Beutekunst

Frankfurter Kirchenfenster sind nun vollständig

Viele Jahre haben die Verhandlungen gedauert, nun endlich waren sie erfolgreich: Am Montag kehrten die letzten sechs Fensterscheiben der mittelalterlichen Bilderbibel der Marienkirche nach Frankfurt (Oder) zurück. Nach 67 Jahren. Damit ist ein weiteres Kapitel Beutekunst abgeschlossen.

Die sechs Fensterscheiben der kulturhistorisch bedeutenden mittelalterlichen „Bilderbibel“ sind aus Russland nach Frankfurt (Oder) zurückgekehrt. Die Glasmalereien stammen aus dem 14. Jahrhundert und gehören zur Marienkirche, der größten Hallenkirche der norddeutschen Backsteingotik.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) übergab die aus Moskau zurückgebrachten Bleiglasfelder am Montag der Stadt und dem Förderverein St. Marien. Nach intensiven Verhandlungen mit der russischen Regierung sei ein einzigartiges Kunstwerk nun wieder komplett, sagte Neumann.

Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass nun weitere, ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gelangte deutsche Kunstgüter von Russland zurückgegeben werden. Neumann bezeichnete die Rückgabe der lange verschollen geglaubten letzten sechs Frankfurter Fenster als Zeichen der Versöhnung zwischen den Völkern Deutschlands und Russlands.

Nun hofft man auf Rückgabe eines Silberschatzes

„Diese Rückgabe macht uns zuversichtlich, dass trotz aller Probleme bei gutem Willen beider Seiten Fortschritte möglich sind – wenn auch nur in kleinen Schritten.“ Der Bund hoffe auf die baldige Rückkehr des Silberschatzes der Fürsten zu Anhalt, der Bibliothek der Adelsfamilie von Hardenberg und eine aus Bremen stammende Sammlung wertvoller Zeichnungen und Grafiken.

Der russische Botschafter in Berlin, Wladimir Kotenev, bezeichnete die Rückgabe der Kirchenfenster als „Meilenstein in einem Prozess, der vor 50 Jahren angestoßen wurde“. 1958 waren rund 1,5 Millionen Werke an die DDR übergeben worden. Die Rückführung von Kunstgütern müsse ein gegenseitiger Akt sein, betonte Kotenev. Die deutsche Wehrmacht habe im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Kunstschätze aus sowjetischen Museen gestohlen, die bis heute nicht wieder in Russland seien.

Die Fenster sollen 2009 an ihren Platz zurückkehren

Die Frankfurter Kirchenfenster waren 1941 zum Schutz vor Kriegsschäden ausgebaut, im neuen Palais von Potsdam gelagert und nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sowjetunion gebracht worden. 111 Scheiben kamen 2002 aus St. Petersburg wieder in die Oderstadt zurück, wurden restauriert und wieder in den Ostchor des Kirchengebäudes eingebaut. Die nun zurückgekehrten sechs Felder sind Teile eines der drei Kirchenfenster. Sie sollen nach ihrer Restaurierung im Laufe des nächsten Jahres an ihren angestammten Platz zurückkommen.

Die farbenprächtigen Glasfenster der Marienkirche in Frankfurt (Oder) gelten als einzigartiges Zeugnis hochgotischer Glasmalerei. Die drei Chorfenster sind fast zwölf Meter hoch und entstanden zwischen 1360 und 1370. Auf den Bleiglasfeldern sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die Schöpfung, die Christusgeschichte und ein seltener Anti-Christ-Zyklus dargestellt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese „Bilderbibel“ ausgebaut und gelangte über Umwege nach dem Krieg in die Sowjetunion. Fast fünf Jahrzehnte galten die berühmten Fenster als verschollen, bis sie in der Eremitage in St. Petersburg entdeckt wurden. Die Oderstadt bemühte sich um die Rückführung des einzigartigen gläsernen Schatzes.

Anfang 2002 billigte das russische Parlament die Rückgabe der Fenster an Deutschland. Es stimmte damit erstmals seit Annahme des umstrittenen „Beutekunst“-Gesetzes für die Rückgabe von deutschen Kulturgütern. Das Gesetz über die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland verbrachten Kulturgüter ermöglicht die Rückgabe von Kirchengut. Im Sommer 2002 trafen die ersten Fenster an der Oder ein; sie wurden inzwischen restauriert und wieder in den Ostchor des heute als soziokulturelles Zentrum genutzten Kirchengebäudes eingebaut.