Zossen

Haus der Demokratie brennt – Ursache unklar

Politischer Hintergrund? In der Nacht zu Sonnabend brannte in Zossen das „Haus der Demokratie". Eröffnet wurde das Haus 2009 von der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht"; es sollte verhindern, dass sich in dem Ort feste Neonazi-Strukturen bilden. Doch auch die Initiative hält sich mit Mutmaßungen im Moment lieber zurück.

Die Ursache für den Brand im „Haus der Demokratie“ in Zossen in der Nacht zum Samstag ist weiter unklar. Die Ermittler fanden heraus, dass das Feuer in einem Abstellraum ausgebrochen war, wie ein Polizeisprecher sagte. Es seien aber weder Reste von Brandbeschleuniger noch andere Beweismittel entdeckt worden, die eine Aussage zur Ursache zuließen. Von einem technischen Defekt bis hin zu einem politischen Motiv sei alles möglich. Spezialisten des Landeskriminalamts hätten Proben vom Brandort genommen, die im Labor ausgewertet werden müssen. Das könne einige Tage dauern.

Das „Haus der Demokratie“ mit einer Nutzfläche von 450 Quadratmetern war bei dem Feuer komplett zerstört worden. Verletzt wurde niemand. Ein Passant hatte den Brand in dem aus DDR-Zeiten stammenden Barackenbau am späten Freitagabend bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Der Sachschaden wird auf etwa 200.000 Euro geschätzt.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ äußerten sich bestürzt. Die Initiative unterstütze die Ermittlungen der Polizei mit Lageplänen und Informationen, sagte Sprecher Jörg Wanke. „Solange kein Ergebnis vorliegt, halten wir uns mit Vermutungen zur Brandursache zurück“, fügte er hinzu.

Wichtig sei jetzt, über Perspektiven nachzudenken. So sei ein für 27. Januar geplantes Gespräch zum Gedenken an die NS-Opfer mit einem ehemaligen Häftling des KZ Sachsenhausen in den Gemeindesaal der Kirchgemeinde verlegt worden.

Die Bürgerinitiative hatte das „Haus der Demokratie“ erst im September 2009 eröffnet. Mit der Einrichtung sollte verhindert werden, dass sich in Zossen feste Neonazi-Strukturen bilden. Die Initiative selbst hatte sich im Januar 2009 gegründet, nachdem Neonazis Ende 2008 eine Gedenkveranstaltung für Zossener Juden gestört hatten. Schon kurz nach der Eröffnung war das „Haus der Demokratie“ verwüstet worden.

„Wir haben den Eindruck gehabt, dass wir die Rechtsextremisten mit unseren Aktionen seit September in die Defensive gedrängt hatten“, sagte Wanke. In den vergangenen Wochen habe es aber wieder kleinere Anschläge etwa auf Briefkästen und eine Scheibe seines Büros gegeben. Die Ermittlungen dazu liefen noch.

Seit September 2009 hatten in dem Haus eine Reihe von Bildungsveranstaltungen stattgefunden, wie der Sprecher sagte. Das sollte systematisch weiterentwickelt werden. Zuletzt wurde eine Dauerausstellung über jüdisches Leben in Zossen gezeigt. Für Sonnabend war ein Arbeitseinsatz im künftigen Cafe des „Hauses der Demokratie“ geplant gewesen.