange untätig geblieben und habe die Rechtsbrüche der Demonstranten geduldet. Dies habe anscheinend Tradition und erinnere an die Zeit „zwischen '33 und '45“.

Die Potsdamer Stadtspitze versuchte am Dienstag, Ruhe in die Situation zu bringen. Nach den Handgreiflichkeiten sollten alle Beteiligten die Nerven bewahren. Trotz der Eskalation erneuerte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sein Gesprächsangebot an alle Seeanlieger. Noch in dieser Woche würden mit vier Eigentümern die Verhandlungen abgeschlossen. Nicht verhandlungsbreite Anlieger würden demnächst Kaufangebote bekommen. Gegen die Ufersperrungen würden aber Bußgelder festgelegt.

Am 30. März hatten erneut mehrere Anlieger ihren Teil der Uferwege aufgerissen und teilweise mit Hecken und Büschen bepflanzt. Auch gestern ließ wieder ein Anwohner den planierten Uferweg entlang seines Grundstückes aufreißen. Die Bürgerinitiative wolle gegen dieses „auffällige soziale Verhalten“ ein Zeichen setzen und so auch Druck auf die Politik ausüben, sagt Andreas Menzel. 120 Mitglieder und Unterstützer gebe es bereits.