Verkehrsverbund

Die Bahn bekommt im Regionalverkehr Konkurrenz

Kampfansage an die Deutsche Bahn: Die landeseigene Hamburger Hochbahn AG bewirbt sich um zahlreiche Regionalbahnstrecken in Berlin und Brandenburg. 60 Prozent der Verbindungen in Berlin, Brandenburg und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns hat der Verkehrsverbund VBB ausgeschrieben.

Foto: ddp

Die landeseigene Hamburger Hochbahn AG will in großem Stil in den Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg einsteigen. Über ihr 2007 gegründetes Tochterunternehmen Benex werden sich die Hamburger an der laufenden Ausschreibung von Regionalbahnstrecken beteiligen, wie Benex-Geschäftsführer Wolfgang Dirksen am Donnerstag bestätigte. Offen ließ er, für welche Teile des Netzes sein Unternehmen Angebote einreichen wird. Man sehe sich aber in der Lage, auch große Strecken zu betreiben.

Eine Kampfansage an den bisherigen Monopolisten, die Deutsche Bahn. Besonders pikant daran: 2005 wollte jene als Mehrheitseigner bei der Hochbahn einsteigen. Die Pläne scheiterten aber am Widerstand der Bundesregierung.

Aus dem Wunschpartner von damals ist ein erfolgreicher Konkurrent geworden. Ende 2010 übernimmt die Hochbahn zwei Netze in Bayern. Über die Benex betreibt sie Linien in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg. Dort ist sie an der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) beteiligt, die kleinere Linien im Osten des Landes bedient.

Jetzt wollen die Hamburger mehr als nur Nebenstrecken. Bei der noch bis zum 24. April laufenden Ausschreibung des Verkehrsverbundes VBB geht es um den Betrieb von 60 Prozent aller Regionalbahnstrecken in Berlin, Brandenburg und Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Das Auftragsvolumen für zehn Jahre liegt bei 1,3 Milliarden Euro.

Hauptkritiker des Verfahrens ist die Deutsche Bahn, denn sie wird ihr Fast-Monopol durch eine besondere Klausel der Ausschreibung verlieren: Die 16 ausgeschriebenen Strecken sind auf vier Vergabelose verteilt. Kein Bieter kann den Zuschlag für alle Lose erhalten, vor allem die beiden lukrativsten Strecken RE1 (Magdeburg–Berlin–Eisenhüttenstadt) und RE2 (Stendal–Berlin–Cottbus) sollen nicht mehr in einer Hand liegen. Seit Wochen machen Bahn-Manager und Mitarbeiter dagegen mobil und sparen nicht mit Kritik an den Konkurrenten. Von einer Diskriminierung der Bahn ist die Rede, von Lohndumping und weniger Komfort.

Die Argumente der Deutschen Bahn seien „scheinheilig und heuchlerisch“, wehrt sich Dirksen. Das Gehaltsniveau bei Benex sei „marktgerecht“ an regionale Gegebenheiten angepasst. Laut Odeg-Chefin Ute Flügge verdient eine neu angestellte Servicekraft in der Lausitz mit Zuschlägen 8,50 Euro pro Stunde, ein Lokführer 1600 Euro monatlich plus Zuschläge.

Die umstrittene Loslimitierung treffe große Mitbewerber ebenso wie die Bahn, so Dirksen. Profitieren werde aber der Kunde. Wenn mehrere Anbieter auf den wichtigen Linien unterwegs seien, werde der Wettbewerb über Pünktlichkeit, Qualität und Service ausgetragen. Ob Benex auch in Brandenburg Angebote wie bei den Erfolgslinien „Metronom“ (Hamburg–Bremen und Hamburg–Hannover) plant, ließ er offen. Dort können Zeitkarten-Besitzer kostenlos ihren Stammsitzplatz reservieren. fal