Bandidos vs. Hells Angels

Rocker vor Gericht – Polizei rechnet mit mehr Gewalt

Heute startet der Prozess gegen einen 26-Jährigen aus der Rockergruppe "Bandidos", der in Cottbus auf Angehörige der verfeindeten "Hells Angels" geschossen haben soll. Die Polizei rechnet seit Langem mit weiteren Gewaltausbrüchen, vor allem in Ostbrandenburg. Tote seien dabei nicht ausgeschlossen.

Foto: ddp / DDP

Die Schüsse eines Mitglieds der Motorradrockergruppe „Bandidos“ auf einen Rivalen der „Hells Angels“ in Cottbus werden heute ab 10 Uhr vor dem Landgericht Cottbus verhandelt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort, um eventuelle Gewalttätigkeiten zwischen den verfeindeten Motorradclubs (MC) zu verhindern. Die Sicherheitsbehörden rechnen mit bis zu 300 anreisenden Mitgliedern.

Der 26 Jahre alte Angeklagte wird beschuldigt, bei einer Auseinandersetzung am 9. Februar in der Cottbuser City mit einer halbautomatischen Pistole mehrmals auf einen 27-Jährigen gefeuert zu haben. Das Opfer wurde lebensgefährlich in der Leber-Milzgegend verletzt, konnte aber durch eine Notoperation im Carl-Thiem-Krankenhaus gerettet werden.

Angreifer mit dem Kinderwagen unterwegs

Der mutmaßliche Schütze André S. war am Sonnabendnachmittag mit seiner 22-jährigen Lebensgefährtin und ihrem elf Wochen alten gemeinsamen Sohn im Kinderwagen in der Cottbuser Innenstadt spazieren gegangen – Spremberger Straße, Spreegalerie, Altmarkt. Als sie dort ein Eis essen wollten, soll ein Angehöriger der Bulldozer (Unterstützer-Gruppe des Hells Angel MC) vorbeigekommen sein und Verstärkung gefordert haben.

An einem Asiaimbiss auf dem Markt habe wenig später ein Auto gehalten und die verfeindeten Rocker sollen das Paar mit Kind umringt haben. In ihren Händen: Schlagstöcke, Messer und Pfefferspray in Bierflaschengröße. Die Angreifer sollen ihre Opfer mit dem Spray eingenebelt haben. Daraufhin gab André S. laut Staatsanwaltschaft mindestens fünf Schüsse ab. Der 27-jährige Bulldozer-Anhänger torkelte, seine Freunde legten ihn an der Oberkirche ab. Auf dem Rücken des Mannes sahen Zeugen einen großen Blutfleck.

André S. kam nach dem Vorfall sofort mit Haftbefehl in Untersuchungshaft. Für die Pistole besaß er keinen Waffenschein. Ihm wird versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Im Zusammenhang mit den Schüssen waren gegen zehn „Hells Angels“-Unterstützer Haftbefehle wegen Landfriedensbruches ergangen. Diese wurden aber wieder außer Vollzug gesetzt. Pikant: Drei der damals festgenommenen Motorradrocker sollen Zeitsoldaten der Bundeswehr gewesen sein.

Gruppe der Hells-Angels-Unterstützer bröckelt in der Mark

Zwischen den rivalisierenden Motorradgruppen in Brandenburg und Berlin kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, die teils blutig enden. Dabei geht es um Verteilungskämpfe im Türstehermilieu und bei Schutzgelderpressungen.

„Zur Zeit versucht der Bandidos MC im äußeren Osten zu einer Hegemonialmacht aufzustreben“, sagt Michael Gellenbeck, Leiter Ermittlungen beim Landeskriminalamt (LKA) in Eberswalde. In Cottbus hätten die „Hells Angels“ knapp 20 Mitglieder. Die Anzahl ihrer so genannten „Supporter“ der Gruppe „Bulldozer/Frontal“ sei fast drei Mal so hoch. „Allerdings bemerken wir bei ihnen Unruhe und Auflösungserscheinungen. Die Gruppe bröckelt“, so Gellenbeck. Der Bandidos MC hingegen öffne sich auch in Brandenburg zunehmend Personen mit Migrationshintergrund – Türken, Nordafrikanern.

Der „Gremium MC“ ist nach Angaben des LKA bei Kämpfen um die Vormacht im Land „eher in den Hintergrund getreten“. Zu Gewaltausbrüchen komme es vorwiegend zwischen „Bandidos“ und „Hells Angels“, die bis vor drei Jahren keine Ortsgruppen in der Lausitz hatten. Gellenbeck: „Gewalttätige Aktionen sind weniger Teil einer großen Strategie der Rockergruppen, sondern eher zufällige Begegnungen.“ Der Kriminaldirektor warnt: „Man kann aber nicht ausschließen, dass es dabei zu Toten kommt.“