Prozessbeginn

Neonazis wegen Mordes aus Verachtung vor Gericht

Zwei Neonazis aus dem brandenburgischen Templin müssen sich wegen des Mordes an einem Mann aus dem Obdachlosenmilieu vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den 19 und 22 Jahre alten Angeklagten vor, Bernd K. im Juli 2008 brutal misshandelt und ihm dann den Kopf eingetreten zu haben.

Aus Verachtung sollen sie den arbeitslosen Alkoholiker totgetreten haben: Zwei Männer aus der rechten Szene müssen sich wegen Mordes an einem 55-Jährigen in Templin (Uckermark) vor Gericht verantworten. Angestachelt durch ihre rechte Gesinnung wollten sie den zeitweilig Obdachlosen im vergangenen Sommer für eine „Befehlsverweigerung“ bestrafen und misshandelten ihn, bis er tot war, hieß es in der vor dem Landgericht Neuruppin verlesenen Anklage.

Der betrunkene 55-Jährige (2,6 Promille) wollte schlicht nach einem gemeinsamen Trinkgelage nicht mit ihnen weiterziehen. Deshalb traten die 19- und 22-Jährigen laut Anklage dem am Boden liegenden Mann immer wieder mit großer Wucht gegen den Kopf. In seiner Rage habe der Jüngere schließlich beschlossen, den 55-Jährigen zu töten, „um zu sehen, wie ein Mensch stirbt“.

Beide Angeklagte waren zur Tatzeit auf Bewährung auf freiem Fuß

Wenige Stunden später wurde die Leiche des 55-Jährigen am Tatort - eine ehemalige Werkstatt in der Templiner Altstadt – entdeckt. Die Angeklagten sollen zuvor noch versucht haben, das Opfer anzuzünden. Als Motiv für die Tat nennt die Staatsanwaltschaft die rechte Gesinnung der Männer – der Jüngere soll am Tattag „Sieg Heil“ gerufen haben – und spricht von niedrigen Beweggründen. Sie hätten das Opfer verachtet, weil es arbeitslos, alkoholabhängig und manchmal obdachlos war. Der 19-Jährige soll den Mann als „Du Penner, Du Vieh“ beschimpft haben. Die Beschuldigten – nach Auskunft des Vereins „Opferperspektive“ beide damals auf Bewährung auf freiem Fuß – waren kurz nach dem Fund der Leiche am 22. Juli 2008 festgenommen worden.

Zum Prozessauftakt wurden die in Untersuchungshaft sitzenden Männer in Handschellen in den Saal 1 geführt. Krawalle gab es nicht, ein paar selbst ernannte Freunde waren aus Templin angereist, auch einige mutmaßlich Linke wollten sich die Verhandlung nicht entgehen lassen. Besondere Sicherheitsvorkehrungen gab es nicht. Zum Auftakt bemängelte ein Verteidiger, dass ein Bericht des Landeskriminalamtes zu Tatort-Spuren in den Unterlagen fehle. Dies soll nun die Staatsanwaltschaft klären, sie durfte aber dann die Anklage verlesen. Anschließend war der erste Prozesstag schon zu Ende.

Der Fall hatte wegen der Brutalität der Tat auch bundesweit für Aufsehen gesorgt. Und dann ließ auch noch der Bürgermeister der rund 80 Kilometer nördlich von Berlin gelegenen Stadt, Ulrich Schoeneich (parteilos), verlauten: Nein, eine rechte Szene gebe es in Templin nicht. Es folgte ein Aufschrei der Empörung. Von Bagatellisierung sprach der Vorsitzende der Initiative „Gesicht zeigen!“, Uwe-Karsten Heye. Und der Verein „Opferperspektive“ listete damals für das zurückliegende Jahr zehn rechte Gewalttaten in Templin auf.

Und damit nicht genug. Kurz nach dem Mord an dem 55-Jährigen wurde zudem in der Stadt ein 16-Jähriger brutal misshandelt und schwer verletzt. Auch hier ist der Tatverdächtige ein Anhänger der Rechten. Gegen ihn beginnt der Prozess am Donnerstag vor dem Amtsgericht Prenzlau. Das Verfahren in Neuruppin wird am 26. Januar fortgesetzt. Dann soll die Gerichtsmedizinerin ihr Gutachten vorlegen – es dürften weitere Einzelheiten zu der brutalen Tat ans Licht kommen.