Bildung

Zu wenig DDR-Geschichte an Brandenburger Schulen

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Die DDR ist seit 20 Jahren Geschichte - im Geschichtsunterricht Brandenburgs scheint sie aber so gut wie gar nicht vorzukommen. In Bayern oder Hamburg wissen Schüler mehr über die deutsche Diktatur. Die Kritik am Lehrplan Brandenburgs nimmt zu.

In der Debatte um das Wissen von Schülern über die DDR gibt es neuen Zündstoff. In einem Brief an Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) und mehrere Landtagsmitglieder gibt die 18-jährige Schülerin Amei Stock aus Woltersdorf an, noch in der Schule nie etwas von der DDR gehört zu haben.

"Den Nationalsozialismus hatten wir jetzt viermal dran, die DDR noch nie." Was sie von der Diktatur östlich des Eisernen Vorhangs wisse, habe die junge, in Hessen geborene Frau ausschließlich von ihrem Vater, einem überzeugten Systemgegner der DDR, erfahren. "In der Schule wird das Unrecht nicht thematisiert. So, als gäbe es keine Stasi und Unterdrückung."

Schuld daran ist aus der Sicht von Amei Stock der Brandenburger Lehrplan. Anstatt das Thema DDR und ihre Unrechtsgeschichte stärker zu berücksichtigen, überlasse man "die politische Bildung lieber dem Kino mit Spaßfilmen wie ,Good Bye, Lenin!' und ,Sonnenallee'", moniert Stock. "Damit fängt eine Geschichtsverklärung an. Und die ist besonders gefährlich bei denen, die kein Abitur machen."

Die Thesen Stocks, deren Vater ein erfolgreicher CDU-Kommunalpolitiker in Woltersdorf ist, nimmt der Minister Ruprecht ernst. Derzeit reist der ehemalige Geschichtslehrer mit Zeitzeugen durch Brandenburger Schulen und diskutiert. Allerdings sieht Rupprecht nicht die Notwendigkeit, die Rahmenlehrpläne zu ändern. Das Thema werde genügend behandelt. Auch Geschichtslehrerin Dagmar Jurat von der Oranienburger Torhorst-Schule findet, dass das Thema DDR im Rahmenlehrplan ausreichend berücksichtigt ist.

"Die DDR wird in der 10. Klasse behandelt und für Gymnasiasten wird das Thema in der 13. Klasse nochmals vertieft." Der 18-jährige Gymnasiast Lars sagt, dass er sich mit der DDR außerordentlich gut auskennt. "Das war ein sozialistisches Land, das seine Bewohner überwacht hat. Es gab aber auch gute Seiten wie sichere Arbeitsplätze", sagt der junge Mann von der Oranienburger Torhorst-Schule. Selbst der Staatschef Erich Honecker ist ihm ein Begriff: "Der stand bis zum Schluss auf der Tribüne, hat gewunken und seine Propaganda gemacht", sagt Lars. "Mein Vater saß wegen Republikflucht im DDR-Gefängnis. Der sagt viel."

Mit seinen Kenntnissen ist Lars offenbar überdurchschnittlich gebildet. Denn laut dem Ergebnis einer Umfrage der FU Berlin wissen Brandenburger Gymnasiasten ansonsten weniger über die DDR als bayerische Hauptschüler. Und auch Lars' Geschichtslehrerin Dagmar Jurat pflichtet der Studie bei. "Die Wissenslücken sind erschreckend. Obwohl das alles durchgenommen wird, bleibt nichts bei den Schülern hängen", sagt Jurat und verweist auf das Ergebnis eigener Tests.