Regionalverkehr

Havelländer ärgern sich über Ersatzfahrplan der Bahn

Die Pendler auf der Regionalbahnlinie Nauen-Wittenberge sind verärgert: Der Ersatzfahrplan mit Bussen ist zwar auf die Züge nach Berlin abgestimmt, allerdings nicht auf den regionalen Nahverkehr. So wird aus einer zwei- schnell eine vierstündige Fahrt - in überfüllten Bussen und Bahnen.

Foto: Marion Hunger

Lange Wartezeiten, überfüllte Züge, mangelnde Information. Seit fünf Tagen ist die Bahnstrecke zwischen Nauen und Wittenberge auch für den Regionalverkehr gesperrt. Statt Zügen fahren Ersatzbusse: eine Expresslinie ohne Stopp und eine Linie, die an allen Zwischenstationen hält.

Insbesondere für Berufspendler aus dem Havelland bedeutet das nach Ansicht des regionalen Bahnkundenverbandes vor allem eines - Ärger.

Verbandssprecher Hans-Jochen Müller spricht von einem "erheblichen Qualitätsverlust" und fordert die Bahn auf, bei ihrem Bau-Verkehrskonzept nachzubessern. Vor allem müssten die Busfahrpläne optimiert werden. Derzeit müssten Fahrgäste beim Umsteigen in Nauen "extrem lange Wartezeiten" von bis zu 18 Minuten in Kauf nehmen, kritisiert Müller. Zudem seien die Fahrpläne der Ersatzbusse kaum oder gar nicht mit den lokalen Buslinien koordiniert, bemängelt ein erboster Vater aus dem Dorf Haage. Statt zwei Stunden täglich benötige seine Tochter nun bis zu vier Stunden für den Schulweg nach Neustadt/Dosse und zurück.

Ein anderes Problem hat sich seit Dienstag durch eine weitere Baumaßnahme verschärft. Weil in Spandau Schwellen und Schotter erneuert werden, ist bis zum 31. März auch die Linie RB 10 zwischen Nauen und Berlin-Charlottenburg gesperrt. Die Folge: Die verbleibenden Züge der Linien RE 4 und RB 14 halten zwar nun in Brieselang und Finkenkrug, sind aber im Berufsverkehr noch überfüllter als gewöhnlich. Müller fordert, jeweils einen zusätzlichen Waggon an die Züge der RE 4 anzuhängen, um "wenigstens das Sitzplatzangebot zu erhöhen".

Es müsse geklärt werden, ob auf allen Bahnhöfen der Strecke die Bahnsteige für Fünf-Wagen-Züge lang genug seien, sagte ein Bahnsprecher. Auch Verbesserungsvorschläge beim Ersatzbusfahrplan werde man prüfen. Grundsätzlich äußerte die Bahn aber Unverständnis angesichts der harschen Kritik aus dem Havelland. Bislang laufe der Ersatzverkehr "zufriedenstellend". Nennenswerte Beschwerden seien kaum eingegangen.

Fahrgästen aus Nauen stünden auch derzeit immer noch mehrere Regionallinien für die Fahrt nach Berlin zur Verfügung. Die Fahrpläne der Ersatzbusse seien auf die Abfahrtszeiten der Züge abgestimmt. Wie berichtet, werden zwischen Nauen und Wittenberge bis 13. Juni schadhafte Schwellen ausgetauscht. Seit dem 1. März werden auch die ICE-Züge nach Hamburg umgeleitet. Stammkunden im Regionalverkehr, denen der Umstieg auf den Bus zu umständlich ist, können sich ihre Jahres- und Abokarten anteilig erstatten lassen.

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